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Der Teufel im Nacken: Wenn die innere Stimme nervt

Bild: DPA

Bremen (dpa/tmn) - Nicht immer ist es gut, auf seine innere Stimme zu hören. Manchmal kann sie nerven oder gefährlich negativ tönen. Wenig hilfreich ist sie, wenn sie ständig nur Warnungen wiederholt und einen runterzieht. Da gilt es wegzuhören. Doch das ist schwierig.

Sie ist keine Wahnvorstellung, sondern ein Ausdruck des Innenlebens. Trotzdem nervt der kleine Mann im Ohr mit seiner negativen Weltanschauung: "Das schaffst du nicht!", "Das ist eine Nummer zu groß!" Viele Menschen leiden unter negativen inneren Stimmen. Auch wenn man das kleine Plappermaul nicht mundtot machen kann: Das Gehirn kann lernen, wieder positiv zu denken.

Karin H. aus Bremen quälte die Angst vor Veränderung. Ein neuer Job, ein Umzug, die Trennung vom Partner: "Bei jedem potenziellen Neuanfang fängt mein Gedankenkarussell an zu drehen, und tief in mir droht eine Stimme mit größtmöglicher Gefahr." Das war so nachhaltig, dass Karin sich kaum noch traute, etwas in ihrem Leben zu verändern. Nach einer Therapie weiß sie inzwischen, woher die innere Stimme kommt. Sätze wie "Es gibt Fehler, die kann man nicht mehr rückgängig machen" stammten von ihrem Vater. "Ein Sicherheitsfanatiker."

Ob Erfahrungen mit Eltern, Lehrern oder anderen wichtigen Bezugspersonen: "Unser Umfeld beeinflusst uns", erklärt Carin Cutner-Oscheja, Diplom-Psychologin aus Hamburg. Warnungen oder Stimmungen, die beständig vorgelebt wurden, fressen sich förmlich ins Gehirn und werden auch Jahrzehnte später wieder abgerufen.

"Viele Menschen können sich dann nicht erklären, woher diese Gedanken kommen", ergänzt der Diplom-Psychologe Tim Grosch aus Berlin. Denn häufig tauchen die Stimmen erst auf, wenn die Psyche eines Menschen angeschlagen ist. Ob Probleme im Job, in der Beziehung oder allgemeiner Lebensblues: "Oft öffnen kleine depressive Verstimmungen, Ängste oder ein Knacks im Selbstbewusstsein den inneren Stimmen Tür und Tor."

Auch Ute Zander sieht die Ursache der negativen inneren Stimmen in Glaubenssätzen, die ursprünglich von anderen Menschen kommen und durch Dauereinfluss übernommen wurden. Wer als Kind von den Eltern immer gehört hat: "Aus dir wird nie was", eifere schnell dem Gegenbeweis nach. "Und fragt sich, warum er trotzdem nie Zufriedenheit erlangt", erklärt die Diplom-Psychologin aus Hamburg.

Doch wie lassen sich die inneren Stimmen stoppen? "Trainieren Sie positive Gedanken", rät Tim Grosch. Denn das Gehirn tue am liebsten, was es am besten kann. Je öfter man negative Stimmen verweist und sich bewusst auf sein Ziel konzentriert, desto eher erreiche man es.

Mit einem reinen Redeverbot lassen sich die Unkenrufe aus der Tiefe aber nicht stoppen. "Verdrängung kann die Stimmen noch lauter und eindringlicher machen", warnt Cutner-Oscheja. "Es ist wichtig, sich mit diesen Warnsignalen auseinanderzusetzen." Sie ist überzeugt, dass die meisten inneren Stimmen etwas Bedeutendes zu sagen haben. Denn in den Gedanken spielen viele Stimmen eine Rolle. Mal spricht die Liebe, mal die Spontanität, mal der Ehrgeiz oder der Kritiker.

Allerdings sollte man nicht nur auf eine Stimme achten. Wenn der Teufel links auf der Schulter plappert und der Engel rechts, gelte es, beiden zuzuhören: "Bringen Sie Ihre inneren Stimmen an einen Tisch und hören Sie genau hin, was alle zu sagen haben", rät die Psychologin.

Quälen die inneren Stimmen aber so sehr, dass sie das Leben behindern, sollten Betroffene sich professionelle Hilfe holen. Sonst könnten Angststörungen, Depressionen oder ein Burn-Out entstehen. "Irgendwann entwickeln die inneren Stimmen eine Eigendynamik, der man selbst kaum Herr werden kann", warnt Grosch. "Schwarzseher müssen oft erst mühsam lernen, wieder in alle Himmelsrichtungen zu schauen."

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