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Vorsicht Falle: Wie man sich vor Banken-Tricks schützt

Bild: Mascha Brichta, dpa

Beim Thema Geldanlage läuft oft nicht alles rund. Kosten werden verschleiert, Risiken schöngeredet und bei der Beratung steht die Verkaufsprovision im Vordergrund. Kunden sind allerdings nicht machtlos. Sie müssen die Tricks nur durchschauen.

Die Dame, knapp 70 Jahre, hatte ein gutes Gefühl bei ihrer Bank. Ihre Beraterin kannte sie länger. Sie wollte 60 000 Euro anlegen. Die Rendite war nicht so wichtig. Nur schnell verfügbar sollte das Geld sein. Als sie aus der Bank heraus kam, hatte sie eine private Rentenversicherung abgeschlossen - mit einer fünfjährigen Vorlaufzeit. Mit 75 Jahren hätte sich die Frau auf eine monatliche Rente von 300 Euro freuen können.

Eberhard Beer von den Alten Hasen in Frankfurt erinnert sich gut an den Fall. Die Alten Hasen sind ein Netzwerk von Bankern im Ruhestand, die ihre Altersgenossen bei der Geldanlage beraten. Sie werden häufig mit Falschberatungen konfrontiert. "Das liegt daran, dass in der Bank keine Berater, sondern Verkäufer sitzen", sagt Beer. "Es geht um die Provision, nicht um den Kunden."

"Bis zu 30 Milliarden Euro gehen deutschen Anlegern pro Jahr durch fehlerhafte Kapitalanlage verloren", sagt Christian Urban von der Verbraucherzentrale NRW. Die Verbraucherschützer haben das "Schwarzbuch Banken" herausgebracht. Darin wird beschrieben, wie Anleger falsche Renditeversprechen oder versteckte Kosten erkennen.

Kosten im Kleingedruckten

Solche Kosten lauern häufig im Kleingedruckten. Beispiel Investmentfonds: Gebühren, Provisionen und Ausgabeaufschläge können die Rendite einer Anlage enorm schmälern. "Die Kosten liefern einen entscheidenden Anteil zum Anlageerfolg", sagt Urban. Denn je niedriger die Kostenquote ist, umso größer am Ende die Rendite.

Karin Baur von der Stiftung Warentest in Berlin rät: "Fragen Sie nach den Gebühren und Provisionen und lassen Sie diese im Beratungsprotokoll festhalten." Und Verbraucherschützer Urban empfiehlt, sich vom Finanzvermittler oder Bankberater die Nettorendite der Geldanlage berechnen zu lassen und zwar unter Berücksichtigung von Fondsgebühren, Ausgabeaufschlag, Depotgebühr und Provisionen.

Undurchsichtige Kostenaufzählung

Denn Provisionen verteuern die Anlage nicht nur. Sie führen auch dazu, dass häufig nicht die für den Kunden beste Investition angeboten wird, sondern die, die dem Berater die höchste Abschlussgebühr einbringt. Daher empfehlen Berater gerne geschlossene Fonds. Für viele Kunden ist dies aber eine ungeeignete Anlage.

Neben einer undurchsichtigen Kostenaufzählung bedienen sich die Bankangestellten auch noch anderer Tricks. "Es gelingt den Bankern immer wieder, ein Bedürfnis zu wecken, das der Kunde vorher noch gar nicht hatte", sagt Eberhard Beer. So werde das sichere Festgeld aufgrund seiner niedrigeren Zinsen belächelt und stattdessen mit Diagrammen auf vermeidlich renditeträchtige Fonds hingewiesen.

Doch wie viel Prozent der Fonds in den vergangenen Jahren auch gemacht haben mag, es ist immer ein Blick in die Vergangenheit. Die Zukunft kennt keiner. Und diese Diagramme stellen nicht selten vor allem die guten Jahre dar, die Fondsentwicklung in den schwierigeren Jahren wird nicht beschrieben. "Zudem verkaufen die Banken wegen der höheren Provisionen auch gern neu aufgelegte Fonds", sagt Beer. Und was deren Fondsmanager kann, ist noch unklarer.

Nur, wer sich auskennt, ist geschützt

Hat der Bankangestellte das Geld seines Kunden angelegt und seine Provision eingestrichen, gibt es nur eine Möglichkeit, erneut Profit zu machen: Der Kunde muss umschichten. Briefe werden verschickt, in denen die Chancen anderer Anlagen gepriesen werden. Oft mit Erfolg. Christian Urban weiß: "Mehr als die Hälfte aller langfristigen Anlagen werden vorzeitig beendet - mit Verlust."

Geschützt vor den Tricks der Banken ist nur der, der sich selbst auskennt. Karin Baur sagt es deutlich: "Es ist immer wichtig, die Investition gut zu überdenken, zu vergleichen und zu verstehen." Wer Unterstützung braucht, der kann sie sich zum Beispiel von Verbraucherschützern oder Honorarberatern holen. Dort muss man für eine Beratung zwar bezahlen, aber dafür ist sie unabhängig.

Service:

Thomas Hammer: Schwarzbuch Banken und Finanzbetriebe - So schützen Sie sich vor fiesen Tricks, 168 Seiten, 9,90 Euro. Bestellbar über die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Tel.: 0211 3809555, oder online. (dpa)

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