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Fröhlich im Radaunest

Auf dem Bebelplatz vor der Humboldt-Universität verbrannten die Nazis 1933 die Bücher Kästners.
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Auf dem Bebelplatz vor der Humboldt-Universität verbrannten die Nazis 1933 die Bücher Kästners.
Bild: Lisa Ducret
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Zahlreiche Klassiker Erich Kästners waren von Berlin inspiriert. Welche das sind und wie sein Leben in der Hauptstadt war, erfährt man bei einer Spurensuche.

Erich Kästner ging es wie auch heute vielen jungen Leuten: Er wollte in Berlin leben. „Bin sehr fröhlich, wieder mal in diesem Radaunest zu sein“, schrieb der Schriftsteller seiner Mutter im Sommer 1926 auf einer Postkarte. An Silvester kam der damals 27 Jahre alte Dresdner zurück in die Hauptstadt. Seinem Leben und seinen Büchern kann man bis heute nachspüren.

Kästner (1899-1974) schrieb für die „Neue Leipziger Zeitung“, bevor er im Sommer 1927 nach Berlin zog. Bald arbeitete er für verschiedene Zeitungen und das Kabarett, machte sich einen Namen. „So geschwind, so steil, so geradlinig wie Kästner hat sich damals kein zweiter Autor auf dem Literatur- und Pressemarkt durchgesetzt“, schreibt der Journalist Michael Bienert in seinem Buch „Kästners Berlin“.

Wer etwas über die Zeit des scharfsinnigen Dichters in Berlin herausfinden will, kommt an Bienert nicht vorbei. Der 54-Jährige hat die Stadt durchforstet, von ehemaligen Wohnungen und Arbeitgebern Kästners bis zu den Schauplätzen seiner Werke. „Mit Kästner kann man einen frischen, frechen und wachen Blick auf die Stadt lernen“, sagt Bienert. Auf Führungen bringt er Schülern, Touristen und Literaturinteressierten die Orte des Schriftstellers näher.

Das Bett wurde allein eingeweiht

„Wir sind hier mittendrin“, ruft Bienert auf der Terrasse der Schaubühne in Charlottenburg am Kurfürstendamm. Zu Kästners Zeiten gab es die Schaubühne nicht. Gegenüber aber lag das Kabarett der Komiker, daneben Kästners Stammcafé: „Ich sitze viel im „Café Leon“, um braun zu werden.“ Heute ist dort ein türkischer Grill. In der nahen Roscherstraße wohnte der Autor von 1929 bis 1944 in einer recht großen Wohnung. Kästner, dessen Biograf Sven Hanuschek ihm ein „in erotischer und literarischer Hinsicht hyperaktives Leben“ attestierte, schrieb der Mutter gleich: „Das Bett hab ich wirklich allein eingeweiht. Also keine Sorge von wegen Lasterbett.“

Bienert zeigt einen Grundriss der Wohnung und deutet in einen Baumwipfel: Ungefähr dort müsse die Loggia gelegen haben. Das Hinterhaus der Nummer 16, in der Kästner lebte, wurde im Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Kinos, Theater, Kabarett und Künstlercafés umgaben Kästner im Westen, wo er lebte. Im „Carlton“ soll er „Emil und die Detektive“ geschrieben haben. Ein Szene-Café nannte er „Wartesaal der Talente“. „Es gibt Leute, die hier seit zwanzig Jahren, Tag für Tag, aufs Talent warten. Sie beherrschen, wenn nichts sonst, so doch die Kunst des Wartens in verblüffendem Maße.“ Kästner hing lieber mit den Etablierten rum. Keines der Lokale hat bis heute überdauert.

Mit Emil Berlin erkunden

Anders ist es mit den Schauplätzen aus „Emil und die Detektive“ (1929): Bahnhof Zoo, Ku’damm, Gedächtniskirche oder Nollendorfplatz sind immer wieder Teil von Kästner-Führungen. Neben Bienert bietet der Veranstalter Stattreisen solche Touren an, auch für Kinder. Kästner siedelte die Geschichte um den zwölfjährigen Emil Tischbein, der zusammen mit dem Berliner Jungen Gustav mit der Hupe und anderen Kindern einen Bankräuber überführt, bewusst im damals eher unbekannten Westen an. In der Ufa-Verfilmung von 1931 tauchte dann der Potsdamer Platz als zentrales Motiv auf, damals absoluter Touristen-Hotspot.

Umfassend verewigte er die Hauptstadt in „Fabian“ (1931), das er erst „Saustall“ oder „Sodom & Gomorrha“ nennen wollte. In dem satirischen Roman lässt Kästner seinen Protagonisten im Zuge der Wirtschaftskrise durch die Stadt irren, von Kreuzberg über den Grunewald oder Alexanderplatz bis in den Wedding.

Auf dem nahe gelegenen Bebelplatz vor der Humboldt-Universität musste Kästner 1933 wiederum zusehen, wie die Nazis seine Bücher verbrannten. Er emigrierte nicht und arbeitete während des Nationalsozialismus unter Pseudonym weiter. Erst 1944 floh er nach Tirol. Nach Kriegsende lebte er in München.

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