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Wandern in Kissing: Heimat des bayerischen Sozialrebellen

Wandern bei Kissing: Wilderer, Räuberhauptmann, Volksheld – der bayerische Hiasl gleicht einem deutschen „Robin Hood”. Seiner Geschichte wird auf der Wanderung ein Denkmal gesetzt.
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Wandern bei Kissing: Wilderer, Räuberhauptmann, Volksheld – der bayerische Hiasl gleicht einem deutschen „Robin Hood”. Seiner Geschichte wird auf der Wanderung ein Denkmal gesetzt.
Foto: Anton Schlickenrieder

In Kissing wandern Wanderer auf den Spuren eines echten Räuberhauptmanns. Die Wanderung führt über einen Gutshof und durch die Wälder.

Er war eine der bekanntesten Personen im Herzen Bayerns, bei der Obrigkeit verfemt, von der einfachen Bevölkerung aber verehrt: Mattheus Klostermair, der Bayerische Hiasl. Dem Kissinger (1736 – 1771) stand die Karriere als kurfürstlicher Jäger offen, er aber blieb ein vom Freiheitsdrang Getriebener. Die von ihm gelenkte Räuberbande hatte am Ende acht Landfriedensbrüche und neun Totschläge auf dem Kerbholz – genug für Klostermairs Gefangennahme in Osterzell und die Hinrichtung am 6. September 1771 in Dillingen.

Foto: Anton Schlickenrieder

Wanderung in Kissing: Auf den Spuren der Räuber

Alt-Kissing sieht in seiner Struktur heute nicht viel anders aus als zu dessen Zeit. Wo der Brentan-Hof stand, seine Heimat, findet sich eine Erinnerungstafel an der Wand des Nachfolgerhauses. Die zum Gut Mergenthau, dem damaligen Jesuitenschlösschen, gehörigen Wälder und Fluren sind immer noch groß. Was liegt näher, als sich hier zu Fuß auf den Weg zu machen? Noch dazu, weil auch der Hiasl selbst oft und enorm weit unterwegs war mit seinem fürchterlichen Hund Tyras, der aus der Putzmühle stammt.

Auf unserer Runde, die im beschaulichen Paartal beginnt, erreichen wir bald den auf der Lechleite thronenden Gutshof. Es lohnt sich, einen kurzen Blick in die Gärten und den Innenhof von Mergenthau zu werfen, das in Privatbesitz ist. Gutsherrin Monika Fottner ist aber ein großer Förderer des Hiasl-Gedenkens, stellt sie doch ihre Tenne für das interaktive Museum zur Verfügung, das von Mai bis Oktober an Wochenenden besucht werden kann. Von daher empfiehlt es sich, die Tour dorthin oder auf einen Feiertag zu legen. Die Mitglieder des Historischen Fördervereins Bayerischer Hiasl, die ehrenamtlich die Gedenkstätte betreiben, sind gerne bereit, Besucher zu instruieren. Man kann als Gruppe aber auch gegen einen kleinen Obolus anderntags eine separate Führung vereinbaren.

Vom Gutshof wandern Sie Richtung Wälder

Nach dem Verlassen des Gutsgeländes geht es in die Wälder, als deren Fürst der Bayerische Hiasl auch bezeichnet wurde. Hier hat er den Bauern geholfen, denen das Wild die Ernte weg fraß. Es gab zu viele Hirsche im Lechfeld und ungezählte Wildschweine im nahen Heilachwald, wie Dr. Waldemar Nowey in seinem Buch über den Bayerischen Hiasl schreibt. Dieser Leidensdruck ist heute nicht mehr gegeben, der Forst strahlt eine tiefe Ruhe aus. Klostermair war ein exzellenter Schütze und war sich auch dessen bewusst. Dass der Übermut in jungen Jahren einen Menschen um seine Zukunft bringen kann, musste er bitter erfahren: Weil er den Jesuitenpater Venantius, der eigentlich einen Hasen schießen wollte, im Fasching als „Katzenschützen“ bezeichnete, musste er seinen Job als Jagdgehilfe aufgeben.

Weiter von Osten Richtung Kissing

Zum Gutshof gehörte früher auch der Seewieshof, den wir links liegen lassen. Wer von Osten her wieder Richtung Kissing geht, dem kommt bald St. Stephan in den Blick. Die Wehrkirche trug noch in den 1960er-Jahren einen vergoldeten Wetterhahn, der genau am Auge ein Einschussloch hatte, das der Sage nach noch vom Hiasl stammte. Den schönsten Blick auf das Dorf Alt-Kissing hat man, wenn man den kurzen Stich abseits unserer Wanderroute hinauf zur Wasserreserve bewältigt. An Föhntagen wiederum ist von dort aus ein überwältigendes Alpenpanorama der Lohn. Man kann sich gut vorstellen, dass es den Kissinger Wilderer in die Ferne zog, als ihm der Boden in der Heimat zu heiß wurde. Und Verrat war eine Gefahr, die ihm immer drohte.

Wandertour auf den Spuren einer "dramatischen Gestalt"

Wir machen uns auf den Weg zur Stätte, an der sein Geburtshaus stand. Dabei kommen wir an einem Denkmal vorbei, das sich die Kissinger zu der Zeit leisteten, als die Verherrlichung eines Räubers und Mörders nicht mehr komplett undenkbar war. Damals gründete sich auch der Historische Förderverein. Und Klostermair war und bleibt der bekannteste Sohn der Gemeinde. Es gibt unter anderem eine ganze Reihe an Theaterstücken, in denen sein Leben und Wirken verarbeitet wurde. „Die dramatische Gestalt des Bayrischen Hiasl übte einen nicht unbedeutenden Einfluss auch auf die Schauspielkunst an sich aus“, schreibt Nowey.

Wer will, kann von der Hauptstraße abzweigend die Lechleite hoch zum Burgstall (Baujahr 1681) erklimmen. Dieser wiederum ist zweifelsohne Kissings bekanntestes Gebäude – vorher stand hier dem Heimatbuch nach der Turmhügel (die Hochmotte) der Herren zu Kissing, umgeben von einer Ringmauer mit vier Ecktürmen.