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Alexa und Arbeitsmarkt: Jobs rund um die neuen Assistenten

5 Bilder
Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn

"Siri, brauch ich einen Regenschirm?" Es sind simple Fragen, die virtuelle Assistenten ebenso simpel beantworten. In Zukunft sollen sie noch mehr Tricks können - und sie sich sogar selbst beibringen. Ein Plus für den Alltag oder eine Bedrohung für den Arbeitsplatz?

Ein schmuckloses Gerät, eine schnelle Frage und eine mehr oder weniger hilfreiche Antwort: Was virtuelle Assistenten wie Siri, Alexa, Bixby und Cortana tun, wirkt auf den ersten Blick zwar nicht sehr spektakulär.

Doch damit das einfach so klappt, war jede Menge Arbeit nötig. Und die Entwicklung geht weiter. Für manche Berufe könnte sich durch die Assistenten einiges ändern. "Wir haben die Systeme mit Hunderten von Stunden von Sprachdaten trainiert, in verschiedenen Dialekten, von über tausend Sprechern aus ganz Deutschland", erinnert sich Prof. Wolfgang Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). "Rund 80 000 Dialogbeiträge haben Wissenschaftler massenhaft per Hand transkribiert, Millionen hat das gekostet."

Spracherkennung war nicht das Einzige, was Menschen der Künstlichen Intelligenz erst mühsam beibringen mussten. Denn noch unterhalten sich Nutzer nicht wirklich mit Siri oder Cortana. Stattdessen sind Fragen und Kommandos von Menschenhand fest mit bestimmten Funktionen verknüpft. Deshalb sind die Möglichkeiten der Assistenten auch noch sehr eingeschränkt.

Doch in Zukunft könnten sie sich neues Wissen auch selbst beibringen. Experten sprechen dabei von Maschinellem Lernen. Grundlage des Maschinellen Lernens sind riesige Datenmassen, die eine Künstliche Intelligenz selbstständig aufbereitet und analysiert. Die daraus abgeleiteten Funktionen könnten mittel- bis langfristig viel komplexer sein als heute. Statt "Wie wird das Wetter?" könnte die Frage also "Welche Versicherung lohnt sich für mich?" lauten.

Mit echtem Machine Learning würden so nicht nur die Trainer von Siri, Cortana und Co. überflüssig. Langfristig könnten die Assistenten auch andere Arbeitsmärkte aufmischen. "Ich kann mir gut vorstellen, dass es solche Assistenten in Zukunft auch bei Bürotätigkeiten gibt, die zum Beispiel Routine-Mails sortieren und sogar beantworten", sagt Lucia Falkenberg, Personalexpertin beim Verband der Internetwirtschaft eco. Wären Alexa und Co. damit im Büro das, was der Roboter in der Fabrik ist - das Schreckgespenst, das dem Menschen erst die Arbeit und schließlich den ganzen Arbeitsplatz wegnimmt?

Die Antwort darauf lautet: ja und nein. "Reine Routinejobs sind durch den Siegeszug der Künstlichen Intelligenz tatsächlich gefährdet", sagt Wahlster. "Was wegfällt, sind Stellen einfacher Sachbearbeiter, also wenn Menschen den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen und Daten in Computer eingeben oder digitale Daten nach einfachen Regeln weiterverarbeiten."

Von solchen Umwälzungen könnten große Krankenversicherungen oder Banken betroffen sein, aber auch kleinere Arbeitgeber wie Anwalts- oder Steuerberaterbüros. Ein Experte für diese Branche ist Klaus Schmidt, Head of Tax Technology & Transformation bei der Unternehmensberatung PwC.

Einen Kahlschlag durch virtuelle Assistenten befürchtet er dort aber nicht. Im Idealfall könnte das Arbeiten sogar angenehmer werden: "Selbst heute geht noch sehr viel Zeit dafür drauf, Daten zu sammeln und aufzubereiten. Das ist jetzt für viele nicht der spannendste Teil des Jobs, die meisten würden sich freuen, wenn sie mehr Zeit für die kreative Arbeit hätten."

So könnte es auch im Journalismus laufen. Erste Versuche für das vollautomatisierte Produzieren und Verteilen von Nachrichten mit Hilfe Künstlicher Intelligenz gibt es bereits. Ganze Redaktionen voller Robo-Redakteure kann sich Wolfgang Wahlster aber nicht vorstellen: Was Bots heute schon gut können, sei die Aggregation von Nachrichten, "aber das ist ja nicht der eigentliche Qualitätsjournalismus", sagt der DFKI-Leiter.

Vielleicht vernichtet Künstliche Intelligenz am Ende auch gar keine Arbeitsplätze, sondern schafft sogar neue Jobs - zum Beispiel in der Position des Assistenten-Dolmetschers beim Steuerberater. Denn um die neuen Technologien nutzen zu können, muss man sie verstehen können.

MINT-Fachkräfte können künftig - vom Programmierer bis zum Datenanalyst - also auch in Kanzleien, Redaktionen oder bei Versicherungen anheuern. Und wären noch begehrter als ohnehin schon. Bleibt nur eine Frage: "Alexa, was tun gegen den Fachkräftemangel?"

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