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Hutfabrik Lembert: Die Behüter von Augsburg

Blau, grün, ocker: Bei der Hutfabrik Lembert bleibt kein Farbwunsch unerfüllt.
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Blau, grün, ocker: Bei der Hutfabrik Lembert bleibt kein Farbwunsch unerfüllt.
Bild: Carina Sirch

Augsburger Familienbetrieb: Seit über 150 Jahren erfüllt die Hutfabrik Lembert individuelle Hutwünsche und verrät welches Modell besonders beliebt ist.

100 Grad heißer Dampf steigt auf, als Monika G. die Glocke in die Höhe hebt. Geübt nimmt sie den Stumpen von der Form und setzt ihn auf den Lindenrohling. Mit Kraft, Geschick und der Erfahrung von mehr als 20 Jahren zieht sie den Rohling in die richtige Form. Immer wieder geht der Hut unter die Dampfglocke und wir durch den Wasserdampf erhitzt. „Nur durch die hohe Temperatur kann das Material bearbeitet werden. Haben wir die richtige Form erreicht, wird der Hut im Ofen getrocknet“, erklärt Paula Birgid Lembert, die Pippi genannt wird.

Gesagt, getan. Monika hat den Stumpen in wenigen Minuten in Form gebracht – oder wie die Huterer sagen: „aufgezogen“ – und setzt ihn behutsam in den Ofen. Bereits seit ihrem 22. Lebensjahr ist sie bei den Lemberts angestellt. Die Leidenschaft des Huthandwerks lebt in der Augsburger Familie und ihren Mitarbeitern weiter. Hüte sind ihre Passion: „Sie sind unsere Herzstücke und unser Leben“, betont Pippi.

Drei Generationen für ein Familienunternehmen: Christian Lembert mit seiner Tochter Pippi (links) und der Enkelin Letizia.
Bild: Hutfabrik Lembert

Hutfabrik Lembert: Augsburger Familienbetrieb seit 150 Jahren

Bereits in fünfter Generation führt sie die Fabrik mit ihrem Vater Christian Lembert. Der gelernte Hutmacher und Färbemeister übernahm 1968 die Firma seines Vaters. Begonnen hat die Geschichte der Lemberts jedoch früher: Als 1861 die Brüder Kaspar und Raimund Lembert mit ihrem Gewerbe starteten, fingen sie nicht – wie man vermuten würde – mit Hüten an. Sieben Jahre lang fertigten sie Filzschuhe, bis sie 1868 zur Hutherstellung wechselten. Die Handwerker blieben dabei und lernten ihre Söhne Johannes und Wilhelm in zweiter Generation an. Diese bauten den Betrieb weiter aus und förderten die Leistungsfähigkeit, von der besonders zur Zeit des Ersten Weltkriegs profitiert wurde. Durch die Inflation gerät die Manufaktur Lembert in eine Krise, aus der sie sich mit viel Kraft und Willensstärke herausmanövrierte.

Tausende Lindenformen lagern in den Regalen. Mit ihnen werden die Hüte geformt.
Bild: Carina Sirch

Mit der dritten Generation, unter der Führung von Theodor Lembert, zogen 1939 Damenhüte in die Produktion ein. 140 Angestellte sorgten zu dieser Zeit für einen reibungslosen Ablauf. Auch Christian Lembert war zu Zeiten seines Vaters bereits im Betrieb beschäftigt. Als er in die Fußstapfen seines Vaters trat, entwickelte er das Vermächtnis seiner Familie zu einer edlen Hutmanufaktur weiter.

Seit nunmehr über 150 Jahren steht die Augsburger Manufaktur für Qualität, Handarbeit und Individualität. Dabei haben die Lemberts nie den Blick auf die Geschichte ihrer Familie verloren. Denn betritt man die Fabrik in der Haunstetter Straße 49, eröffnet sich eine andere Welt.

Die Maschinen sprechen die Sprache einer vergangenen Zeit. Tausende Hüte verteilen sich in den Stockwerken und es gibt kaum einen Raum, der nicht in den Bann der Vergangenheit zieht. „Unsere Technik hat sich in all den Jahren kaum verändert. Nach wie vor ist die Produktion mit viel Handarbeit verbunden. Außerdem achten wir stets darauf, nachhaltig und umweltfreundlich zu produzieren“, erklärt Christian Lembert.

Bei der Hutfabrik Lembert ist noch viel Handarbeit gefragt. Hier wird der Hutstumpen auf die Form gezogen.
Bild: Carina Sirch

Bevor die Hutrohlinge, wie anfangs erklärt, aufgezogen werden, müssen sie gefärbt werden. Natürlich ist auch dieser Schritt Handarbeit. In riesigen Bottichen werden die farblosen Stumpen getränkt und erhalten ihre Farbe nach den Geheimrezepten der Hutfabrik Lembert. Großkunden können ab 36 Stück auch Wunschfarben ordern. Beim Herausholen der Hüte zeigt sich deren gleichmäßige und wasserbeständige Färbung – eine Spezialität des Familienunternehmens.

Doch das ist nicht alles, was das Unternehmen auszeichnet. Seit jeher setzte es auf Hutformen aus Lindenholz. Zu Tausenden lagern die hochwertigen Muster in den Regalen des Lagers: „Diese Formen sind unser Kapital. Mit ihnen können wir jegliche Hüte in allen Größen herstellen“, erklärt Lembert. Runde, schmale, hohe oder breite – die Formenvielfalt ist beeindruckend und gibt bereits einen Vorgeschmack auf das Sortiment der Experten. „Wir bieten ein breites Spektrum. Von Stroh-, Filz-, Velours- oder Wollhüten über Mützen aus gewalkter Wolle bis hin zu Zylinder, Trenker, Dreispitz, Ratsherr, Pilgerhut oder Miesbacher – bei uns gibt es nichts, was es nicht gibt“, so Pippi Lembert. „Geht nicht – gibt´s nicht“ lautet dabei das Motto – aber natürlich auf höchstem Qualitätsstandard.

Immer wieder muss das Material in der Dampfglocke auf 100 Grad erhitzt werden. Durch die Hitze kann er in Form gezogen werden.
Bild: Carina Sirch

Bayern-Bestseller: Lemberts Velour-Hut

Neben Privatkunden beliefert die Hutfabrik Lembert auch Theater, Folkloregruppen, namhafte Firmen wie Hugo Boss aber auch Schauspieler wie beispielsweise die Akteure der Serie „Babylon Berlin“ werden mit den Kopfbedeckungen des Familienbetriebs ausgestattet.

Der Bestseller ist in Bayern – wie soll es anders sein – der typische Velour-Hut. Die grünen Klassiker der Lemberts werden gerne zur Tracht getragen und sind ein unverkennbares Markenzeichen der Augsburger Manufaktur.

Beliebt in Bayern: Der Velour-Hut mit dem typischen Grünton der Familie Lembert.
Bild: Carina Sirch

Für die Zukunft möchten die Lemberts weitermachen wie bisher. Dass sich ihr Konzept bewährt hat, zeigen die über 150 Jahre Erfahrung. Doch auch die erfolgreiche Hutmanufaktur ist vor wirtschaftlichen Problemen nicht gefeit: „Für uns bedeutet die Corona-Krise erhebliche Auftragseinbußen. Wenn viele Ereignisse, bei denen man einen Hut trägt, abgesagt wurden und auch beispielsweise die Theater keine Kopfbedeckungen ordern, trifft uns das natürlich“, erklärt Pippi Lembert. Mit der Produktion von Alltagsmasken, die aus besonders atemfreundlichen Material gefertigt werden, haben sie der Krise den Kampf angesagt.

Und auch die sechste Generation steht bereits in den Startlöchern. Pippi Lemberts Tochter Letizia und ihr Sohn Leo wirken bereits in dem Herzstück der Familie mit. Gemeinsam sorgen sie sicher dafür, dass ihre Manufaktur stets gut behütet bleibt.

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Um die Region zu unterstützen, fertigen die Lemberts Masken aus besonders atmungsaktiver Baumwolle. Diese kann man vor Ort kaufen.
Bild: Carina Sirch
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