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Strenge Kontrollen bei Bioprodukten

Die Naturkostbranche hat aus der Vergangenheit und zahlreichen Lebensmittelskandalen des konventionellen Handels gelernt: Bioprodukte gehören zu den am stärksten kontrollierten Produkten des europäischen Marktes.

Während konventionelle Gemüsegärtner, Landwirte, Winzer und Verarbeiter vergleichsweise unbehelligt ihren Geschäften nachgehen können, müssen Bioerzeuger und -verarbeiter mit scharfen Kontrollen rechnen und obendrein noch die Kontrollkosten tragen.

Damit die Kontrollen ordnungsgemäß durchgeführt werden können, müssen die Betriebe für alle relevanten Vorgänge des Warenflusses Aufzeichnungen anfertigen, ganz egal, ob davon Wareneingänge oder Warenausgänge betroffen sind.

Am EU-Kontrollverfahren müssen hierzulande über 16 000 Bio-Bauern, 4 000 Lebensmittelverarbeiter und etliche Hundert Handelsunternehmen teilnehmen. Die Betriebe können sich eine der 23 staatlich zugelassenen Kontrollstellen selbst wählen. Die Kontrollstellen überwachen und überprüfen die Einhaltung der EU-Öko-Verordnung direkt bei den erzeugenden Betrieben.

Verbraucher können die bundesweit gültige Kontrollstellennummer später auf den Öko-Lebensmitteln in Form einer Codenummer finden. Prüfungen finden mindestens einmal jährlich statt und werden normalerweise angekündigt. So kann der Betrieb die notwendigen Unterlagen bereit halten.

Doch die Ankündigung muss nicht sein. Gelegentlich steht der Kontrolleur auch überraschend vor der Tür. Falls ein landwirtschaftlicher Betrieb einem Anbauverband angehört, überwacht dieser zusätzlich die Einhaltung der meist strengeren Verbandsrichtlinien.

Kontrollen beim Erzeuger

Bio-Bauernhöfe, Bio-Gärtnereien und Bio-Winzer werden nicht auf gleiche Art und Weise überprüft, sondern von Prüfern, die sich in der jeweiligen Branche besonders gut auskennen. Je nach Betriebsart kann die Prüfung alles enthalten: den Wareneinkauf, den Anbau, die Tierhaltung und die Fütterung.

Für Experten unterscheidet sich ein Biohof schon auf den ersten Blick von einem herkömmlichen Hof: andere Maschinen, andere Bodenbearbeitung, andere Pflanzen, andere Ställe, andere Futtermittel, andere Abfallverarbeitung, anderes Saatgut, anderer Dünger, anderes Unkraut.

Nicht nur die Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln - die sich über Bodenproben nachweisen lassen - sondern sogar deren Lagerung auf dem Hof ist verboten; auch künstliche Wachstumsförderer und vorbeugend verabreichte Medikamente sind untersagt.

Kontrollen in verarbeitenden Betrieben

Ebenso wie die Erzeuger werden verarbeitende Betriebe wie Bäckereien oder Metzgereien regelmäßigen Kontrollen und unangekündigten Überprüfungen unterworfen. Überprüft werden dabei sowohl die Rohstoffe (zum Beispiel Getreide und Gewürze) auf ihre Bio-Qualität wie auch die Rezepturen und der Herstellungsprozess. Auch hier sind die Kontrolleure selbst Fachleute, die unter anderem die Produktionsräume, Lager, Verkaufsräume sowie die betriebliche Dokumentation und Produktkennzeichnungen inspizieren. Zu jedem Produkt muss ein ökologischer Herkunftsnachweis vorgelegt werden, der regelmäßig gegengecheckt wird. Eine Warenstrombilanz erlaubt es den Inspekteuren zu berechnen, ob Rohstoffmengen und Produktverkaufsmengen sinnvoll zusammenpassen. Theoretisch könnte man ja mehr Bio verkaufen als man eingekauft hat und so betrügen.

Bei Verarbeitern, die sowohl ökologische als auch konventionelle Lebensmittel herstellen, müssen die Zutaten unmissverständlich von einander getrennt sein. Mühlen müssen zum Beispiel Biogetreide in eigenen Silos lagern, Molkereien Biomilch in extra Tanks.

Noch eins ist wichtig: Um Absprachen zwischen Kontrolleur und Kontrolliertem zu unterbinden, wird der Prüfbericht des Inspekteurs durch die Kontrollstelle ausgewertet und bearbeitet. Erst danach erhält der Betrieb sein offizielles Okay, den so genannten Konformitätsbescheid.

Auch Biofrüchte und -Gemüse sind nicht grundsätzlich frei von Rückständen. Schadstoffe können aus Luft und Wasser, aus der Nachbarschaft der Felder oder aus Packstationen in die Lebensmittel gelangen. Allerdings ist der Unterschied zu herkömmlich angebauter Ware riesig: Während dort bei 61 Prozent der Proben in Deutschland Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden wurden, waren es bei Biolebensmitteln lediglich 15,3 Prozent.

Doch der Biohandel ruht sich auf seinen Lorbeeren nicht aus. Vielmehr will man den Schwachstellen auf die Spur kommen. Dazu wurde seit 2003 das so genannte "Monitoring-System für Obst und Gemüse im Naturkosthandel" installiert. Alle vier Wochen werden im Naturkost-Großhandel Proben gezogen und von zwei führenden Labors untersucht. Wird ein Rückstand gefunden, beginnt die Ursachenrecherche vom Erzeuger über den Verarbeiter bis zum Einzelhändler. Dabei konnten schon einige bislang unbekannte Schwachstellen aufgedeckt und beseitigt werden.

Kontrolle greift weltweit

Da die Bio-Verordnung EU-weit gilt, ist die strenge Kontrolle nicht auf Deutschland beschränkt. Wollen Erzeuger außerhalb der EU ihre Bio-Lebensmittel in die Europäischen Union hinein exportieren, müssen sie sich vor Ort von internationalen Kontrollorganisationen nach vergleichbaren Erzeugungs-, Verarbeitungs- und Kontrollbestimmungen überprüfen lassen.

Schwachstellen im EU-Kontrollnetz sind Fischzucht und Algenanbau. Für beide fehlen Regeln in der EU-Öko-Verordnung. Dort fehlen auch eindeutige Vorschriften für die Weiterverarbeitung von Bio-Fleisch, Bio-Milch und ökologisch erzeugten Trauben.

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