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Aichach
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150 Jahre Feuerwehr Aichach: Mit Helm und Herz

Seit 2014 befindet sich die Einsatzzentrale der Freiwilligen Feuerwehr Aichach in der Freisinger Straße 112.
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Seit 2014 befindet sich die Einsatzzentrale der Freiwilligen Feuerwehr Aichach in der Freisinger Straße 112.
Foto: Feuerwehr Aichach

Wo Hilfe gebraucht wird, sind die mutigen Frauen und Männer der Feuerwehr Aichach zur Stelle. Dabei nehmen sie viele Gefahren auf sich - ein Rückblick.

Lange bevor es moderne technische Hilfsmittel gab, wurden die Feuerwehrleute in der Stadt Aichach mit dem Horn alarmiert. Über den Hornisten und Bäckermeister Johann Heller ist überliefert, dass er einmal bei der Alarmierung so aufgeregt war, dass er nicht blasen konnte. Er nahm das Horn unter den Arm und lief durch die Straßen und rief laut „Brenna duad’s“.

Derartige Geschichten zum Schmunzeln gibt es mehrere in der 150-jährigen Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Aichach, die im Mai 1871 gegründet wurde. Dieses große Jubiläum hätte eigentlich Anfang Juni gebührend gefeiert werden sollen, aber Corona zwang die Verantwortlichen letztlich auch noch zur Absage des abgespeckten Feierprogramms. Vergessen soll der Jahrestag aber nicht werden.

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Aichach fiel in eine Zeit, in der große Brandkatastrophen im ganzen Land für Furcht und Schrecken sorgten. Das behördliche Löschwesen war lange Zeit recht undiszipliniert. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts wurden brauchbare Feuerlöschpumpen gebaut.

Die Gründungsurkunde der Aichacher Feuerwehr.
Foto: Feuerwehr Aichach

In Aichach standen zur damaligen Zeit in bestimmten Häusern große Behälter mit Löschwasser und lederne Löscheimer bereit. Bei einem Einsatz mussten die Bierbrauer und Weinwirte Zuber und Fässer herbeibringen. Die Maurer, Zimmerer und Kaminkehrer rückten mit Leitern an. Die Nachbarn und Helfer bildeten eine „Eimerkette“. Die Feuerlöscheimer waren die einzigen Löschhilfen, bis der Bierbrauer Lorenz Alois Gerhauser 1795 die erste Handspritze erwarb, die er auch der Stadt zu Verfügung stellte.

Die Gründung der Aichacher Feuerwehr verlief zunächst etwas holprig. Die Wurzeln der Freiwilligen Feuerwehren in Bayern liegen in Augsburg. Dort verpflichteten sich im Juli 1848 die Mitglieder eines Turnvereins, bei Schadensfeuer in der Stadt zu helfen. Auch andernorts gingen die Feuerwehren meistens aus den Turnvereinen hervor. So war es auch in Aichach.

Die Anfänge: Vom Turnen zum Löschen

Die Idee, eine Feuerwehr zu gründen, kam bereits 1868 auf. Ein Jahr später signalisierten einige Mitglieder des Turnvereins, eine Feuerwehr gründen zu wollen, was aber von der Mitgliederversammlung nicht genehmigt wurde. Daraufhin traten 20 Mitglieder aus dem Turnverein aus, darunter der gesamte Ausschuss des Vereins. Diese 20 richteten am 25. Mai 1869 ein Gesuch an das königliche Bezirksamt, um die Gründung eines Feuerwehrvereins. Wenig später beantragte der neue Vorstand des Turnvereins bei der Stadt Aichach die Umwandlung des Turnvereins in eine Turn-Feuerwehr. Behandelt wurde das Gesuch in der Magistratsitzung am 8. Juli 1869. Bürgermeister Kapfhamer und die Räte Koppold, Baumeister, Werlberger, Thalhofer und Mayer würden nur dann zustimmen wollen, wenn Zeugmeister (verantwortlich für die Wartung, Instandhaltung und Überprüfung sowie die Reinigung und Pflege aller Ausrüstungsgegenstände) an der Spritze stünden und sich auch die Bürgerschaft beteiligte. Die Verhandlungen zogen sich aber in die Länge und wurden vermutlich vom Krieg 1870/71 unterbrochen.

1917: Für ein Foto zum Bezirksfeuerwehrtag entstand dieses Foto.
Foto: Feuerwehr Aichach

Am 19. Mai 1871 war es dann aber so weit. Bei einer großen Versammlung traten 119 Mitglieder dem neu gegründeten Aichacher Feuerwehrverein bei, darunter vermutlich auch viele Mitglieder des Turnvereins. Die aktive Mannschaft setzte sich aus Kommandant, Adjutant, Feuerwehrchirurg, elf Signalisten, 51 Steiger, 34 Spritzenleuten und 19 Ordnungsmänner zusammen. Gründungsvorsitzender war der königliche Bezirksamtmann Andreas Weckerle. Zum ersten Kommandanten berufen wurde Johann Müller. Ab 1874 durften die Feuerwehrler ihre Kommandanten selbst wählen.

Es dauerte nur wenige Monate, bis der erste Einsatz kam. Am 7. Dezember 1871 brannte die Pferdestallung der Witwe Pachmayr (Stieglbräu) ab. Am 8. April 1882 brach in Oberbernbach ein spektakulärer Brand aus. Der Funkenflug der vorbeifahrenden Dampfeisenbahn steckte die Strohdächer der nahen Bauernhöfe in Brand. Insgesamt fielen acht landwirtschaftliche Anwesen dem Feuer zum Opfer.

Die Alarmierung der Feuerwehr im Stadtgebiet läuft heute über ein spezielles Funknetz und die integrierte Leitstelle in Augsburg. Um die Jahrhundertwende informierten Hornisten die Feuerwehr. Zudem wurde eine Person bestimmt, die zur Pfarrkirche lief, um mit den Kirchenglocken zu läuten. Zu den markanten Alarmierungen gehörte die 1952 gebaute „Weckerlinie“. Eine Drahtverbindung, die quer durch die Stadt zu den Feuerwehrlern ging und bei Alarm eine Glocke auslöste.

Einer der verheerendsten Brände der jüngeren Geschichte entflammte 1961 im Gasthaus „Zum Froschermayr“.
Foto: Feuerwehr Aichach

Nicht einheitlich war die Uniformierung in der Gründerzeit. Die Feuerwehrmänner wurden von ihren Oberen darauf hingewiesen, dass sie beim Kauf einer Joppe für den privaten Bereich auch auf die Bedürfnisse im Feuerwehrdienst Rücksicht nehmen sollten. Technisch hielt sich die Aichacher Feuerwehr immer auf dem neuesten Stand, ausgerichtet auch auf Hilfeleistungen im Bezirk. Im Jahr 1874 erwarb man eine weitere Spritze. In den folgenden Jahren wurde der Technik-, Spritzen- und Fahrzeugpark kontinuierlich erweitert.

Nachdem die Stadt Aichach 1903 ihre Hochdruckwasserleitung fertiggestellt hatte, kaufte man zwei Hydrantenwagen. Angeschafft wurden 1912 zwei 16 Meter lange fahrbare mechanische Holzleitern. Die aufkommende Motorisierung machte auch in Aichach nicht halt. Im November 1921 genehmigte der Bezirkstag (heute Kreistag) den Erwerb einer Kraftfahrzeugspritze. Sie war die Erste im Bezirk und hatte eine Förderleistung von 800 bis 1000 Liter Wasser pro Minute. Die Bezirksmotorspritze ist bis heute auch das teuerste Fahrzeug der Aichacher Feuerwehr. Inflationsbedingt lag der Anschaffungspreis bei drei Millionen Mark. Mit der Bezirksmotorspritze legte man die Wurzeln eines Überlandlöschzuges. Die Besatzung des Überlandlöschzuges unterschied sich durch ihre Ausrüstung von anderen Wehren.

Feuerwehr Aichach: In ständigem Wandel

Zu Zeiten des Nationalsozialismus änderte sich die Farbe der Feuerwehrfahrzeuge. Aus dem Rot wurde eine dunkelgrüne Lackierung. Die damaligen Machthaber wandelten die Freiwilligen Feuerwehren zu einer Feuerlöschpolizei um. Ein Anhänger aus dieser Zeit steht heute im Feuerwehrmuseum in der Zentrale an der Freisinger Straße, die 2014 bezogen wurde.

Immer zur Stelle, wenn es brennt: Die Feuerwehr Aichach.
Foto: Feuerwehr Aichach

In den Nachkriegsjahren wurden der Fuhrpark und das technische Gerät der Aichacher Feuerwehr ständig erweitert. Seit 1958 gibt es zwei Pressluftatmer. Dies war der Beginn der Atemschutzgruppe. Die Einsatzfelder der modernen Feuerwehr von heute sind vielfältig. Seit 1976 steht die Aichacher Feuerwehr auch als Ergänzungseinheit im Katastrophenschutz bereit.

1986 wurde in Aichach und Friedberg eine Strahlenschutzgruppe ins Leben gerufen. Mit Bezuschussung des Freistaates Bayern wurde für beide Feuerwehren eine Strahlenausrüstung gekauft.

Neben der Brandbekämpfung leistet die Stützpunktfeuerwehr technische Hilfe in allen Notlagen, oft auch bei Verkehrsunfällen. Die derzeit rund 90 aktiven Frauen und Männer der Aichacher Wehr sind ehrenamtlich tätig und gehören mit ihrer Sonderausrüstung und Spezialausbildung zum Rückgrat des Brandschutzes im Landkreis. Personell gab es 2019 einen Generationswechsel in der Führungsriege: Vorsitzender ist seitdem Benedikt Schulz, Kommandant Christoph Fischer. Ihre Vorgänger, Vereinschef Hannes Ziegler und Kommandant Michael Sieber, hatten das Wirken der Wehr viele Jahre geprägt.

Die Einsatzzentrale im Gerätehaus der Aichacher Feuerwehr ist auf neuestem technischen Stand.
Foto: Feuerwehr Aichach

Zur Erinnerung an das Jubiläum wurde jetzt am Gerätehaus in der Freisinger Straße ein zwei Meter hohes Denkmal errichtet, das nachts beleuchtet ist und einen Feuerwehrmann unter schwerem Atemschutz sowie einen Feuerwehrmann im Außenangriff beim Bekämpfen der Flammen zeigt. Eine Festschrift mit Berichten zur 150-jährigen Geschichte kann ab Mitte Juni bei der Feuerwehr erworben werden. Laut Vorsitzendem Schulz soll das Jubiläum zu einem späteren Zeitpunkt bei einer passenden Gelegenheit nach- oder mitgefeiert werden.

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