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Meine Burg, die hat acht Ecken

<p> Das Castel del Monte ist in der Form eines Achtecks angelegt.</p>
Bild: Enit/Vito Arcomano, tmn

Auf den Spuren des Stauferkaisers Friedrich II. durch Apulien: Historische Highlights gibt es hier noch und nöcher, so zum Beispiel die achteckige Burg Castel del Monte in Andria

Dieser Mann hat Handfestes schaffen lassen. Auch wenn durchaus nicht alles erhalten ist, was der berühmte deutsche Stauferkaiser Friedrich II. vor rund acht Jahrhunderten in der bezaubernden süditalienischen Region Apulien hat bauen lassen.

Wer in den Süden reist, um die Strände des Stiefelsporns Gargano oder der Hacke bis runter nach Leuca zu genießen, der lässt diese historischen Highlights meist links liegen. Sie machen aber Apuliens Bild genauso aus wie die zahllosen pittoresken Ansichten, die sich von Vieste im Norden bis nach Lecce im südlichen Salento finden.

Der sengenden Hitze Siziliens müde und gepackt von seiner Jagdleidenschaft, zog es den Staufer Friedrich II. in die waldreiche Gegend rund um Foggia in Nordapulien. Die Capitanata ist sicher nicht so aufregend wie die Toskana, aber mit viel natürlichem Flair, bei dem die Olivenhaine und die Mandelbäume die Akzente setzen.

Nordwestlich von Foggia kommt dann das Städtchen Lucera ins Blickfeld mit seinem Kastell, das in seinem Innenbereich noch die Reste von Friedrichs dort errichteter Festung birgt. Aus dem heißen Sizilien brachte er seine sarazenischen Heerscharen mit und siedelte sie an, als muslimische Gemeinde in christlichem Ambiente.

Berühmtes Castel del Monte

Auf der Rückseite der italienischen 1-Cent-Münze ist verewigt, was einen Höhepunkt jeder Reise nach Apulien bildet: Bei der Fahrt in die Berge taucht das prächtige und geheimnisvolle Castel del Monte auf, ein achteckiges Meisterwerk, wie es sich wohl nur Friedrich ausdenken konnte. Hier hat er sich mit Bedacht ein Denkmal gesetzt. Wuchtig und weiß auf der Kuppe gelegen, bietet es einen sagenhaften Blick über das weite Land.

Auf der Nationalstraße nähert sich der Besucher Bari. Kurz davor führt der Weg aber zunächst in das von Weinbergen umgebene Landstädtchen Ruvo di Puglia mit seiner sehenswerten romanischen Kathedrale – ein Werk klarer Architektur unter klarem Himmel, von schlichter Eleganz.

Noch unter dem Eindruck dieser Perfektion aus Kalk erreicht der Reisende Bitonto, das schon immer ein Schnittpunkt der Kulturen gewesen ist. Die prächtige Kathedrale des Städtchens birgt eine wahre Überraschung: Unter ihr liegt ein verzweigtes System von Gängen noch älterer Kirchen, sauber ausgegraben und bestens restauriert. Fachkundige Führer erläutern die beliebte Tradition, Kirchen neu und in einem anderen Stil auf den Resten der alten zu bauen.

Doch zurück zum Staufer, zu dem Mann mit dem Adler als Herrschaftssymbol, der einen Hasen in seinen Fängen hält. In Gioia del Colle, schon tief im Landesinneren, wartet eines der am besten erhaltenen Kastelle Friedrichs, ein besonders mächtiges mit zwei trutzigen Türmen und mit einem feudalen Gemach. Hier schwelgte der Stauferkaiser gern in einem üppigen Leben mit einer seiner Gefährtinnen, Bianca Lancia – die Mutter seines Sohnes Manfred, der der letzte staufische König in Süditalien werden sollte.

Im Frühjahr sorgt die Kirschblüte rund um Noci für Farbenpracht, im Herbst kommen Pilzsammler. In der Altstadt bietet die „Antica Locanda“ in der Via Spirito Santo vortreffliche Spezialitäten aus der Gegend.

Paradies für Schlümpfe

Und dann: che bello! Ein wenig Abwechslung abseits der Spuren des Staufers: Nach Noci kommt Alberobello. Wie ein Paradies für Schlümpfe, allerdings ein durchkommerzialisiertes, wirkt dieses hübsch vermarktete Unesco-Weltkulturerbe, das Dorf der Häuschen aus geschichtetem Trockenstein mit kegelförmigen Dächern.

Im nahen Martina Franca ist vor allem das hübsche barocke Ensemble bürgerlicher Palazzi sehenswert, wie man sie im italienischen Süden hin und wieder antrifft. Die ebenso rustikalen wie charaktervollen Trulli hier sind eigentlich die schönsten. Und schon ist man im verwinkelten und charmanten Altamura mit seiner Kathedrale. Das ist er also, der einzige von Friedrich II. angeordnete und finanzierte Sakralbau. Er sticht nicht sonderlich heraus in dem sehr süditalienischen Ort, der doch auch eher für sein Brot bekannt ist.

Hier liegt er auch nicht etwa begraben, der große Reichslenker. Gestorben ist Friedrich am 13. Dezember 1250 in Castel Fiorentino bei Lucera. Seine Gebeine ruhen in der Familiengruft in der sizilianischen Metropole Palermo. Aber das ist ein anderes Kapitel Geschichte und auch zu weit weg für einen raschen Besuch.

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