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Lüneburger Heide
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Was Camp Reinsehlen so besonders macht

Die Heidschnucken - hier mit Schäfer Steffen Schmidt - pflegen durch ihren Appetit die Landschaft.
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Die Heidschnucken - hier mit Schäfer Steffen Schmidt - pflegen durch ihren Appetit die Landschaft.
Foto: Wolfgang Stelljes, tmn
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Die Queen und der Dalai Lama waren da: Camp Reinsehlen in der Lüneburger Heide ist ein Sandmagerrasen, wie es ihn kein zweites Mal in Norddeutschland gibt.

Steffen Schmidt stützt sich auf seinen Stock. Ohne den würde er nicht durchhalten, sagt der Schäfer. Brauner Filzhut, winddichte Weste, leicht ergrauter Bart: So steht er da, ein wenig nach vorne gebeugt, und beobachtet seine Heidschnucken.

Die Heidschnucken - hier mit Schäfer Steffen Schmidt - pflegen durch ihren Appetit die Landschaft.
Foto: Wolfgang Stelljes, tmn

Die Schafe nähern sich gerade dem "Hotelcamp Reinsehlen" bei Schneverdingen, die Gäste können die Tiere ganz aus der Nähe studieren. "Sie dürfen auch die Terrasse vollkötteln", sagt Schmidt. So weit lässt er es aber nicht kommen. Ein schriller Pfiff, und Fiene, sein altdeutscher Hütehund, setzt dem Treiben ein Ende.

Die Schafe schützen die Landschaft

Typisch Lüneburger Heide, könnte man jetzt sagen. Nur dass weit und breit keine Heide zu sehen ist. Sondern nur eine weite, karge, fast baumfreie Ebene: Camp Reinsehlen ist eine Sandmagerrasenfläche, mit rund 180 Hektar die größte in Norddeutschland.

Auf den ersten Blick ist hier - fast nichts. Wer allerdings genauer hinschaut, entdeckt viele kleine Farbtupfer. So haben sich etwa Labkraut (gelb), Gemeine Schafgarbe (weiß), Berg-Sandglöckchen (blau) und Heide-Nelke (karminrot) mit dem nährstoffarmen Boden arrangiert.

Die Strand-Grasnelke ist eine der Pflanzen, die auf dem Sandmagerrasen wächst.
Foto: Wolfgang Stelljes, tmn

Jeden Tag zieht Steffen Schmidt mit seinen Heidschnucken durch das Camp - Landschaftsschutz. Ohne seine Herde würde die Fläche relativ schnell wieder zuwachsen, vor allem mit Birken und Kiefern.

In der Luft zwitschert eine Feldlerche, typisch für offene Landschaften wie diese, die nicht intensiv bewirtschaftet werden. Der Bodenbrüter ist einer der Gründe, warum man den Sandmagerrasen von Anfang April bis Ende August nicht betreten darf. Es gibt nur eine Ausnahme: "Ein Tag mit dem Schäfer" heißt ein Angebot für Besucher.

"Mit uns kommt man in die Fläche rein", sagt Schmidt. Sechs bis sieben Stunden ist man gemeinsam unterwegs. "Und guckt den Schafen beim Fressen zu." In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal auch die "Schnucken-Auszeit", eine kürzere Variante von zweieinhalb Stunden.

Die Geschichte von Camp Reinsehlen

Bis 1938 unterschied sich das Gelände kaum vom Rest der Lüneburger Heide. Dann wurde es beim Bau eines Militärflughafens eingeebnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand ein Lager für Flüchtlinge.

Kurz darauf kamen Kanadier und Briten und errichteten ein Militärcamp. Die Briten blieben bis 1994. Vom Camp aus starteten ihre Panzer zu Übungsfahrten durch die Lüneburger Heide und kurvten durch sogenannte Rote Flächen. Kein Heidestrauch blieb stehen.

Zweimal nahm der Rest der Republik Notiz von diesem Fleckchen Erde. Im Juli 1967 besuchte Queen Elizabeth II. ihr Royal Tank Regiment und nahm im offenen Jeep eine Parade ab. Und im Oktober 1998 weilte der Dalai Lama gleich eine ganze Woche lang im Camp. In einem beheizbaren Riesenzelt wies das geistliche Oberhaupt der Tibeter rund 9000 Interessierten aus aller Welt Buddhas Weg zum Glück.

Klettern statt Panzer waschen

Seit 2015 informiert ein Rundweg mit Info-Tafeln über die Geschichte und Gegenwart des Camps. Auf dem ehemaligen Flugfeld wuchs Magerrasen, der heute unter Naturschutz steht. Die ehemalige Panzerwaschanlage der Briten ist jetzt ein Kletterpark.

Die ehemalige Panzerreparaturhalle dient heute für Tagungen und manchmal auch Hochzeiten.
Foto: MarTiem Fotografie, Hotelcamp Reinsehlen, tmn

Die Halle gehört zum "Hotelcamp Reinsehlen", das gemeinsam mit der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz mehrere der ehemaligen Verwaltungsgebäude nutzt. Hinzugekommen sind Öko-Lodges.

Hotelchef Helko Riedinger legt großen Wert auf Naturverträglichkeit, vom Gründach bis zur E-Tankstelle vor dem Haus. Das größte Plus sei jedoch die Ruhe, sagt der 42-Jährige. Eine Ruhe, an die sich manche Gäste erst gewöhnen müssen. Mitunter stellt die Natur auch noch den Wecker, wenn sich frühmorgens ganz in der Nähe ein Kuckuck meldet. (tmn)

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