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„Wer im Netz nicht vorkommt, der existiert nicht“

Bild: Mathias Wild

Bernd Brenner, Vizepräsident des bayerischen Handelsverbands und Dillinger Buchhändler, entwirft seine Zukunftsvision für den stationären Handel. Er ist überzeugt, dass sich der Einzelhandel verändern muss.

Bernd Brenner bringt es auf den Punkt: „Wer im Netz nicht vorkommt, der existiert nicht.“ Als Vizepräsident des bayerischen Handelsverbands und Inhaber zweier Buchhandlungen in Dillingen und Lauingen weiß er, wovon er spricht.

Er untermauert seine These mit aktuellen Zahlen und Fakten. „Der e-Commerce entwickelt sich mit dramatischer Geschwindigkeit und obwohl es umgangssprachlich heißt ,Die Klage ist des Kaufmanns Gruß‘, sind die aktuellen Sorgen der Einzelhändler durchaus begründet.“

Lokaler Handel: verändern oder verschwinden

Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Handelsforschung ECC in Köln werden sich 70 Prozent der traditionellen Händler in Zukunft neu erfinden müssen oder sie verschwinden. Ein Drittel des stationären Handels wird bis zum Jahr 2020 aus dem Markt ausscheiden und nur 40 Prozent könnten dank großer Veränderung und Anpassung an aktuelle Entwicklungen überleben.

„Auch für reine Online-Händer wird der Überlebenskampf unausweichlich, denn durch den gnadenlose Wettbewerb schreiben viele kleine Shops große Verluste“, ist Bernd Brenner überzeugt. „Sicher gibt es immer wieder neue Unternehmen mit neuen Ideen, doch absahnen werden die großen amerikanischen Player, aber auch Anbieter aus Japan oder China, wie zum Beispiel Alibaba.“

Internet nicht diskreditieren

Die 40-Milliarden-Euro-Grenze hat der deutsche Online-Handel in punkto Umsatz letztes Jahr erreicht. Allein in Bayern stieg der Umsatz im Internet um sechs Milliarden Euro – im Landkreis Dillingen wurde für 45 Millionen Euro im Internet eingekauft. Das sind die harten Fakten.

„Der Kaufkraftabfluss ins Internet tut dem stationären Handel natürlich weh. Aber das Internet zu diskreditieren wäre naiv. Es ist ein unersätzliches Informations- und Werbemedium geworden“, betont Bernd Brenner. Demzufolge ist ein Umdenken im lokalen Handel unbedingt erforderlich, um mit der Konkurrenz Internet mitzuhalten, sich in seinem Segment zu behaupten, neue Kunden anzusprechen und letztendlich zukunftsfähig zu bleiben.

Bernd Brenners Antwort: „Es wird in Zukunft kein entweder oder geben, sondern ein sowohl als auch.“ Die lokalen Einzelhändler müssen sich online ansprechend präsentieren und ihr stationäres und Online-Geschäft verzahnen. „Das geht meiner Meinung nach am besten mit ,click & collect‘. Das heißt, der Kunde bestellt im Internet das gewünschte Produkt und holt es dann im lokalen Geschäft ab. Er hat keine Versandkosten, muss nicht auf den Postboten warten, sondern kann seine Ware abholen, wann es ihm passt. Nicht zu vergessen: Im Ladengeschäft bezahlt man sicher“, so der Experte.

Trend „mobile commerce“ intensiver nutzen

Die Einzelhändler müssen den aktuellen Trend „mobil commerce“ für sich nutzen und ausbauen. Angebote über Smartphones sind zukunftsweisend. Allein im Jahr 2014 hat sich der Umsatz in diesem Segment mit 6,6 Milliarden Euro verdoppelt.

„Das Angebot muss multikulturell, generationsübergreifend und begeisternd sein“, ist sich Bernd Brenner sicher. Es müsse alle Gesellschaftsschichten ansprechen. In Zeiten des demografischen Wandels und der großen Zahl an Asylbewerber und Migranten sowie der Digitalisierung und der Globalisierung stehen die Einzelhändler vor großen Herausforderungen, aber auch großen Chancen.

Bernd Brenner sieht großes Potenzial in der individuellen Auswertung von Bewegungs- und Einkaufsprofilen und den damit persönlich zugeschnittenen Angeboten oder Rabattaktionen, die direkt auf das Smartphone geschickt werden, sowie Produkten wie den „magic mirror“ – der Zauberspiegel. Technische Entwicklungen wie diese machen den Einkauf fit für die Zukunft. Im Spiegel wird das gewählte Kleidungsstück in einem Video von allen Seiten präsentiert. Mit nur einem Fingertipp kann man die Farbe wechseln oder ähnliches.

Eine Zukunftsvision, die heute teilweise schon wahr geworden ist, wie zum Beispiel im Bogner-Store in München.

„Was wir nicht vergessen dürfen: Das Internet bildet nicht aus. Allein in Bayern werden jährlich 40000 Lehrlinge ausgebildet. Die regionale Wirtschaft bietet diesen jungen, engagierten Menschen eine berufliche Zukunftsperspektive. Der bayerische, stationäre Handel bietet außerdem 353000 Arbeitsplätze für qualifizierte Mitarbeiter. Das Internet zahlt keine Gewerbesteuern, mit denen die Städte und Gemeinden ein ansprechendes, lokales Lebensumfeld finanzieren. Das sind Stärken, die wir vor Ort ausspielen müssen“, betont Bernd Brenner kämpferisch.

Herz muss regional schlagen

Denn: „Ich bin mir sicher, der Handel stirbt nicht aus. Aber er muss sich mit dem Internet verbinden – er muss sich verändern. Wenn unser Herz regional schlägt, schaffen wir es in die Zukunft. Wie es weitergeht, bestimmen wir selber.“

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