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Stadtmarkt Augsburg

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Der Wächter des Augsburger Stadtmarkts

Hans Ceslik sorgt auf dem Augsburger Stadtmarkt für Ordnung. Und das seit 29 Jahren.
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Hans Ceslik sorgt auf dem Augsburger Stadtmarkt für Ordnung. Und das seit 29 Jahren.
Bild: Carina Sirch

Seit rund 30 Jahren ist Hans Ceslik Hausmeister beim Augsburger Stadtmarkt und kennt nicht nur alle Betreiber, sondern auch alle Geheimnisse des Marktes.

Geht man mit Hans Ceslik über den Augsburger Stadtmarkt, wird er an jeder Ecke erkannt. Die Beschicker rufen ihn aus ihren Läden oder begrüßen ihn freundschaftlich mit Handschlag. Hans – wie ihn hier jeder nennt – ist einer von vier Hausmeistern des Augsburger Stadtmarkts und kümmert sich dort nicht nur um die Sauberkeit.

Seit 29 Jahren schlägt Hans’ Herz nun für den Stadtmarkt. Er hat zahlreiche Veränderungen miterlebt, ist sich aber auch nach so vielen Jahren noch sicher: „Ich könnte mir keinen anderen Beruf vorstellen!“ Im nächsten Jahr feiert er sein 30. Betriebsjubiläum, doch auch heuer wird noch ein ganz besonderes Datum zelebriert. Der Augsburger Stadtmarkt wird 90 Jahre alt.

Bereits zu Zeiten der Römer gab es eine Markthalle in Augsburg

Blickt man auf die Geschichte des Augsburger Marktwesens, geht dieses viel weiter zurück als 90 Jahre. Bereits zu Zeiten der Römer wurden Waren in einer vierschiffigen Markthalle, die sich auf dem heutigen Gelände des Gymnasiums St. Stephan befand, verkauft.

Hatten die Römer gerne alles an einem zentralen Ort, wollten sich die Händler im Mittelalter spezialisieren und ihre Waren individuell präsentieren. Der Verkauf verteilte sich über das ganze Stadtgebiet. In der Karolinenstraße wurde Gemüse verkauft, Brot gab es vor St. Moritz, am Perlach wurde Fisch offeriert und um den Augustusbrunnen konnten sich die Menschen mit Eiern, Butter und Schmalz ausstatten. Noch heute weisen einige Straßennamen auf das damalige Marktgeschehen hin. Oder was meinen Sie, was einst am Kitzen- oder Obstmarkt verkauft wurde?

1957: Der Augsburger Stadtmarkt war damals schon sehr beliebt.
Bild: Stadt Augsburg

Der Stadtmarkt im Wandel der Zeit

Der dezentrale Handel wurde 1874 überdacht: Die Augsburger Stadtgesellschaft wünschte sich einen zentralen Ort, der mit einem Markt und einer Halle alle unterschiedlichen Waren an einem Platz feilbietet. Lange konnte man kein geeignetes Gelände finden. 1925 – also über 50 Jahre später – erstand die Stadt Augsburg die ehemalige Lotzbeck’sche Tabakfabrik. Der Standort war mit ehemaligen Büroräumen, einer großen Freifläche sowie dem Standort im Zentrum ideal. Nach fünf Jahren Umbauphase sowie der Investition von 2,7 Millionen Reichsmark wurde der Zentralmarkt 1930 eröffnet.

Bis 1944 erfreute sich die Stadt an einem regen Marktgeschehen. Das änderte sich in der Bombennacht vom 25. auf den 26. Februar 1944. Augsburg wurde bei dem verheerenden Luftangriff – von insgesamt 19 im Zweiten Weltkrieg – schwer getroffen. Bedeutende Gebäude wie das Rathaus, der Perlachturm, die Fuggerei aber auch Wohnhäuser und nicht zu vergessen der Augsburger Stadtmarkt wurden bei diesem Angriff schwer beschädigt oder zerstört. Der Wiederaufbau des Marktes konnte erst im Jahr 1953 fertiggestellt werden. Modernisiert wurde das Gelände 1995/1996 und auch 2016 sorgte man für Neuerungen: Die Fleischhalle wurde aufgemöbelt und bietet nun mehr Komfort für Rollstuhlfahrer und ältere Menschen.

In der Fleischhalle des Augsburger Stadtmarkts wurde einiges erneuert. Auch hier kümmert sich Hans Ceslik und die Sauberkeit und Ordnung.
Bild: Carina Sirch

Tolle Gemeinschaft auf dem Augsburger Stadtmarkt

Auch Hans hat einige Veränderungen miterlebt. Es war viel Gutes dabei, aber auch Unerfreuliches hat sich mit der Zeit entwickelt: „Früher hatten wir auf dem Bauernmarkt bis zu 50 Bauern – heute sind es nur noch rund 15. Die Jugend fehlt, die die Höfe der Eltern weiterführen. Das finde ich sehr schade.“

Doch es gibt auch Schönes zu berichten. So ist die Gemeinschaft auf dem Stadtmarkt seit Jahrzehnten sehr familiär. Die Händler helfen sich gegenseitig und sorgen für eine lebendige Innenstadt. „Für mich ist der Stadtmarkt mit seinen Menschen wie eine Familie. Auch meine Frau und ihre Tochter haben hier einen Stand. Bei Irenas Stadtmarkt Spezialitäten kann ich jedem den leckeren Streuselkuchen empfehlen. Den muss man probiert haben“, schwärmt der 57-Jährige.

Viel Verantwortung

Zu seinen Hauptaufgaben gehört die Sauberkeit auf dem Gelände. Einmal in der Woche müssen die Vorratskeller gewaschen werden und täglich wird der Müll sortiert. „Früher hat man den Abfall einfach auf den Mehlwagen geschmissen und zur ehemaligen Deponie in Gersthofen gefahren. Sortiert wurde da nichts“, erinnert sich Hans.

Die wichtigste Aufgabe der vier Hausmeister, die im Schichtbetrieb arbeiten, ist jedoch das Aufsperren der Tore am Morgen: „Wenn wir nicht um fünf Uhr die Tore öffnen, kommen die Händler nicht zu ihren Ständen. Pünktlichkeit ist deshalb ein Muss“, sagt Hans. Ob er einmal zu spät gekommen ist? Ja, einmal ist es tatsächlich passiert. Aber nur, weil er eine halbe Stunde im Aufzug stecken geblieben ist. Aufgesperrt wurde dann vom Marktleiter – ist also noch mal alles gut gegangen.

Neben den vielen großen und kleinen Aufgaben sind die Hausmeister auch für andere städtische Arbeiten zuständig. So helfen die Männer beim Plärrer- sowie Dult-Aufbau, sorgen für die Deko des Christkindlmarkts und kümmern sich bei Festen im Stadtmarkt um den Auf- und Abbau.

Geradlinig und gefliest: So sah die Fleischhalle aus.
Bild: Stadt Augsburg

Geschmack der Heimat

Zum 90. Geburtstag des Augsburger Stadtmarkts wird gerade ein großer Festakt geplant. Hier sind Hans und seine Kollegen bereits zwei Wochen zuvor beschäftigt, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren.

Und da harte Arbeit natürlich hungrig macht, bleibt nun noch die Frage, was eigentlich Hans Lieblingsgericht ist? „Mich findet man auf jeden Fall in der Fleischhalle. Hier gibt es bei meinem Freund Spezialitäten aus unserer oberschlesischen Heimat. Das Bigos esse ich hier sehr oft und kann es jedem nur empfehlen“, sagt Hans und lacht dabei.

Wann hat der Augsburger Stadtmarkt geöffnet?

Adresse

Fuggerstraße 12a

Montag

7 bis 18 Uhr

Dienstag

7 bis 18 Uhr

Mittwoch

7 bis 18 Uhr

Donnerstag

7 bis 18 Uhr

Freitag

7 bis 18 Uhr

Samstag

7 bis 14 Uhr

Sonntag

geschlossen

Dieser Artikel stammt aus unserer Beilage "2020 - Was in der Region zählt." Hier finden Sie weitere spannende Texte zum Thema Zahlen wie zum Beispiel den Rekordjäger von Augsburg.

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