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Wandern bei Königsbrunn: Rund um die Königsbrunner Heide

Wandern bei Königsbrunn: Ziel der Wanderung ist die Königsbrunner Heide.
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Wandern bei Königsbrunn: Ziel der Wanderung ist die Königsbrunner Heide.
Foto: Bastian Sünkel

Wenn im Frühsommer die Sumpf-Gladiolen blühen, erstreckt sich am Stadtrand ein Naturparadies, das beim Wandern entdeckt werden kann. Ein Besuch zwischen Seen und Wildtieren lohnt sich aber zu jeder Zeit für eine Wanderung.

Ein kurzes „Schade“ entfährt einem der Wanderfreunde Untermeitingen am Ende dann doch. Keine Frage, die Königsbrunner Heide ist in all ihren Facetten faszinierend. „Schade“ nur, – einzig und allein aus dem Grund – weil die Landschaft in den letzten Augusttagen lediglich einen Teil ihrer atemberaubenden Tier- und Pflanzenvielfalt preisgibt, während an die Pracht des Frühsommers nur noch ein paar umherschwirrende Bläulinge, vereinzelte Graslilien und verblühte Gladiolen erinnern. Herbstboten.

Wandertour: Die Heide blüht von Frühjahr bis in den Spätsommer

Ende Juni, Anfang Juli sei die beste Zeit, um der Heide einen Besuch abzustatten. Zu der Zeit, wenn die Sumpf-Gladiolen in voller Blüte stehen, erklärt Herbert Krispenz, der unter seinen Wanderfreunden als der Blumenexperte gilt. Die Heide wandelt sich übers Jahr: von Frühblühern im April, Frühlings-Enzian und Veilchen, bis in den August, wenn Hauhechel und Stendelwurz in den matten Sonnenstrahlen dem ehemaligen Flussbereich des Lechs Farbe verleihen. Die Heide wächst auf Schottergrund. Bis vor 2000 Jahren floss dort der Lech, der sich im Laufe der Zeit nach Osten verlagerte. Am Rand der Heide verläuft ein schmaler Trampelpfad. An einigen Stellen führen weitere Wege tiefer in die Heide hinein, die durch Holzschranken jäh beendet werden. Nicht ohne Grund.

Auch beim Wandern muss die Natur geschützt werden

Krispenz, der die Heide häufig besucht, beklagt sich über das Problem, dass der ein oder andere Besucher die Heide nicht als empfindliches Naturschutzgebiet mit seltener Flora und Fauna betrachtet, sondern für eine Abkürzung oder einen Schnappschuss vom Pfad abweicht. „Sind erst ein paar Gräser und Pflanzen platt getreten, meint der nächste Wanderer direkt einen neuen Weg zu erkennen und läuft auch hinein.“ Sicher, die Holzabsperrungen wirken ein wenig wie Fremdkörper in der sonst unberührten Heide, doch eine andere Lösung hat sich bislang nicht gefunden.

Rotwild zur rechten Seite, Pferde zur linken

Bevor der Weg an die zentrale Königsbrunner Heide führt, kommt die Wandergruppe – links bei der ersten Gabelung – an den Freigehegen der Wildtiere vorbei. Rotwild zur rechten Seite, ein tierischer Zungenbrecher zur linken: „Przewalski-Pferde“ steht auf einer Tafel, benannt nach dem russischen Expeditionsreisenden ­Nikolai Michailowitsch Prschewalski. Aus Zentralasien brachte der Forscher die letzte Wildpferdart mit nach Europa. Die Königsbrunner Przewalskis bewohnen in einem 13 und einem 15 Hektar großen Gehege den Kiefernwald. Die Tiere beweiden das Gebiet von der Hasenheide zum Augsburger Stadtwald, was beiden nutzt: den Pferden, weil sie im 20. Jahrhundert in freier Wildbahn ­ausgestorben waren und sich so in ­einem Gebiet verbreiten können, in dem sie genug Nahrung finden und nicht von äußeren Feinden bedroht werden. Dem Naturschutzgebiet, weil es damit auf natürliche Weise beweidet wird.

Weiter geht es zum Lochbach

Vorbei an den Gehegen gelangt die Wandergruppe am Waldrand an den Lochbach, der geradlinig Richtung Wiesenflächen nordwärts fließt. Streng genommen ist der Lochbach kein Bach, sondern ein Kanal, der links des Lechs abgeleitet wurde und nach neun Kilometern in die anderen Kanäle, später in der Wolfzahnau wieder im Fluss mündet. Mit dem Feldweg zur Linken kehrt die Wandergruppe dem Lochbach den Rücken zu und gelangt nach wenigen Hundert Metern an die Baggerseen zwischen Königsbrunn und Haunstetten. Der Unterschied zwischen den Seen ist offensichtlich. Lautersee im Norden: umzäunt und ohne Badebetrieb. Ilsesee im Süden: Liegewiesen, Taucherbereiche, Kiosk mit Biergarten, Schwäne und Enten am Kieselstrand.

Die Wanderung endet bei der Königsbrunner Heide

Weiter Richtung Süden beginnt nach einem kurzen Fußweg an der spröden Heidelandschaft vorbei erneut der Kiefernwald. Hinter Lichtungen und wild wuchernden Grasflächen gelangt man schlussendlich in einer scharfen Linkskurve auf den Trampelpfad an die Königsbrunner Heide. Wer diesen Rundweg zum ersten Mal besucht, dem wird sicher kein „Schade“ über die Lippen kommen. Das ist den Ortskundigen vorbehalten, die in ihrer Königsbrunner Heide dem Sommer beim Abschiednehmen zusehen.