1. Startseite
  2. Themenwelten
  3. Bauen & Wohnen
  4. Wo die Energie in Zukunft herkommt

Übersicht der Rohstoffe

Anzeige

Wo die Energie in Zukunft herkommt

Bild: Marcus Merk

Holz erlebt als Brennstoff derzeit einen wahren Boom, ob als Scheitholz zum Befeuern privater Kaminöfen oder als Hackschnitzel, die in großen Heizanlagen ganze Wohngebiete versorgen. Die Land- und Forstwirtschaft liefert allerdings noch viele andere Rohstoffe für den Energiemix der Zukunft.

Holz erlebt als Brennstoff derzeit einen wahren Boom, ob als Scheitholz zum Befeuern privater Kaminöfen oder als Hackschnitzel, die in großen Heizanlagen ganze Wohngebiete versorgen. Die Land- und Forstwirtschaft liefert allerdings noch viele andere Rohstoffe für den Energiemix der Zukunft:

Vor allem in Form von Scheitholz zum Befeuern von Kaminöfen, Kachelöfen, aber auch Zentralheizungen ist es wieder gefragt. 70 Prozent des Brennholzes werden in dieser traditionellen Form verwertet, 2,8 Prozent als Holzbriketts sowie 1,1 Prozent als Hackschnitzel in Zentralheizungen und großen Anlagen zur Wärmeversorgung ganzer Wohngebiete oder Unternehmen. Auf dem Vormarsch sind seit einigen Jahren aber auch die bequem und sauber in Zentralheizungen zu verfeuernden Holzpellets: Die Zahl der Pellet-Heizungen ist von 900 im Jahr 1999 auf 70.000 im Jahr 2006 gestiegen. Erst 0,9 Prozent des Brennholzes werden in Form von Pellets verheizt, doch die enorme Nachfrage hat den Preis in die Höhe schnellen lassen. Und der Rohstoff dafür ist knapp geworden: Hobelspäne und Sägemehl aus der Holzverarbeitung, die bisher zur Herstellung verwendet wurden, seien ¿flächendeckend aufgebraucht¿, so Dr. Hans Hartmann, Leiter des Sachgebiets ¿Biogene Festbrennstoffe¿ am Technologie- und Förderzentrum (TFZ) Straubing.

Als Brennstoff hat es etwa den gleichen Heizwert wie Holzpellets. Doch bei der Verbrennung der Körner (zum Beispiel von Weizen oder Triticale) gebe es noch gewaltige technische Probleme, sagte der Straubinger Experte Hans Hartmann. Es entstehe viel Staub, der vor allem als Feinstaub entweiche. Ob dieselbe Problematik vorliegt wie bei Dieselruß, sei noch ungeklärt. Zu erwarten sei aber eine weitere Verschärfung der Umweltanforderungen. Zu den technischen Problemen zähle auch die Schlackenbildung und die Korrosions-Gefahr für die Heizkessel. Die von vielen geforderte generelle Freigabe für Kleinfeuerungen mit Getreide gibt es bisher noch nicht. Genehmigungen werden unterschiedlich gehandhabt.

In drei großen Anlagen in den neuen Bundesländern ­- zwei gehören der im Kreis Neu-Ulm beheimateten Sauter-Gruppe, eine der Südzucker AG ­- wird Bioethanol (reiner Alkohol) für Treibstoffzwecke hergestellt. Rohstoffe dafür sind hierzulande Weizen und künftig Zuckerrüben auch aus unserer Region. Begünstigt wird die Produktion durch die seit Kurzem geltende Beimischungspflicht von Bioethanol zu Otto-Kraftstoffen. Ford und Saab haben zudem Pkw-Modelle auf den Markt gebracht, die statt mit Benzin mit E 85 (85 Prozent Ethanol, 15 Prozent Benzin) fahren. Im Juli 2005 wurde die erste Ethanol-Tankstelle in Deutschland eröffnet, inzwischen sind es 30, erklärte Dr. Doris Schieder vom Lehrstuhl für Technologie Biogener Rohstoffe der Technischen Universität München. Chancen auf eine dezentrale Herstellung und Vermarktung in Zusammenarbeit mit freien Tankstellen erhoffen sich künftig auch viele kleine Brennereien für die Zeit nach 2010, wenn das Branntweinmonopol eventuell fällt. Die Technologie sei nur für Deutschland neu, weltweit seit Jahren etabliert ­vor allem in Brasilien, wo aus Zuckerrohr Ethanol konkurrenzlos günstig hergestellt wird, und in den USA, wo schon 1993 die ersten E-85-Fahrzeuge auf den Markt kamen. Auf dem Weltmarkt sei Ethanol aus Deutschland zu teuer, im Inland aber bei der derzeit noch gültigen Steuerbefreiung durchaus noch interessant.

Dieses Kürzel steht für ¿Biomass to Liquid¿ (auch SunFuel genannt). Es handelt sich dabei um synthetische Kraftstoffe aus allen Arten von Biomasse (zum Beispiel Stroh, Reststoffe, Strauchschnitt). Die Entwicklung ist bereits so weit vorangeschritten, dass ab 2010 mit einer ¿nennenswerten Produktion¿ zu rechnen sei, sagte Dr. Thorsten Gottschau von der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe in Gülzow. Beim Herstellungsprozess geht es darum, pflanzliches Material über die thermochemische Vergasung in Kohlenwasserstoffe umzuwandeln. BtL-Treibstoffe hätten den Vorteil, dass sie ohne Umrüstung direkt in modernen Motoren eingesetzt werden könnten. Verschiedene Verfahren werden von Firmen in Freiberg/Sachsen, Clausthal-Zellerfeld und vom Forschungszentrum Karlsruhe entwickelt. Am weitesten sei die Entwicklung von Choren Industries und Shell in Freiberg. Deutschland sei auf diesem technologischen Sektor zurzeit führend.

Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2004 sind auch für die Einspeisung von Strom aus Biogas für einen Zeitraum von 20 Jahren bestimmte Preisaufschläge garantiert, die die Stromversorger bzw. deren Kunden bezahlen müssen. Die Landwirtschaft investiert deshalb kräftig in diesen Sektor, pro Monat gehen bundesweit 50 neue Anlagen ans Netz. 3400 dürften es bis Jahresende nach Schätzung der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig sein. Gesamtleistung: etwa 650 Megawatt. In 85 Prozent der Anlagen werden zur Gewinnung von Biogas (vor allem Methan) Gülle und Energiepflanzen vergoren, sagte FAL-Fachmann Professor Peter Weiland. Doch immer mehr Anlagen werden nur mit Pflanzen betrieben, vor allem mit Mais, aber auch zum Beispiel mit Getreidekörnern, Silage aus Gras, Getreide, Rübenblättern oder Gemüseabfällen. Deutschland sei weltweit führend bei der Entwicklung der Technologien. Es gebe zahlreiche verschiedene Systeme. Schwerpunkte der Nutzung von Biogas sind Strom und Wärme. Biogas ist aber auch als Kraftstoff und zur Herstellung von Wasserstoff geeignet. Nebeneffekt ist die Verwendung der Rückstände als Dünger.

Das Öl der gelb blühenden Pflanzen wird auf zweierlei Art als Kraftstoff genutzt: 1. als Biodiesel (Rapsmethylester, RME), das industriell hergestellt und an zahlreichen Tankstellen angeboten wird, 2. als reines Rapsöl, das auch zu Speisezwecken tauglich wäre, ja sogar als besonders hochwertig für die Ernährung gilt. Letzteres wird in erster Linie von den Landwirten selbst in die Tanks umgerüsteter Diesel-Fahrzeuge (vor allem Traktoren) gefüllt. Da noch kein Fahrzeughersteller ein pflanzenöltaugliches Modell auf den Markt gebracht hat, arbeiten die Landwirte mit Werkstätten zusammen, die sich auf die Umrüstung spezialisiert haben und tragen somit noch ein gewisses Risiko. Wichtig sei deshalb die Qualitätssicherung bei der Rapsöl-Herstellung, sagte Dr. Edgar Remmele, der Fachmann des Technologiezentrums Straubing. Eine Vornorm, die auch sicherstellt, dass ausschließlich Rapsöl und kein anderes Pflanzenöl mit anderen Eigenschaften verwendet wird, gibt es bereits. Die Industrie hat inzwischen die Entwicklungsarbeit für pflanzenöltaugliche landwirtschaftliche Arbeitsmaschinen gestartet. Schon ab einem Ölpreis von 75 bis 80 Dollar pro Barrel, der in diesem Sommer erreicht wurde, sei Pflanzenöl rentabel, so Remmele. Für die Landwirtschaft ist es eine interessante Nische, weil es dezentral hergestellt werden kann. Die Zahl der kleinen Ölmühlen ist bundesweit von 79 (1999) auf 322 (206) gestiegen, davon 146 in Bayern.

Ein bunt bepflanztes Beet kommt vor einem passenden Zaun gleich viel besser zur Geltung.
Sichtschutz im Garten

Hecke, Zaun oder doch lieber Mauer?

Das könnte Sie auch interessieren