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Eishockey-WM

29.04.2015

„Wir müssen gewinnen. Aus.“

Franz Reindl hofft auf ein besseres Abschneiden als bei der vergangenen WM.
Bild: Andreas Arnold (dpa)

Eishockey Verbands-Präsident Franz Reindl über die WM-Ziele des deutschen Nationalteams, die Bilanz von Trainer Cortina und das Programm von sieben Spielen in zehn Tagen.

Franz Reindl, Sie waren schon Spieler der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft, Trainer, Generalsekretär und sind jetzt Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes. An wie vielen Weltmeisterschaften haben Sie teilgenommen?

Reindl: Jetzt wird’s eng, ich muss ein bisschen rechnen ... Es sind gefühlt 35 WM-Turniere, vielleicht auch 38.

Freuen Sie sich noch auf die WM, die am 1. Mai in Prag beginnt oder ist das Routine?

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Reindl: Nein, ich freue mich riesig. Jede Weltmeisterschaft ist für mich etwas Besonderes. Im Eishockey hat es sich so eingebürgert, dass nach den Play-offs in den verschiedenen Ländern die WM als Höhepunkt kommt. Für den DEB ist es sowieso das größte Ereignis, das wir haben. Und in diesem Jahr ist es etwas ganz Besonderes.

Warum?

Reindl: Zum einen haben wir die WM 2017 in Deutschland und Frankreich schon im Blick. Zum Zweiten nehme ich erstmals als Präsident teil. Und schließlich ist das Programm für uns unglaublich hart. Das ist „Best of seven“ in zehn Tagen. Wir fangen später an als die anderen und hören mit der Vorrunde früher auf. Da gibt es keine Zeit für irgendetwas anderes. Granatenmäßig.

Wie können Eishockey-Profis sieben Spiele in zehn Tagen bewältigen?

Reindl: Puh, schwierig. Zu meiner Zeit haben wir ja gejammert, wenn es vier Spiele in ein paar Tagen waren. Sieben in zehn ist schon eine andere Hausnummer, vor allem bei der Intensität, die heute herrscht, die du auf der Eisfläche spürst.

Welche Weltmeisterschaften zählen zu ihren Höhepunkten?

Reindl: Vor allem die Heimturniere. 1993 stand ich als Assistent mit Ludek Bukac an der Bande. Damals sind wir ins Viertelfinale und sind in München gegen Russland ausgeschieden. Dann die WM 2001 in Deutschland und vor allem 2010 mit dem Erreichen des Halbfinales. Wir haben nicht nur mitgespielt, wir waren gegen Russland die dominierende Mannschaft und haben 1:2 verloren. Wir sind ja nicht nur auf dem Eis gelegen und haben verteidigt. Das war ein Riesenspiel in einer Kölner Arena, die 18 500 Zuschauer fasst und die mit 19 400 Fans besetzt war. Das geht mir bis heute nicht aus dem Kopf. Auch dass wir alle zehn WM-Partien, zuletzt noch das Spiel um Platz drei, bestreiten konnten, war herausragend.

Welche WM-Turniere sind in schlechter Erinnerung geblieben?

Reindl: Die WM in Italien 1994 mit Bukac und mir, als wir abgestiegen sind. Auch der Abstieg 1998 mit George Kingston und Erich Kühnhackl war dramatisch, weil wir die Heim-WM 2001 im Blick hatten. Negativ hängen geblieben ist auch das Turnier 2005 in Österreich mit Trainer Greg Poss. Die Abstiegsspiele in Innsbruck vor nur 500 Zuschauern waren ein Trauerspiel, das hat geprägt. 2012 mit Köbi Kölliker war auch schlecht. Da sind wir in der Weltrangliste richtig abgerutscht und haben uns bis heute davon nicht erholt.

Wie sieht die WM-Bilanz des aktuellen Bundestrainers Pat Cortina aus?

Reindl: 2013 mit Platz neun war gut. 2014 mit Rang 14 war nicht gut. In dieser Saison haben wir den Deutschland Cup gewonnen. Die Junioren sind jedoch abgestiegen. Pat Cortina kann bei der WM in Prag seine Bilanz verbessern.

Cortinas Vertrag läuft nach den Titelkämpfen aus. Mit welchem Bundestrainer geht es weiter?

Reindl: Pat hat jetzt unsere volle Unterstützung, danach werden wir Bilanz ziehen.

Es gibt maßgebliche Stimmen aus der DEL, die sich vorstellen können, dass der Bundestrainer künftig wieder auch in Doppelfunktion als Klubtrainer arbeiten könnte. Auch weil die finanzielle Lage des DEB schwierig ist. Wie stehen Sie dazu?

Reindl: Da gibt es verschiedene Philosophien und Ansichten. Aber das ist Spekulation. Dazu will ich jetzt nichts sagen.

Ex-Bundestrainer Uwe Krupp, mit dem Sie sich bestens verstehen, war zuletzt oft bei Länderspielen zu sehen. Ist Krupp eine Option?

Reindl: Noch mal: Wir ziehen nach der WM Bilanz und treffen dann Entscheidungen.

Wie lautet das Ziel für Prag, wann ist es eine gute WM?

Reindl: Platz neun oder zehn würde ich schon als eine sehr gute Weltmeisterschaft bezeichnen, denn die Konstellation mit dem Mammutprogramm ist hart. Wichtig ist für uns, wo wir nach dem Turnier in der Weltrangliste stehen. Es wäre wichtig, wenn wir uns von Platz 13 auf elf nach vorne arbeiten könnten, denn dann hätten wir in der Olympia-Qualifikation für 2016 in Korea das Heimrecht für ein Turnier.

Welcher WM-Rang ist für den Aufstieg in der Weltrangliste nötig?

Reindl: Das kann man nicht genau vorhersagen, weil das Abschneiden der anderen Nationen dafür ebenfalls wichtig ist.

Welche Gegner sollte die deutsche Mannschaft schlagen?

Reindl: Ich sehe in unserer Gruppe eine Zweiteilung. Auf der einen Seite die Top-Vier-Nationen Kanada, Schweden, Tschechien und die Schweiz. Die anderen vier mit uns, Österreich, Lettland und Frankreich sind auf Augenhöhe.

Olympia in Sotschi wurde erstmals seit 65 Jahren verpasst, bei der WM in Minsk sprang nur Rang 14 heraus. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Reindl: Es ist nicht befriedigend, wo wir stehen. Wenn du auf Platz 13 oder oder 14 der Weltrangliste bist, dann interessiert das heute keinen. Dann zeigt das öffentlich-rechtliche Fernsehen lieber Rodler, die im schwarz-rot-goldenen Dress über die Ziellinie fahren, als Eishockey. Die Vergangenheit hat uns da hingeführt, wo wir heute sind: finanziell, sportlich, wirtschaftlich und organisatorisch. Ich bin froh, dass wir in der jüngsten Mitgliederversammlung die Profiklubs aus der DEL und der DEL2 wieder in den Verband aufgenommen haben. Jetzt können wir gemeinsam Fahrt aufnehmen.

Wie soll das gehen?

Reindl: Wir müssen besser werden, das dauert. Die Fahrstuhl-Eigenschaft unserer Sportart muss weg. Wenn alles passt und alle an Bord sind, können wir ins WM-Halbfinale kommen. Bei der nächsten WM können wir aber auch absteigen. Deshalb haben wir unser Nachwuchsprogramm Powerplay 26 gestartet und wollen langfristig unsere Nationalmannschaft entwickeln. Aber wir brauchen bei großen Turnieren Ergebnisse, wir müssen gewinnen. Aus.

Die Fragen stellte Milan Sako

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