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„Fernab der Bühne bin ich in erster Linie Mama“

Opernsängerin Diana Damrau im Kreis ihrer Familie.
Bild: Ulrich Wagner

Opernsängerin Diana Damrau zählt international zu den großen ihrer Zunft. Abseits des Rampenlichts brilliert die Günzburgerin in der Rolle der Ehefrau und Mutter zweier Söhne.

Frau Damrau, Sie sind ständig unterwegs. Haben Sie Heimweh und wo ist Ihre Heimat?

Diana Damrau: Heimweh habe ich nicht! Heimat ist da, wo die Familie ist. Durch meinen Beruf auf der ganzen Welt kommt meine Familie auch immer mit. Bis zu meinem 18. Lebensjahr war ich in Günzburg daheim. Klar, das ist meine Heimat! Jedes Mal wenn ich heimkomme, dann fühle ich mich anders. Dann kommen die Erinnerungen hoch vom Schul- und Fahrradweg, von der Reitschule - das sind meine Wurzeln. Aber dank der modernen Technik ist das heutzutage einfacher, mit Freunden Kontakt zu halten.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie nicht Opernsängerin geworden wären?

Damrau: Das weiß ich nicht! Sehr interessiert hätte mich die Klimaforschung. Vielleicht wäre ich irgendwo im Regenwald auf einem Baum und hätte Studien betrieben. Aber ich bin froh, dass ich Opernsängerin geworden bin.

Sie werden gerne als undivenhafteste Operndiva der Welt bezeichnet. Ist Ihre Bodenständigkeit anerzogen?

Damrau: Nein, das liegt in mir, liegt in meinen Genen und in der Art und in welcher Umgebung ich aufgewachsen bin. Bestimmt auch durch die Erziehung meiner Eltern. In einer Kleinstadt ist man doch ganz anders behütet, man hat andere Möglichkeiten als in einer Großstadt. Man kennt sich untereinander - ist nicht so anonym. Mit den Einschränkungen, die es gab, hat man vielleicht eine gewisse Zufriedenheit erlangt. Mir hat aber nichts gefehlt! Im Theater war ich zum ersten Mal, als ich 15 war. Ich hatte das große Glück, mit Frau Hanganu meine erste Gesangslehrerin zu finden, die mir die Basis und den Grundstein gelegt hat, auf dem ich immer noch stehe. Wenn man ein Theater von hinter den Kulissen sieht, schaut das ganz anders aus. Man bewegt sich in einer Fabrik unter schwebenden Lasten, ohne Helm. Es ist also zudem auch noch gefährlich. Und es ist Hochleistungssport! Da muss man die Zügel wirklich in der Hand behalten und schauen, dass man sich ausruht, dass man die richtigen Rollen wählt. Man darf die Balance nicht verlieren.

Wie viel Normalität ist in der pompösen, zauberhaften Opernwelt normal?

Damrau: Jeder hat so sein Ding, an dem er zu knapsen hat. Ich muss sagen, je weiter oben man ist, desto normaler werden die Menschen. Jeder weiß, wie schwierig es ist! Da gibt es auch keinen großen Neid mehr.

Sie sagten, die Oper sei Hochleistungssport für Körper und Geist. Wie halten Sie sich fit?

Damrau: Seit der Geburt der Kinder vor sechs Jahren lebe ich sportlos. Langsam merke ich das. Es ist aber keine Zeit. Wir haben uns entschlossen, Kinder in die Welt zu setzen, die nicht bei Oma und Opa geparkt und nicht ins Internat abgeschoben werden. Wenn ich auf der Bühne bin, lebe ich die Rolle. Fernab der Bühne bin ich in erster Linie Mama. Ich weiß, es ist Zeit, die mir fehlt. Glücklicherweise lerne ich recht schnell. Wenn die Kinder mal flügge werden, dann bleibt auch wieder mehr Zeit für eigene Hobbys.

Welche Bedeutung hat Gesundheit für Sie?

Damrau: Das ist das wichtigste - für jeden Menschen. Ich singe, ich atme. Singen ist auch ein großes Spiel mit der Energie. Man kann diese Energie abrufen und sie spielen. Man kann diese Energie übertragen und lernen, die gleiche Energie zu geben, ohne sich komplett auszupowern. Natürlich wird man müde - wir sind ja keine Übermenschen. Ich brauche einen durchlässigen Körper! Vor dem Singen mache ich Dehnungsübungen. Auch sonst schaue ich, dass bei meinem Körper nichts klemmt und nichts zwickt. Ich versuche, mich so gut wie möglich auszuruhen und nicht am Abend vorher groß zu feiern und tagsüber auch noch zehn Interviews zu geben oder ein großes Mittagessen in einem lauten Restaurant - all das geht nicht. Ich fokussiere die Energie auf den Abend!

Wie kommen Sie mit Jetlag klar?

Damrau: Mir ist es noch nicht so passiert, dass ich fliegen musste und am nächsten oder übernächsten Tag schon singen musste. Meistens sind es Opernengagements, da fängt man mit Proben an und dann kann man sich in der ersten Woche schon ein bisschen akklimatisieren. Dann geht’s!

Wie viel Energie geben Ihnen Ihr Mann und Ihre beiden Kinder?

Damrau: Unglaublich, das ist der Anker! Ein Künstlerleben - einsam und abgeschottet von Umwelt und Mitmenschen, nur auf sich und seinen Körper bezogen - kann nicht erfüllt und ausbalanciert sein. Da wäre man dann leicht in Gefahr, schwierig für die Mitmenschen zu werden. Ich bin so froh, mit Nicolas den richtigen Partner gefunden zu haben, der das versteht, der genau das Gleiche lebt und für den das ganz normal ist. Denn für normale Menschen ist das, was wir machen, vollkommen wahnsinnig. Die Kinder wachsen wie selbstverständlich damit auf und sprechen drei Sprachen. Unser Leben ist anders!

Ist es korrekt, dass Sie in Zürich sesshaft werden möchten?

Damrau: Wir leben bereits seit mehreren Jahren in Zürich. Mit der Schule ist es so vereinbart, dass die Kinder derzeit mitreisen können. Jetzt in Asien nehmen wir einen Lehrer mit für diesen einen Monat. Das ist natürlich wunderbar! Insofern kann die Familie zusammenbleiben. Die beiden haben nicht das Los eines Einzelkindes, das in einer Erwachsenenwelt aufwächst. Wenn die Schule schwieriger wird, schauen wir, dass beide dann ausschließlich in Zürich zur Schule gehen. Wir werden unsere Engagements so anpassen, dass immer einer von uns bei ihnen sein kann. Aber wir haben auch das Glück, dass meine Eltern immer für sie da sind; auf die kann man zählen. Das ist ganz wunderbar und eine große Stütze. Das ist für die Kinder und ihre Entwicklung sehr wichtig.

Zur Person

Diana Damrau wurde in Günzburg am 31. Mai 1971 geboren. Ihre Stimme machte sie zu einem Weltstar, der weltweit auf allen renommierten Opernbühnen zu Hause ist. Entdeckt wurde die Sopranistin von ihrer Gesangslehrerin Carmen Hanganu. Nach dem Abitur am Dossenberger-Gymnasium in Günzburg studierte Damrau Gesang an der Hochschule für Musik in Würzburg. Im Jahr 1995 schloss sie ihr Studium mit Auszeichnung ab. Im Mai 2010 heiratete Diana Damrau den Bassbariton Nicolas Testé. Ihr Sohn Alexander wurde im Oktober 2010 geboren. Zwei Jahre später kam ihr zweiter Sohn Colyn auf die Welt.

www.diana-damrau.com/de

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