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Jobchancen: Leistung, Aussehen oder Glück

Jobchancen

Leistung, Aussehen oder Glück

Bewerbungen sind nicht immer von Erfolg gekrönt.
Bewerbungen sind nicht immer von Erfolg gekrönt. Foto: ehrenberg-bilder/stock.adobe.com

Was braucht man, wenn man Erfolg im Beruf haben möchte? Für die meisten ist die Antwort klar: Leistung ist entscheidend. Oder auch: Eine gute Ausbildung sowie Fleiß, Glück und Durchsetzungsvermögen. „Ein Drittel Sein, ein Drittel Schein und ein Drittel Schwein“, formulieren manche flapsig. Aber so funktioniert der Aufstieg auf der Karriereleiter nicht unbedingt.

Die Soziologin Dorothee Echter bringt es auf eine andere Formel: „Die Währung für Anerkennung bekommen ist Anerkennung geben.“ Gemeinsam mit der Betriebswirtin Dorothea Assig berät sie regelmäßig Klienten im Topmanagement.

Ihren Erfahrungen nach sind es häufig Karrieremythen, die beruflich hemmen. Etwa, zu denken, dass Schmeicheln und Schleimen hilft, dass man Karriere macht, wenn man sich durchsetzt, dass „die da oben“ ohnehin narzisstische Egomanen sind. Worauf kommt es also an? „Wirklich gute Leistung zu bringen, ist die Basis. Vor allem am Anfang ist das wichtig“, sagt Echter.

Danach müssen jedoch andere entscheidende Kompetenzen hinzukommen. Das würden auch umfangreiche Daten aus der Forschung zeigen, sagt der Diplom-Psychologe Prof. Florian Becker. Leistung sei zwar nicht egal, aber weit weniger wichtig als viele glauben.

„Natürlich ist es wichtig, früh zur Arbeit zu gehen und lange zu bleiben“, so Becker. „Aber nicht, weil du dann mehr leistest, sondern weil du dann mehr da bist, automatisch mehr Informationen, Chancen und Netzwerk bekommst.“ Weil man beispielsweise den Geschäftsführer in der Tiefgarage trifft oder den Projektleiter vor der Kaffeemaschine. Karriere erfolge nach dem Sponsorenprinzip: „Meist entscheidet ein kleiner Zirkel mächtiger Menschen.“

Um oben dabei sein zu können, sei es wichtiger, die Spielregeln des Networkings zu kennen. „Wenn du Karriere machen willst, solltest du soziales Kapital aufbauen und gute Kontakte knüpfen“, rät Becker. Er verweist auf Untersuchungen, die zeigen, dass die Führungskräfte am schnellsten Karriere machen, die die Hälfte ihrer Zeit genutzt haben, um sich mit mächtigen Personen im Unternehmen zu verknüpfen.

„Die meisten unterschätzen, dass jede Empfehlung, jede Förderung und jede Berufung entscheidend mit dem Wohlwollen vieler Menschen zu tun hat“, sagt Dorothee Echter. Sie empfiehlt, „mit großen, positiven Worten“ nicht nur über sich selbst zu sprechen, sondern auch über andere. Und anderen immer positive Motive zu unterstellen.

Das Zauberwort sei Wertschätzung – und zwar sowohl nach innen, als auch nach außen. Mit freundlichen Gesten, mit Lob und Komplimenten und auch mit Großzügigkeit und Gelassenheit. Es gehe darum, sich nach außen als unkompliziert zu erweisen.

Ebenso wichtig, wie das Richtige zu tun, sei es, das Falsche zu unterlassen, sagt Dorothea Assig. Der „Wohlwollen- und Empfehlungsprozess“ ist nämlich höchst empfindlich. Er wird durch kleinste Unhöflichkeiten, mangelnde Wertschätzung und vor allem durch negatives Reden gestört.

Stattdessen sollte man die Chance nutzen, genau dann zu helfen, wenn der Chef oder die Chefin ein Problem hat. Was nicht heißt, dass man sich anbiedern sollte. „Sondern eher: Wenn es sie irgendwo juckt oder sie Schmerzen haben, dann musst du da sein“, appelliert Becker. Wer in solch einer Situation unterstützen kann, werde eher gefördert, als jemand, der gute Ergebnisse liefert.

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