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150 Jahre Schreberbewegung: Vom Spielplatz zum grünen Klassenzimmer

Foto: Hendrik Schmidt (dpa)

Schrebergarten - das ist ein Fleckchen Grün zum Gärtnern an sonnigen Wochenenden, denken viele. Doch der Namensgeber, ein Leipziger Arzt, hatte vor rund 150 Jahren etwas ganz anderes im Sinn.

Auf den ersten Blick sieht die Kleingartenanlage nahe dem Leipziger Zentrum aus wie jede andere: In akkurat abgesteckten Grundstücken blühen die Erdbeeren vor kleinen Lauben. Doch im Zentrum der Anlage liegt ein altmodisch anmutender Spielplatz mit hohen Schaukelgerüsten und Kletterstangen an einer großen Wiese. Mit diesem Spielplatz begann vor 150 Jahren eine Bewegung, die heute oft als Synonym für den Kleingarten dient: die Schreberbewegung.

An Wochenende (14./15. Juni) feiert der erste Schreberverein dieses Jubiläum mit einem großen Familienfest in seiner 160 Parzellen zählenden Anlage, die auch das Deutsche Kleingärtnermuseum beherbergt.

Beim Begriff "Schrebergarten" denken viele an Wochenenden im Grünen, mancher auch an sorgfältig getrimmten Rasen und Spießigkeit. Doch der Namensgeber, der Leipziger Arzt Moritz Schreber (1808-1861), hat die Kleingärten gar nicht erfunden. Sie gehen ursprünglich auf Armengärten zurück, kleine Grundstücke zur Selbstversorgung der Armen, die es bereits seit 1814 gab.

Austoben und bewegen

Genau genommen hatte Schreber mit Gärtnern überhaupt nichts am Hut, wie die Leiterin des Deutschen Kleingärtnermuseums, Caterina Hildebrand, erklärt. Vielmehr habe er kritisch die orthopädischen Probleme der von ihm behandelten Kinder beobachtet und von "Tummelplätzen" geträumt, auf denen sie sich austoben und bewegen konnten. Erst nach seinem Tod, im Mai 1864, setzten einige Leipziger die Idee um und benannten ihren Verein nach ihm. Einige Jahre später legten sie erste Kinder- und Familienbeete an.

Eine Idee, die just zum 150. Jubiläum hip ist. "Gerade in den Großstädten suchen wieder mehr junge Familien einen Kleingarten", berichtet Peter Paschke. Er führt als Präsident sowohl den sächsischen Landes- als auch den Bundesverband der Kleingärtner. Bewegung in der Natur sei vielen Eltern wichtig. Und dass die Kleinen ihrem Essen beim Wachsen zusehen. In Dresden gebe es inzwischen Wartelisten, in Leipzig seien nur wenige Parzellen frei.

Grüne Klassenzimmer

"In Berlin gibt es inzwischen sogar 12 000 Bewerber für eine Parzelle, aber nur 3000 Pächterwechsel pro Jahr", nennt Paschke ein besonders gravierendes Beispiel. Den Leerstand in ländlichen Gebieten mit hohem Wegzug wiege das nicht auf. Die Zahl der Mitglieder im Bundesverband sei in den vergangenen Jahren von einer Million auf 970 000 gesunken. Doch gerade Schrebers Idee von Spiel- und Tummelplätzen für die Kleinen soll die Parzellen wieder füllen.

"Wir fördern seit einigen Jahren Patengärten für Kitas und Schulen sowie grüne Klassenzimmer in ganz Sachsen", erzählt Paschke. In Torgau pflegten und ernteten so Hunderte Schüler wöchentlich Obst und Gemüse. In Taucha wiederum würden schon die Kleinsten in einem Bienen-Schaugarten zu Nachwuchs-Imkern ausgebildet. Zudem werden in vielen Anlagen neue Spielplätze gebaut oder alte saniert, um Familien anzulocken. (dpa)

Kurzfilm des Deutschen Kleingärtnermuseums

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