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Wie werde ich...? Sattler

Bild: DPA

Bonn (dpa/tmn) - Wilhelm Weil schwärmt von seiner Arbeit: "Unser Beruf ist so vielseitig und spannend", sagt der Fahrzeugsattler, der einen Betrieb in hessischen Rockenberg leitet und Vorsitzender des Bundesverbandes Fahrzeugausstattung und Reitsportausrüstung in Bonn ist.

Kein Wunder, dass Weil seinen Beruf liebt - immerhin stehen in seiner Werkstatt unter anderem die Originalautos, die einst von Grace Kelly oder Heinz Rühmann gefahren wurden und deren Sitze oder Cabrio-Verdecke nun repariert werden. Zum Angebot des Fahrzeugsattlers gehören außerdem Bootsverdecke und -planen, Sonnensegel und Oldtimerausstattungen.

In seinem Betrieb sind Männer in der Mehrheit, was dem Deutschlandschnitt entspricht: Nach Weils Schätzung liegt der Anteil der Frauen im Bereich Fahrzeugausstattung bundesweit bei etwa zehn Prozent. Die meisten anderen Sattler arbeiten im Reitsport-Bereich, einige wenige in der Feintäschnerei. Insgesamt genieße dieses Handwerk einen sehr guten Ruf, auch wenn es ein vergleichsweise kleiner Bereich ist, sagt Angela Volmer vom Zentralverband Raum und Ausstattung (ZVR) in Bonn: Deutschlandweit sind derzeit 1825 Sattler-Betriebe eingetragen, im Jahr 2007 waren es knapp 60 weniger.

"Durch den Wegfall der Meisterpflicht machen sich immer mehr Sattler selbstständig", sagt Volmer. Schlecht geht es den Betrieben ihrer Ansicht nach dabei nicht, noch habe sich die Wirtschaftskrise in dieser Branche nicht bemerkbar gemacht. "Die Sattlerei war schon immer ein Nischengeschäft mit einem anspruchsvollen Kundenstamm, der gerne Geld ausgibt." Auch in Iris Amens Sattlerei-Betrieb in Düsseldorf ist von der Wirtschaftskrise nichts zu spüren. Vor fünf Jahren hat die 46-jährige Reitsport-Sattlerin ihren Laden auf 45 Quadratmetern eröffnet, heute hat sie fünf Angestellte - und die Arbeitsfläche hat sich verfünffacht.

Iris Amen und ihre Mitarbeiter reparieren bisweilen bis zu 20 Pferdesättel pro Woche, erledigen aber auch fast alle Lederarbeiten, die man sich vorstellen kann. Von der Matratzentasche über eine Hunde-Motorradtasche, eine Wasserschlauchtasche für die Feuerwehr, Keilriemen für Bäckereimaschinen, Pistolenhalfter, Messerscheiden bis zu Hosenträgern oder Hundeshalsbändern mit Strasssteinen wird hier alles angefertigt. "Die Leute kommen manchmal mit den verrücktesten Ideen zu uns, das ist das Spannende an unserem Beruf", erzählt Iris Amen. Selbst ein Mini-Sattel für einen ausgestopften Fuchs und ein Ringelschwanz für ein kleines Lederschwein standen schon auf dem Wunschzettel ihrer Kunden.

Drei angehende Sattler bildet Iris Amen aus - als einer der wenigen Betriebe in Deutschland. Generell sei die Bereitschaft dazu derzeit nicht besonders hoch, sagt Christiane Reuter vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. "Die Nachfrage gerade im Reitsportsattler-Bereich ist sehr hoch, leider haben wir nicht genügend Ausbildungsplätze." Viele Betriebe scheuten das Risiko und die damit verbundenen Ausbildungskosten. Rund 390 Auszubildende erlernen derzeit bundesweit diesen Beruf.

Die Voraussetzung dafür ist neben einem gewissen Maß an Kreativität und handwerklichem Geschick vor allem der Spaß am Werkstoff Leder. "Man darf nicht zimperlich sein und sollte gerne mit Leder umgehen. Außerdem gehört auch körperliche Kraft dazu, immerhin ist das Material recht schwer", so Christiane Reuter. Und wer sich für die Reitsport-Sattlerei entscheide, sollte eine große Liebe zu Pferden mitbringen. Schließlich müsse jeder Sattel perfekt sitzen, um dem Tier keine Druckstellen und dadurch Schmerzen zu bereiten. "Wer sich für diesen Beruf entscheidet, hat aber in jedem Bereich eine unglaublich hohe Vielfalt und Abwechslung", sagt Reuter.

Informationen: Zentralverband Raum und Ausstattung/Bundesinnungsverband für das Raumausstatter- und das Sattler- und Feintäschner-Handwerk, Burgstraße 81, 53177 Bonn; Telefon: 0228/367 9 00.

Plattform für Raumausstatter und Sattler: www.zvr-info.de

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