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Suche nach der sanften Sehnsucht

Rau ist die Küste im äußersten Südwesten England - das macht sie so schön.
Bild: Hilke Segbers, tmn

Die Fremdenführerin stoppt im Gelben Salon von Prideaux Place in Cornwall und blickt in die Runde. „Keine Deutschen heute hier, richtig?“ Sie räuspert sich. „Wahrscheinlich sagt Ihnen der Name Rosamunde Pilcher nichts. Aber in Deutschland kennt jeder ihre Bücher, sie werden für das Fernsehen verfilmt.“ Da hat sie recht.

Die liebevolle Schilderung des äußersten Südwestens Englands in den romantischen Büchern Pilchers, die in Cornwall aufwuchs, wirkt wie ein Magnet. Mitte der Neunziger setzte der Run ein – die Touristen wollten das Pilcher-Feeling spüren. Aber das ist gar nicht so einfach. Zwar ist die Küste wirklich ergreifend schön, und die Ortschaften sind so pittoresk wie die Straßen schmal. Aber das genau ist der Haken – Menschenmengen gehören nicht auf eine Halbinsel, deren Charme sich eigentlich erst in Einsamkeit und Weite erschließt.

Zahlreiche Strände

An den Stränden von Cornwall ist man im Sommer ebenfalls nicht allein, egal ob am Ärmelkanal, an der Keltischen See oder am Atlantischen Ozean. Und das, obwohl die Wassertemperatur auch im Sommer selten über 18 Grad steigt. Dafür sind Strände an der kornischen Küste lang, das Wasser klar und blaugrün, und der Sand schimmert in Goldgelbtönen.

Cornwall ist immer eine eher arme Region gewesen, die Menschen lebten von Fischfang, Landwirtschaft und später Bergbau. Noch heute ragen die alten Fördertürme der Zinkminen aus der Landschaft, meistens malerisch verfallen. Manche Anlagen sind inzwischen zu besichtigen, wie die Minen von Levant oder Geevor. Die Städte im Landesinneren von Cornwall sind wenig aufsehenerregend. Die Ortschaften an der Küste aber sind fast durchweg einen Ausflug wert.

Wer in Cornwall Ruhe und Erholung sucht, sollte nicht nach Land’s End fahren, auch wenn das so schön einsam klingt. Die Heidelandschaft dort ist zwar zauberhaft und der Blick von dort auf das Meer fantastisch. Aber der Rest rund um ein eigentlich ganz hübsches Hotel und Restaurant mutiert im Sommer zum Jahrmarkt, mit Kinderspielplatz, Imbissbuden, Getränkeausschank und Karussell. Landschaftlich ähnlich schön, aber ruhiger ist es auf der Halbinsel Lizard mit Lizard Point als südlichsten Punkt Englands. In den kleinen Ortschaften dort stehen auch noch ganz reizende reetgedeckte Fischerhäuschen. Am friedlichsten auch in der Saison ist es noch am ehesten in einem der großen Gärten und Parks des Landes.

Mondäne Landhäuser

Die dazugehörigen Landhäuser und Schlösschen können in der Regel besichtigt werden und bieten einen guten Einblick in den Lebensstil des Landadels und der Großgrundbesitzer vergangener Jahrhunderte. Auch Prideaux Place bei Padstow hat einen Park, aber hier lockt vor allem das 400 Jahre alte Gebäude.

Sechs Privaträume der Familie sind zu besichtigen. Sie dienten dem Filmteam vom ZDF für Innenaufnahmen für über ein Dutzend Pilcher-Filme. Am tropischsten wirkt die kleine Anlage von Trebah Garden in der Nähe von Falmouth. Wenn man hier nach einem Spaziergang durch die Anlage zwei süchtig machende Scones mit Clotted Creme und Erdbeermarmelade genießt, dann stellt es sich spätestens ein – das Rosamunde-Pilcher-Feeling.                                        Hilke Segbers

Cornwall

Cornwall ist eine Grafschaft ganz im Südwesten von Großbritannien. Dort liegen gleichzeitig der westlichste und der südlichste Punkt Englands. Hauptstadt ist Truro.

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