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Studium 2.0: Wie E-Learning den Unialltag verändert

Digitalisierung und E-Learning verändern die Hochschulen. Schon in zehn Jahren werden Studenten sich vermutlich ganz anders bilden, als sie es heute tun. Das jedenfalls vermuteten Experten für E-Learning auf der Bildungsmesse Didacta.

In zehn Jahren muss man vielleicht keinem Studenten mehr erklären, was Iversity ist. Dann nutzen junge Menschen die Onlineplattform für ihr Studium womöglich schon so intensiv, wie sie Facebook für ihr Privatleben gebrauchen. Neben Smartphone und Laptop haben sie dann ganz selbstverständlich ein Nutzerkonto bei Iversity und anderen Seiten fürs E-Learning. So stellen sich zumindest Experten die Zukunft des Studienalltags vor.

Iversity ist eine Onlineplattform - "so etwas wie die Business-Netzwerke Xing oder LinkedIn, nur nicht für Geschäftsleute, sondern für Studenten", erklärt Mitgründer Hannes Klöpper. Die Seite ist ein Beispiel für einen Trend, der sich schon länger abzeichnet: Aus Lernen wird E-Learning, aus dem Studium das Studium 2.0. Statt sich Skripte zu kopieren, rufen Studenten sie von Lernplattformen wie Moodle, Stud.IP oder Ilias ab. Sie arbeiten via Internet gemeinsam an Referaten und vernetzen sich digital. Fragt man den E-Learning-Experten Hartmut Barthelmeß auf der Bildungsmesse Didacta (14. bis 18. Februar) in Hannover, was die Hochschule im Jahr 2022 ausmachen wird, so sagt er: "Studenten werden sich in Communitys wie Facebook organisiert haben."

Iversity hat laut Klöpper 30 000 Nutzer und ist zurzeit in erster Linie ein Tool für Professoren, um sich und ihre Studenten für die Seminare zu koordinieren. Also eine Art Intranet für Universitäten - nur bundesweit. So werden zurzeit etwa Referats- und Literaturlisten für Uniseminare auf der Plattform hochgeladen, oder der Professor kündigt dort an, wann ein Seminar ausfällt oder in einem anderen Raum stattfindet. Einen Account kann sich jeder kostenlos anlegen.

Doch theoretisch kann Iversity noch viel mehr. Beschäftigt sich ein Student etwa gerade mit dem Schriftsteller Franz Kafka, dann kann er auf der Plattform nach Menschen mit demselben Studieninteresse suchen - und zwar bundesweit. "Im Idealfall kommen so Leute miteinander ins Gespräch, die sich nie kennengelernt hätten", sagt Klöpper. Das Land Brandenburg und die Europäische Union finanzieren das Projekt mit einer Million Euro.

"Durch die Vernetzung der Studenten wird es für sie einfacher, an Informationen heranzukommen", ist sich Barthelmeß sicher. Denn sie bekommen vielleicht Tipps von einem Studenten, der ganz woanders sitzt - etwa zu einem neuen Buch. Jedes erdenkbare Wissen, das Studenten sich aneignen möchten, wird online zur Verfügung stehen. Und irgendeinen wird es immer geben, der genau das Problem in einer Hausarbeit schon hatte, vor dem man selbst gerade steht.

Den Besuch von Massenvorlesungen wird sich der Student im Jahr 2022 dagegen wohl schenken, glaubt Experte Barthelmeß. Der Frontalunterricht für Hunderte von Hochschülern in einem Audimax werde sich schlicht überholt haben. Das reine Wissen eigneten sich die Hochschüler der Zukunft zu Hause alleine über Internetportale an. Die Vorteile der Wissensvermittlung liegen dabei auf der Hand: Stehen die Infos zum Abruf in einem Portal bereit, könnten Studenten immer dann lernen, wenn es ihnen zeitlich passt. Und das Tempo der Vorlesung hängt allein vom eigenen Rhythmus ab.

Dennoch wird es die Universität weiterhin geben: Sie werde als Ort der Diskussion bestehen bleiben, glaubt etwa Uwe Beck, wissenschaftlicher Leiter der Fachtagung "Professional E-Learning" auf der Didacta. Denn um Argumente auszutauschen, sei es immer noch das Beste, sich in einem Raum gegenüberzusitzen. Barthelmeß sieht das ähnlich. "Der Mensch ist ein soziales Wesen. Niemand wird ein ganzes Studium allein vor dem Rechner machen können."

Aber die Art und Weise, wie dieser Ort genutzt wird, werde sich ändern. Statt Massenvorlesungen gibt es Seminare, glaubt Barthelmeß. Dort finde dann nicht mehr wie heute reine Wissensvermittlung statt. Vielmehr kämen die Studenten dorthin, um die Fragen in einer Diskussion zu klären, aus denen sie zu Hause nicht schlau geworden sind.

Auch die Rolle des Hochschullehrers wird sich nach Ansicht der Experten verändern. Barthelmeß glaubt, er werde in Zukunft für Studenten vor allem Dinge einordnen und das Wissen, das sie erworben haben, miteinander verknüpfen.

Und die Bibliotheken? Die werden nach Ansicht von Beck verwaisen - das gilt zumindest für die Bücherausgabe. "Zu Beginn des Semesters wird man als Student ein einziges Mal in die Bibliothek gehen." Dann lade man sich die ganze Literatur für das Semester als E-Book einmal auf seinen Rechner herunter. "Auf einen Schlag hat man dann alles", so Beck. Und den Rest des Semesters werden in den großen Hallen nur noch die Arbeitsplätze zum Lernen genutzt. (dpa)

Onlineplattform Iversity

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