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Vierschanzentournee 2022
02.01.2022

Flacken, chillen, schlafen: Eisenbichler vor der zweiten Tourhälfte

Für Markus Eisenbichler läuft die Vierschanzentournee bisher gut.
Foto: Daniel Karmann, dpa

Zur Halbzeit der Vierschanzentournee versprüht Markus Eisenbichler Optimismus. Karl Geiger findet hingegen vieles "zum Kotzen".

Die Nacht war kurz nach dem Riesensatz von Garmisch-Partenkirchen. Als Markus Eisenbichler am Sonntagmorgen im Teamhotel Riessersee zum Videointerview erschien, wirkte er noch ein wenig müde. "Viel geschlafen habe ich nicht, ich hab ja noch ein bisschen Augenringe", erzählte der Siegsdorfer. Dann folgte ein O-Ton, wie ihn nur der "Eisei", so Eisenbichlers Spitznamen, liefert: "Ich hab mich in eine spezielle Vorrichtung für die Haxn eini gflackt, die mit Luftdruck betrieben wird. Danach nur noch gechillt und geschlafen."

Flacken, chillen, schlafen – das zweite Springen der Vierschanzentournee am Neujahrstag hatte Eisenbichler gefordert. Im zweiten Sprung hatte der 30-Jährige mit 143,5 Metern den weitesten Satz des Tages geliefert., sprang lediglich 50 Zentimeter am Schanzenrekord vorbei und musste sich am Ende doch um die Winzigkeit von rund zehn Zentimetern oder 0,2 Punkten geschlagen geben.

Den Tagessieg holte sich wie bereits zum Auftakt in Oberstdorf Ryōyū Kobayashi, der zwar im zweiten Durchgang nur auf 135,5 Meter segelte, aber die wesentlich besseren Haltungsnoten und damit mehr Punkte kassierte. Eisenbichler landete bei seinem Beinahe-Rekord in der Hocke, konnte den Sprung gerade noch stehen. "Einen Telemark habe ich mir irgendwie nicht getraut, weil ich da unten drin keine Linie mehr gesehen habe", sagte der Oberbayer nach dem Wettkampf bei strahlendem Sonnenschein im Werdenfelser Land.

Sind eng befreundet: Karl Geiger (links) und Markus Eisenbichler.
Foto: Daniel Karmann, dpa

"Zum Kotzen": Karl Geigers Laune befindet sich im Keller

Das frühlingshafte Wetter passte so gar nicht zur Laune von Karl Geiger, der bei beiden Versuchen Pech mit den Windverhältnissen hatte, aber selbstkritisch einräumte: "Ich bin einfach angefressen. Für die Bedingungen, die ich hatte, hätten die Sprünge besser sein müssen. Mehrere Sachen sind zusammengekommen. Dass es gerade wieder bei der Tournee passiert, ist echt zum Kotzen."

Davor hatte der 28-Jährige zuerst seine Tasche in den Schnee gepfeffert und anschließend einen Handschuh vor Wut fortgeschleudert. Garmisch war ein gebrauchter Tag für den Oberstdorfer, der nach Sprüngen auf 130 und 127,5 Meter auf der Olympiaschanze Platz sieben belegte und in der Gesamtwertung auf Rang sechs liegt. Zudem verlor er die Führung im Gesamtweltcup an den Japaner.

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Nach dem Sonntag-Frühstück und der Video-Runde mit den Journalisten brach die Mannschaft des Deutschen Skiverbandes nach Innsbruck auf, wo am Montag die Qualifikation (13.30 Uhr) und am Dienstag (13.30 Uhr/live im ZDF und Eurosport) die dritte Station der Springertournee folgt. Am Bergisel entscheidet sich meist, wer den Goldenen Adler bekommt. Die Statistik sagt: Mit insgesamt 35 Tagessiegen triumphierten die späteren Gesamtsieger der Vierschanzentournee am häufigsten auf der Bergiselschanze. Im Sommer reiste die DSV-Mannschaft samt wissenschaftlicher Mitarbeiter nach Innsbruck, um die berühmt-berüchtigte Anlage zu verstehen. "Der Anlauf ist anders, geht steil los, hat einen knackigen Radius und dann einen langen Tisch", beschreibt Eisenbichler die dritte Aufgabe und erzählt aus dem Trainingslager: "Wir haben versucht, den Rhythmus der Schanze zu verinnerlichen."

Der Zweitplatzierte Markus Eisenbichler (von links), der Sieger Ryoyu Kobayashi aus Japan und der Drittplatzierte Lovro Kos aus Slowenien bei der Siegerehrung.
Foto: Angelika Warmuth, dpa

Für Ryōyū Kobayashi scheint alles mühelos zu sein

Während die Deutschen springen, kämpfen, jubeln, hadern oder abends die "Haxn" in Kompressionsstrümpfe zwängen, scheint Ryōyū Kobayashi mühelos zum Gesamtsieg zu schweben. Nach zwei Tagessiegen liegt der Japaner unangefochten an der Spitze. Eisenbichlers Rückstand auf den Japaner als Vierter beträgt 21 Punkte. Geiger folgt auf Rang sechs mit 32 Zählern Differenz. Wenn man bedenkt, dass 1,8 Punkte etwa einen Meter bedeuten, dann muss der Japaner schon regelrecht abstürzen, um den Gesamtsieg zu verpassen. Kobayashi sei der Athlet der Stunde, "springt extrem gut und bügelt alles nieder", sagte Bundestrainer Stefan Horngacher.

Der 52-Jährige hält es auch für einen Vorteil, dass der Japaner weder Deutsch noch Englisch spricht. "Für ihn ist es leichter zu sagen, ich verstehe es nicht. Dann ist die Kommunikation eine ganz andere, dann ist gleich mal Ende im Gelände", sagte Horngacher. Kobayashi sei "ganz weit weg von zuhause, er versteht nix. Dann sind viele Dinge einfach viel, viel leichter."

Auf der anderen Seite muss bei den Deutschen Springern alles optimal laufen, wenn die zwanzigjährige deutsche Durststrecke seit dem Sieg von Sven Hannawald 2002 zu Ende gehen soll. Eisenbichler konzentriert sich ganz auf seine Sprünge in Innsbruck und sagte: "Das Gesamtklassement ist mir wurscht." Als ihn ein Journalist über den aktuellen Stand informierte, antwortete der 30-Jährige: "Ich habe jetzt auch das erste Mal erfahren, dass ich Vierter bin. Danke dafür." Karl Geiger, der im schweizerischen Engelberg den Japaner noch besiegt hatte, arbeitet daran, sein Flugsystem wieder zu finden.

Die Springer bleiben im Tunnel. Horngacher dagegen blickte schon ein Stück weiter: "In der Geschichte der Vierschanzentournee sind schon viele kuriose Dinge passiert", sagte der Bundestrainer vor den DSV-Werbebannern im Teamhotel in Riessersee. Seinen Athleten machte Horngacher vor der Abfahrt nach Österreich Mut: "Wir haben zwei Springer, die ihn schlagen können."

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