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Nachhaltig und lecker
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Garnelen made in Germany sind gefragt

Eine ausgewachsene White Tiger Garnele aus der Garnelenzucht sorgt in der heimischen Küche für Urlaubsstimmung.
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Eine ausgewachsene White Tiger Garnele aus der Garnelenzucht sorgt in der heimischen Küche für Urlaubsstimmung.
Foto: Ole Spata/dpa

Sie liefern Eiweiß und sind eine beliebte Delikatesse. Doch viele Menschen fühlen sich unwohl dabei, aus Asien oder Südamerika importierte Billig-Shrimps zu essen. Züchter setzen vermehrt auf in Deutschland hergestellte Produkte. Funktionieren das?

Dass Tarek Hermes einmal Garnelenzüchter wird, hätte er sich früher nicht träumen lassen. Der Naturfan studierte Agrarwissenschaften, um irgendwann einmal den ganzen Tag auf dem Trecker zu sitzen oder im Wald herumzulaufen.

Jetzt wuselt der 37-Jährige bis zu 70 Stunden in der Woche in seiner Aquakultur-Anlage im Gewerbegebiet seines Heimatortes Gronau bei Hildesheim herum. In sechs Becken auf zwei Etagen tummeln sich rund 700.000 White Tiger Shrimps vom Larvenstadium bis zu ausgewachsenen Tieren. Fernab der Küste, im niedersächsischen Binnenland, will Hermes gesunde Garnelen produzieren und setzt dabei auf kurze Wege und Nachhaltigkeit.

Urlaubsfeeling in der Küche mit heimischen Garnelen

Neue Meere heißt sein Unternehmen, in das insgesamt rund 1,04 Million Euro EU- sowie Bundes- und Landesmittel flossen. Mitte Dezember wurde der Hofladen nahe der B3 rund 40 Kilometer südlich von Hannover eröffnet, seit kurzem können die fangfrischen Garnelen zudem online bestellt werden. Die Nachfrage sei enorm, sagt Gesellschafter Ludwig von Brockhausen. Die Leute seien bereit, für ein hochwertiges Lebensmittel auch höhere Preise zu zahlen. Bei Neue Meere kosten 250 Gramm - also etwa zehn Garnelen - 20 Euro, ein ganzes Kilo ist für 69 Euro zu haben.

Vielleicht wollen die Kunden sich mit gegrillten Shrimps das Urlaubsfeeling in den coronagetrübten Alltag holen. Davon profitieren auch andere Produzenten in Deutschland. "Wir haben im Corona-Jahr 40 Prozent mehr Umsatz als vorher", berichtet Bert Wecker, Geschäftsführer von Förde Garnelen mit Sitz in Strande bei Kiel. Dabei hätten vor der Pandemie Gastronomen fast die Hälfte der Krustentiere abgenommen. In der Krise besinnen sich nach seiner Einschätzung noch mehr Menschen auf regionale Lebensmittel.

Rund zehn Jahre hat Tarek Hermes benötigt, seine Idee von einer Garnelenzucht in Deutschland in die Tat umzusetzen. Auslöser war ein Fernsehbericht über Garnelenfarmen in Asien, den er in seiner Studentenbude sah. Die Industrie bedroht dort Mangrovenwälder, in der Zucht werden Antibiotika eingesetzt. "Das ist ein Raubbau, der an der Natur dort stattfindet, um den europäischen Markt abzudecken", kritisiert der Garnelenzüchter. In seiner Kreislaufanlage sind eine Million Liter Wasser ständig in Bewegung, es gibt eine Bio-Kläranlage, die Energie stammt aus dem eigenen Blockheizkraftwerk. Täglich müssen laut Hermes nur etwa 10.000 bis 15.000 Liter durch Frischwasser ersetzt werden.

Noch wird importiert - doch Potenzial ist groß

Momentan werden noch mehr als 50.000 Tonnen Garnelen jährlich nach Deutschland importiert. Nach Einschätzung von Wecker, der auch Vizepräsident des Bundesverbands Aquakultur ist, können die deutschen Unternehmen aktuell etwa 100 Tonnen Garnelen im Jahr erzeugen.

Zu ihnen zählen auch HanseGarnelen mit Firmensitz in Hamburg und Produktionsstätte in Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern), CaraRoyal in Grevesmühlen sowie Landgarnele im nordhessischen Niedenstein. In Bayern produzieren Crusta Nova (Langenpreising) und Vitashrimp (Eurasburg) die Delikatesse. Einige Produzenten waren über die Weihnachtstage ausverkauft. Das Unternehmen Suburban Seafood aus dem sächsischen Nebelschütz hat sich auf die Zucht von Larven spezialisiert, so dass diese nicht mehr in so großem Umfang eingeflogen werden müssen.

Auch Wissenschaftler sehen Potenzial für die Garnelenzucht in Deutschland. "Es funktioniert, wenn man die Produktionskosten im Blick behält, und die Shrimps auch für die richtige Menge Geld verkauft", sagt Matthew Slater, der am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) die Forschungsgruppe Aquakultur leitet.

Der Fischexperte der Umweltschutzorganisation WWF Deutschland, Philipp Kanstinger, sieht ebenfalls Zukunftschancen: "Die Marktlücke ist da, große Garnelen bekommt man in Deutschland sonst nur tiefgefroren." Wer sich keine Garnelen aus Deutschland leisten kann, kann im Einkaufsratgeber für Fisch und Meerestiere des WWFnachschauen, welche Produkte im Lebensmittelmarkt Meere und Bestände möglichst schonen und welche Bio- und Umweltsiegel Qualitätsstandards versprechen.

© dpa-infocom, dpa:210126-99-174483/3 (dpa)

Neue Meere

Bundesverband Aquakultur zur Garnele

Portal Ökolandbau zu Garnelen

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