Berufswahl in Mittelschwaben

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Eigene Grenzen anerkennen

 Und noch eine Aufgabe mehr: Wenn ein Auszubildender das Gefühl hat, ihm wächst alles über Kopf, sollte er Alarm schlagen - und mit anderen darüber sprechen.
Bild: Andrea Warnecke
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Der Start in die Ausbildung ist aufregend – und mitunter stressig. Dann gilt es rechtzeitig gegenzusteuern

Die Schule ist geschafft, der Ausbildungsplatz ergattert, endlich kann es losgehen mit dem Berufsleben. Das bedeutet aber nicht nur eine gewisse Unabhängigkeit – es bringt häufig auch noch früheres Aufstehen, lange Schichten und wenig Freizeit mit sich. Junge Menschen geraten schnell in eine Spirale aus Druck und Stress, sagt Timo Lorenz, Arbeits- und Organisationspsychologe von der Freien Universität Berlin. „Es ist deshalb ganz wichtig, die eigenen Grenzen früh auszuloten und anzuerkennen.“

In den ersten Tagen der Ausbildung ist alles neu. Jede Aufgabe ist eine Herausforderung, von der manch einer denkt, sie sei nicht zu bewältigen. Azubis sollten sich dem stellen. Haben sie die Hürde einmal genommen, wissen sie bestenfalls: Das schaffe ich wieder. „So lernt man dazu und wird immer sicherer“, sagt Lorenz. Manch einer empfindet diese erste Zeit als sehr stressig. „Solange man abends gut abschalten kann und morgens gern wieder hingeht, ist das aber nicht bedenklich.“

Anders sieht es aus, wenn sich ein Auszubildender alleingelassen fühlt mit all den neuen Aufgaben. Dann passiere es schnell, dass er sich nachts im Bett herumwälzt und morgens schon mit Übelkeit zur Arbeit fährt. Wird das zum Dauerzustand, stimmt etwas nicht. Azubis sollten in dem Fall mit ihrem Vorgesetzten oder einem erfahrenen Kollegen sprechen und um Hilfe bitten.

Stress im Job entsteht Lorenz zufolge auch dadurch, dass jemand das Gefühl hat, nicht genug zu leisten. „Wir Menschen sind keine Maschinen, immer 120 Prozent geben kann niemand.“ In dem Fall sollte sich der Azubi Feedback einholen. „Häufig stellt derjenige dann fest, dass die anderen sehr zufrieden mit der Arbeit sind.“

Burn-out-gefährdet ist Lorenz zufolge aber nicht nur, wer sich überfordert fühlt. Auch wer seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat, sollte auf sich achtgeben. „Da besteht immer die Gefahr der Selbstausbeutung, weil man so begeistert ist von dem, was man tut.“ Manche Ausbildungsberufe - beispielsweise in der Pflege - seien dafür prädestiniert. „Wer täglich mit Menschen und ihren Schicksalen zu tun hat, sollte darauf achten, dass er das nicht mit nach Hause nimmt.“

Gesunde Distanz

Wie eine gesunde Distanz zum Job gelingt, muss jeder für sich herausfinden. „Vielen helfen Rituale, um abzuschalten.“ Die Kleidung wechseln oder nach der Arbeit duschen zum Beispiel signalisiert auch dem Kopf: Jetzt ist Feierabend.

„Einen gewissen Ausgleich zwischen Job und Privatleben zu schaffen, ist von Anfang an wichtig“, betont Lorenz – wenngleich er das Wort Work-Life-Balance nicht so gern mag. „Es impliziert, dass der eigene Beruf nicht zum Leben gehöre.“

Lorenz bevorzugt den etwas sperrigeren Begriff Life-Domain-Balance, also eine Balance zwischen den Lebensbereichen zu erreichen. Wer das früh übt, schützt sich von Beginn an vor zu viel Stress und Überlastung.

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So wird man heute Polizist