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Investor werden

24.02.2020

Wenn Renditen zur erfreulichen Begleiterscheinung werden

Andreas Ogger als Seminarleiter für finanzielle Bildung

Investor und Anlageberater Andreas Ogger spricht im Interview über die Wichtigkeit sich in finanziellen Dingen zu bilden – Grundvoraussetzung für einen sinnvollen und klugen Vermögensaufbau.

Guten Tag Herr Ogger, seit einigen Jahren geben Sie in Seminaren Tipps, wie Vermögensaufbau gelingen kann. Haben denn die Deutschen und Österreicher eine Finanzschule nötig?

Andreas Ogger: Das hängt vom Lebensstandard ab, den sie sich wünschen. Wenn sie finanzielle Bildung dann als nötig für sich und ihre Familie erachten, dann stimmt die Ausrichtung und Entscheidungsfähigkeit. Über zwei Billionen Euro auf deutschen Privatkonten gäbe es jedenfalls nicht, wenn die Leute für dieses Geld einen Plan hätten, dem sie vertrauen.

Viele kritisieren seit langem, dass Themen wie Finanzen und Vermögensaufbau auf keinem Lehrplan zu finden sind. Diese Lücke wollen Sie aber schon ein wenig schließen, oder?

Andreas Ogger: Ich lerne selbst am meisten, wenn ich weitergebe, was mich begeistert. Vor 15 Jahren hatte das noch viel mit Musik, Medizin und Sport zu tun, bis mich die Investorenwelt immer mehr in Beschlag genommen hat. Mich freut es sehr, wenn ich vermitteln kann, wie viel Spaß und persönliches Wachstum es bringt, gekonnt mit Geld umzugehen und vielleicht größere Geldmengen aufzubauen, für welche spannenden Ziele im Leben des jeweiligen Investors auch immer.

Kann also jeder Investor werden, weil es mit ein paar Grundbegriffen und Kennzahlen machbar ist, sich im Finanzdschungel zurechtzufinden?

Andreas Ogger: Investieren lernen kann meiner Meinung nach jeder, richtig; und dieses Wissen dürfte in Zeiten von Minuszinsen, Geldentwertung, überteuerten Immobilien, unsicheren Renten und ständig steigenden Kosten und Steuern immer wertvoller werden. Politik, Demografie, Digitalisierung und ökonomische Megatrends lassen Europa einer Zukunft entgegengehen, die jedem Geldbeutel ans Leder gehen wird. Aber schauen Sie sich um: Bis heute ist nur ein kleiner Teil bereit, in die eigene finanzielle Bildung zu investieren mit dem Ziel, ein mündiger Investor zu werden, dem niemand unsinnige Finanzprodukte aufschwatzen kann. Den meisten reicht es, Geldanleger zu bleiben und die Verantwortung fürs eigene Geld in die Hände der Finanzindustrie zu legen.

Ist nicht jeder, der sein Geld gewinnbringend anlegen will, ein Investor? Sie scheinen da einen Unterschied zu machen...

Andreas Ogger: Oh ja, vieles unterscheidet einen Geldanleger von einem Investor. Sicher zählt ein Investor auch zu den Anlegern, doch der normale Geldanleger ist kein Investor: Wer sein Geld einer Versicherung, einer Bank oder dem Staat mit seinen Anleihen überlässt, ist eher ein Geldverleiher, und für die Leihgabe von Kapital gibt es Zinsen. Ein Investor aber will nicht mit Zinsen abgefertigt werden – egal, ob sie nun bei null oder 4 % liegen –, nein, er will am Ergebnis einer Wertsteigerung beteiligt sein. Und dann sprechen wir nicht von Zins, sondern von Gewinn oder Ertrag!

Doch wer gewinnen will, kann auch verlieren…

Andreas Ogger: Das stimmt, Verluste tun immer weh. Oft ist es allerdings der Mangel an Wissen, der zur Mutlosigkeit führt – oder man ist schlicht zu träge, sich um das eigene Geld zu kümmern. Oder es ist der Glaubenssatz, dass scheinbar garantierte Zinsen der beste Schutz vor Verlusten wären. Dass nichts im Leben sicher ist, bestätigen alle, nur beim Geld soll diese Wahrheit nicht gelten. Dabei kann sich schon ein bisschen mehr Mut so lohnen! Wer dagegen sein Geld in der heutigen Zinspolitik auf dem Konto lässt oder sogar das berühmte Kopfkissen bemüht, größtmögliche Sicherheiten verlangt und jedes unternehmerische Denken ablehnt, der verliert Geld – auch garantiert. „Schon für ein bisschen Gewissheit muss man einen hohen Preis zahlen“, sagte Warren Buffett einmal und das ist heute wahrer als je zuvor. Das Wissen, wie ich Risiken kalkuliere, minimiere und vermeide, gibt mir persönlich mehr Sicherheit als die Scheinsicherheit von Einlagensicherungsfonds oder Versprechen der Finanzindustrie.

Wie kann ich konkret Risiken minimieren, haben Sie mir ein Beispiel?

Andreas Ogger: Der größte Schutz ist – und das ist alles andere als eine banale Aussage in der Finanzwelt – zu wissen, was man tut. Der Vergleich mit meinem liebsten Hobby, der Fliegerei, trifft es ganz gut: Als Pilot besteht für mich immer die Gefahr vom Himmel zu fallen. Wenn ich aber 150 Starts und Landungen pro Jahr übe, teils mit simuliertem Motorausfall, und vor jedem Flug meinen Flieger auf Schäden untersuche, habe ich gute Chancen alt zu werden. Setze ich dagegen meine erwachsene Tochter ohne Flugschein ans Steuer, ist es das gleiche Flugzeug, nur mit ganz anderen Risiken. Eine Tätigkeit oder Aufgabe an sich ist nicht risikobehaftet, das ist immer nur der Anwender.

Was sind Ihrer Erfahrung nach die größten Fehler, die für einen Investoren zu Verlusten führen?

Andreas Ogger: Böse Verluste können meistens einem dieser drei Fallstricke zugeordnet werden: 1. Wenn ich gegen gesellschaftliche Strömungen investiere, sogenannte Megatrends, die uns mehrere Jahrzehnte prägen, ist das nicht sehr clever. Leider tut das der überwiegende Teil der Privatanleger 2. Es gibt eine ganze Reihe bekannter Fehler, mit denen Millionen vor uns Millionen verloren haben. Die sollte sich jeder merken und nicht noch einmal machen, zum Beispiel mithilfe von Checklisten. Und 3. Verliebe dich nicht in eine einzelne Anlageklasse, und wenn sie noch so erfolgreich und reizvoll daherkommt. Die Ausgewogenheit eines Portfolios ist ein unverzichtbarer Schutzschild für jeden langfristigen Vermögensaufbau.

Wie wird nun aus einem zaghaften Geldanleger ein mutiger Investor? Investor werden klingt auch nach Lebensumstellung, wenn man sich jeden Tag um das eigene Geld kümmern muss.

Andreas Ogger: Mein vorrangiges Ziel als Investor ist es Geld umzuwandeln in Werte, die wiederum Mehrwert für möglichst viele Menschen produzieren. Das ermögliche ich mir mit immer geringerem Einsatz meiner eigenen Lebenszeit – Zeit, die ich ja gerade dann anders verbringen will, wenn ich die finanziellen Möglichkeiten dafür habe. Investieren lernen soll den Absprung aus Hamsterrädern ermöglichen und kein neues erschaffen! Ein paar Stunden sollte man sich aber schon mit seinem Vermögensaufbau beschäftigen wollen, doch ich rede hier von Stunden pro Jahr und nicht pro Tag. Und die können obendrein noch viel Freude machen.

Gibt es besondere Eigenschaften, die ich mitbringen muss, um erfolgreich zu investieren? Braucht es nicht Talent und einen Riecher für vielversprechende Investments?

Andreas Ogger: Mag sein, dass einige eine bessere Nase für Gelegenheiten haben als andere. Ein strategischer Vermögensaufbau hat damit trotzdem nichts zu tun – eine gute Intuition macht höchstens die letzten 5 % des Erfolgs aus. 95 % reichen aber völlig, um spürbare Erträge zu erwirtschaften. Ausschlaggebend sind Know-how, Strategie, Geduld, gesunder Menschenverstand und das, was ich die passende Frequenz für Geld und Vermögensaufbau nenne. Wer die in sich erzeugt, für den spielt Musik fast von allein. Und das kann man lernen und üben und ist für jede Ebene des Lebens ein Gewinn, nicht nur für die finanzielle.

Und wie sieht der Anfang als Investor dann konkret aus, wie lege ich los?

Andreas Ogger: Der erste Schritt ist so simpel wie grundlegend: Sie müssen sich ohne Wenn und Aber und ohne Hintertürchen dafür entscheiden, die Verantwortung für Ihr Geld selbst zu übernehmen; da heißt es zuerst übernommene Glaubenssätze zur Finanzwelt zu hinterfragen. Dann legen Sie Ihr Geld nämlich bald nicht mehr bei der Bank an, sondern Sie legen es wie die Bank an! Mit dieser Entscheidung entfaltet sich Ihr weiterer Weg vom Geldanleger zum Investor wie von selbst. Denn damit bekommen Sie eine andere Wahrnehmung der Welt, und die bringt Sie in Kontakt mit genau dem Artikel, Buch, Seminar, Menschen oder was immer Ihnen nützlich sein wird, um Ihren ganz eigenen Weg zu beschreiten – und zwar erfolgreich.

Und dann eröffne ich ein Konto bei einem Broker und handle mit Aktien? Ich möchte gerne noch besser verstehen, was ein Investor anders macht als ein Geldanleger.

Andreas Ogger: Sie würden staunen, welchen Stellenwert die Börse im Portfolio von institutionellen Investoren und professionellen Anlegern hat. Für mich hat das Spiel an der Börse weit mehr mit Spekulieren als Investieren zu tun. Investoren, wie ich sie zum Vorbild habe, streben danach, Teil zu werden von gesellschaftlich unverzichtbaren Wertschöpfungsketten. Dann sind Begriffe wie Sicherheit und Risiko auch keine vorrangigen Kriterien mehr; was zählt, ist die Plausibilität und Stabilität der Wertschöpfungskette. Je plausibler diese ist, desto geringer ist der spekulative Anteil. Und es gibt glücklicherweise Wertschöpfungsketten, bei denen es höchst wahrscheinlich ist, dass sie aufgehen – zum Beispiel Agrikultur mit der Produktion von Nahrungsmitteln und daraus gewonnenen Gütern wie Öle, Konzentrate, Brennstoffe, Futtermittel und Nährstoffe, die mit dem weltweiten Bevölkerungswachstum immer dringender nachgefragt werden. Und oh Wunder, genau in diesen Anlageklassen tummeln sich Stiftungen, Pensionsfonds und Rentenversicherer, die dem Erhalt ihrer Milliarden oberste Priorität einräumen müssen und dabei trotzdem einen Renditeanspruch haben, der den Mainstream-Anleger ziemlich aus der Fassung bringen würde. Das Schöne ist: Eigentlich hat jeder Zugang zu diesen großartigen Anlageklassen. Die meisten wissen nur nicht, wie.

Womit wir vielleicht beim wichtigsten Punkt wären als Voraussetzung zum Investieren - dem Startkapital! Mit Milliarden stelle ich es mir einfach vor, breit gestreut zu investieren. Wie aber soll das bei einem kleinen Privatanleger gehen?

Andreas Ogger: Ja, das höre ich oft: „Wenn ich so viel Geld hätte wie die, dann würde ich es auch so machen!“ Dabei übersehen viele die Reihenfolge: Bei den meisten Vermögenden war zuerst die Wohlstandsbildung da, und dann erst kam die Bildung von Wohlstand, nicht umgekehrt. Mit großen Geldmengen besonnen und trotzdem mutig umzugehen lernt man am besten mit kleinen. Bei mir hagelte es in den ersten Jahren nur Verluste, was auch eine Möglichkeit ist sich finanzielle Bildung anzueignen – halt auf die schmerzhafte und anstrengende Art. Dabei ist auch mit kleineren Geldmengen so viel machbar, wenn man einen Plan hat und klare Investitionsleitlinien. Ich etwa habe davon sechs und nenne sie die sechs Spotlights eines lebendigen Portfolios; die hätten mir meine Anfangsverluste größtenteils erspart. Deshalb war es sogar ganz gut, dass ich erst einmal vergleichsweise wenig Geld zur Verfügung hatte.

Mit Geduld und Strategie zur ersten Million, und dann kommen weitere dazu. Ist das das Ziel der meisten Investoren?

Andreas Ogger: Der Weg eines Investors hat kein einheitliches Ziel, das ich Ihnen schon jetzt als Plakatbild aufstellen könnte, das wäre auch etwas langweilig, oder? Als Investor zu denken und zu handeln ist eine Lebenshaltung, und in ihrer Frequenz ist nicht nur Geld und Fülle enthalten, sondern viel Gutes insgesamt; Rendite als anfängliche Motivation wird mit der Zeit immer unwichtiger, ja, vielleicht sogar irgendwann zu einer erfreulichen Begleiterscheinung. Was Sie dagegen mit Geld bewegen können, das kommt immer mehr in den Fokus! Und wenn Sie Projekte finanzieren zusammen mit einem Grüppchen unternehmerisch denkender Menschen am runden Investitionstisch, dann ist das meistens höchst unterhaltsam und macht einfach Spaß.

Das überrascht mich jetzt: Wir reden darüber, wie man Geld klug investiert, und dann geht es am Ende gar nicht mehr ums Geld?

Andreas Ogger: Doch, zu Beginn schon, und das ist auch ganz natürlich. Wenn aber einmal genug Geld da ist, verliert noch mehr Geld zunehmend seinen Wert als Motivation. Immer spannender wird dagegen die Frage, wer Sie als Investor wirklich sein wollen und wie Sie leben möchten! Investieren zu lernen heißt für mich leben zu lernen und das eigene Leben zu gestalten, wenn Verpflichtungen und Arbeit immer kleiner werden und meine Wahlmöglichkeiten immer größer.

Vielen Dank, Herr Ogger, für das Gespräch!

Zur Person: Andreas Ogger hat einen vielseitigen Lebenslauf vorzuweisen, der ihn von Tätigkeiten als Konzertsolist, Sportcoach und Osteopath schließlich über die Börse in die Investorenwelt führte. Und doch waren das wichtige Stationen für sein heutiges Mindset als Investor, Speaker und Berater für Anlagestrategien.


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