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Sparsamere Elektrogeräte herzustellen

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Wenn der Fernseher keinen Ausschaltknopf hat

Verbraucherschützer rufen wieder verstärkt nach dem Staat, um mehr Energieeffizienz in Privathaushalten zu erreichen. Maßnahmen wie etwa die Verteuerung von Strom durch höhere Steuern hätten den Energieverbrauch nicht im erforderlichen Maße gesenkt, sagte Edda Müller, Chefin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, auf einer Tagung zum Thema Energieeffizienz.

Berlin (afp/dpa).

"Es muss jetzt endlich Schluss sein mit Selbstverpflichtungen und Absichtserklärungen", forderte Müller. Die Verbraucherzentralen dringen auf schärfere Mindeststandards im Bausektor, aber auch bei Elektrogeräten. "Wir müssen schlechte Geräte vom Markt verbannen", verlangte Müller. Die Verbraucherschützer kritisieren zudem irreführende Kennzeichnungen, bei denen selbst veraltete Stromfresser immer noch das Etikett "Energieeffizienzklasse A" bekommen könnten.

Staatlich vorgeschrieben werden sollte auch bei allen Geräten ein Ausschaltknopf, um dem Verbraucher wenigstens die Möglichkeit zu geben, Stand-by-Stromverbrauch zu vermeiden. Das Ausschalten des Stand-by-Betriebs würde einer durchschnittlichen Familie etwa 115 Euro zusätzlich einbringen.

Müller zufolge komme gezieltes Energiesparen beim Heizen sowie Strom- und Spritverbrauch nicht nur dem Klimaschutz und Überleben der Menschheit zugute, sondern auch dem eigenen Portemonnaie. "Würde der Energieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent gesenkt, könnten allein die deutschen Verbraucher ihre jährliche Energierechnung um 20 Milliarden Euro reduzieren", rechnete ihr Verband vor. "Das sind 500 Euro pro Haushalt", sagte Müller. Der Einbau einer sparsamen Umwälzpumpe für die Gas- oder Ölheizung würde die Stromrechnung ja nach Alter der Anlage um 90 bis 240 Euro pro Jahr senken. Und: "Wer 6,60 Euro in die Mehrkosten einer Energiesparlampe investiert, spart über die Lebensdauer der Lampe über 80 Euro."

Zu 40 bis 80 Millionen Euro Investitionen in effiziente Technologien werde es kommen, wenn die Energieberatung für Verbraucher ausgedehnt werde. Die damit verbundene Energieeinsparung entspreche dem jährlichen Energieverbrauch einer Stadt mit 70 000 Einwohnern wie Weimar oder Detmold.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel kündigte an, dass die Bundesregierung das Thema Energieeffizienz im Rahmen ihrer Präsidentschaften 2007 in der EU und im Kreis der führenden Industriestaaten (G 8) ganz nach vorne schieben werde. Die Autokonzerne müssten damit rechnen, dass EU-weit verbindliche Obergrenzen für den Benzinverbrauch festgelegt würden. Der Verband fordert, den Spritverbrauch der Neuwagenflotte von durchschnittlich 7 Liter bis 2012 auf amtlich 3,5 Liter je 100 Kilometer zu senken.

Viele neue Gerätetypen sind in die Haushalte eingezogen. Auf dem alten Videorekorder steht noch der DVD-Player, der klassische Telefonanschluss wurde durch den DSL-Router ergänzt und oben auf dem Fernseher entschlüsselt häufig noch die Set-Top-Box die Signale des Digitalfernsehens. Gemeinsam ist den neuen Geräten, dass sie Strom brauchen ­ vielfach auch dann, wenn sie gar nicht gebraucht werden. Verbraucherschützer verlangen Ausschaltknöpfe für jedes Gerät.

Die Angaben beziehen sich auf Veröffentlichungen des Verbraucherzentrale-Bundesverbands und der Stiftung Warentest. Diese gehen überwiegend auf Daten der Deutschen Energie-Agentur zurück. Die Gesamtkosten für den Stand-by-Betrieb von Computer, TV, Hi-Fi und Internet in einem durchschnittlichen Haushalt beziffert die Stiftung Warentest auf mehr als 90 Euro und der Verbraucherzentrale-Bundesverband auf rund 115 Euro. Das wäre rund ein Siebtel des gesamten Stromverbrauchs. Klassische Elektrogeräte wie Kaffeemaschine oder Warmwasserboiler sind nicht mitgerechnet. Ein Kaffee-Espresso-Automat mit Warmhaltefunktion kostet zum Beispiel allein etwa 55,50 Euro Strom im Jahr.

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