Newsticker

Corona-Pandemie: EU-Länder weiten Einreisebeschränkungen auf Marokko aus

Kampf gegen Coronavirus

Anzeige

Schulen und Kitas machen dicht

Im Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus schließen Tausende Schulen und Kindertagesstätten.
Bild: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Das hat es so noch nie gegeben: Um die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, schließen in Deutschland Tausende Schulen und Kindertagesstätten. Eltern stehen vor einem Dilemma.

Im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus werden von diesem Montag (16. März) an deutschlandweit Tausende Schulen und Kitas geschlossen. Die beispiellosen Anordnungen gelten in den meisten Bundesländern bis zum Ende der Osterferien, also bis Mitte oder Ende April.

Betroffen sind Millionen Menschen: Deutschlandweit gibt es 2,8 Millionen Grundschüler, in Tageseinrichtungen und Horten werden 3,7 Millionen Kinder betreut.

Die wochenlange Schließung stellt Eltern und Arbeitgeber vor massive Probleme. Arbeitsminister Hubertus Heil appellierte an Firmenchefs und Behördenleiter, zusammen mit ihren Mitarbeitern unbürokratische und einvernehmliche Lösungen für die Kinderbetreuung zu finden, so dass den Eltern keine Lohneinbußen drohen.

Notbetreuungen geplant

Die Länder versuchen auch, Notbetreuungen auf die Beine zu stellen. Es geht dabei aber vor allem darum, dass Eltern in sogenannten kritischen Berufen wie Polizei, Feuerwehr, Krankenpflege oder Rettungsdienst weiterhin zur Arbeit gehen können.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, warb um Verständnis für anfängliche Probleme in den Kommunen bei der Notbetreuung von Kindern, deren Eltern in "systemrelevanten Berufen" arbeiten. "In den ersten Tagen wird es hier sicher noch ruckeln. Denn wir müssen Bescheinigungen der Arbeitgeber für bestimmte Berufsgruppen erhalten, dass Eltern am Arbeitsplatz unbedingt gebraucht werden", sagte Dedy der "Saarbrücker Zeitung" (Montag). Wichtig seien genaue Angaben der Länder zu den Berufen, damit die Kommunen einheitlich vorgehen könnten.

Klare Regeln gefordert

Lehrerverbände forderten klare Regeln und Anweisungen für Lehrkräfte, Schulleitungen, Schüler und Eltern. "Die Lehrkräfte stehen angesichts der Schulschließungen bereit, ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise zu leisten", erklärten die Vorsitzenden der Lehrerverbände unter dem Dach des dbb beamtenbund und tarifunion. Für alle sei klar, dass es gelte, so viel Betreuung wie nötig und so viel Lernunterstützung wie möglich zu gewährleisten.

"Gerade in einer derartigen Krisensituation endet die Dienstpflicht der überwiegend verbeamteten Lehrerschaft nicht. Diese muss aber klar und transparent ausgestaltet werden", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Eine wichtige Frage sei zum Beispiel, nach welchen Kriterien die Kollegen ausgesucht würden, denen die Notbetreuung der jüngeren Schüler, deren Eltern in systemrelevanten Berufen gebraucht werden, zugemutet werden könne.

Der Chef der Jungen Union, Tilman Kuban, forderte, digitalen Unterricht anzubieten. "Die Kultusminister der Länder müssen den Schulbetrieb jetzt für alle Klassenstufen digital aufrechterhalten. Die Lehrer stehen zur Verfügung und können auch von zu Hause oder aus der Schule digitale Lehreinheiten zur Verfügung stellen", sagte Kuban der "Passauer Neuen Presse" (Montag). Nahezu jeder Haushalt habe einen internetfähigen Laptop, ein Tablet oder Smartphone zu Hause. "Die Corona-Krise wird zum Testlauf für die digitale Bildung in Deutschland", meinte Kuban.

Wie ist die Rechtslage?

Heil beschrieb die Rechtslage für arbeitende Eltern so: Sie können zur Betreuung ihrer Kinder eigentlich nur kurz, also zwei oder drei Tage, ohne Lohneinbußen ihrem Arbeitsplatz fernbleiben. Voraussetzung sei, dass es keine anderweitige Betreuung gibt, etwa durch Ehepartner, Freunde oder Nachbarn.

Heil appellierte an die Arbeitgeber, zumindest in der ersten Woche auf Lohnminderungen zu verzichten. Homeoffice-Lösungen oder flexible Arbeitszeitregelungen könnten beitragen, die Krisensituation zu bewältigen. Arbeitnehmer bat er, wenn möglich Überstunden abzubauen oder kurzfristig Urlaub zu nehmen. Eindringlich riet der Minister, auf die Betreuung durch Großeltern zu verzichten, da Ältere erheblich durch das Virus gefährdet seien.

Sender stellen wegen Schulschließungen ihr Kinderprogramm um

Weil Millionen von Kindern nicht zur Schule gehen können, ändern einige Fernseh- und Radiosender ihr Programm. Die ARD Mediathek stellt von nun an unter der Überschrift "Planet Schule - Lernen, wenn die Schule zu ist" online Lerninhalte bereit, wie der Sender mitteilte.

Der Bayerische Rundfunk (BR) kooperiert nach eigenen Angaben mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus - und bietet unter dem Motto "Schule daheim" ein Angebot zum Lernen zuhause via ARD-alpha, BR Mediathek und Infoportal "mebis". Auch der SWR baut sein Programm um: Ab sofort werden ab 8.00 Uhr ein "Tigerenten Club spezial" und anschließend die Sendungen "Planet Schule" und "Planet Wissen" gesendet, hieß es.

Unter dem Titel "Gemeinsam Zuhause" bietet der Kinderkanal Kika von ARD und ZDF "alles für eine Bewältigung der Situation, von Tipps gegen die Langeweile bis zum Liveaustausch mit anderen Zuschauerinnen und Zuschauern". Außerdem gebe es weiterhin Informationsangebote wie die Nachrichtensendung "logo!" und verschiedenen Bildungssendungen wie "Wissen macht Ah!" oder "Löwenzahn".

Nicht nur im Fernsehen, auch im Radio wird sich etwas ändern. NDR Info Spezial bietet vormittags eine Extra-Ausgabe der Kindersendung "Mikado", wie der Sender mitteilte. Die Redaktion setze dabei unter anderem auf Hörspiele. Auch das Kinderradio "Radio Teddy" stellt sich um: Neben einer verlängerten Morgenshow und verschiedenen Mitmach-Aktionen am Vormittag wird auch der Nachmittag um eine verlängerte Hörspiel-Zeit ausgeweitet, hieß es.

Die Kita- und Schulschließungen zur Eindämmung des Coronavirus werden nach jetzigem Stand fast überall bis mindestens Ostern (10. bis 13. April) oder eine Woche danach dauern - also vier oder fünf Wochen. Bundesweit führt dies dazu, dass fast 15 Millionen Kinder und Jugendliche die nächsten Wochen zu Hause verbringen müssen. (dpa)

Statistik

Related content

Statistik

Related content
Die Friedenstafel, die jedes Jahr am 8. August auf dem Augsburger Rathausplatz stattfindet, wurde 2020 wegen Corona abgesagt. Das Hohe Friedensfest findet trotzdem statt.
Hohes Friedensfest

Wie das Augsburger Friedensfest 2020 abläuft

Das könnte Sie auch interessieren