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Wandern in Roggenburg: Bei Orgelpfeifen und Bibern

Auf der Wanderung bei Roggenburg gibt es beim Wandern viel zu sehen - und zu hören.
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Auf der Wanderung bei Roggenburg gibt es beim Wandern viel zu sehen - und zu hören.
Foto: Sabrina Schatz

Bei der Wandertour in Roggenburg sollte man die Ohren spitzen, denn beim Wandern gibt es nicht nur viel zu sehen, sondern auch zu hören.

Immer der Nase nach – dieser Ratschlag mag sich oft bewähren, nicht aber in Roggenburg. Dort sollte man vielmehr seinen Ohren folgen. Denn bei der „Lausch- Tour“, die rund fünf Kilometer durch die dortige Klosterlandschaft führt, weisen Töne, Geräusche und Musik den Weg. Wanderer können sich am Zentrum für Familie, Umwelt und Kultur im Kloster Roggenburg iPods und Lautsprecher abholen. Alternativ gibt es eine kostenlose App zum Herunterladen.

Wandern in Roggenburg: Die Wandertour ist etwas für Augen und Ohren

Mit dieser Ausstattung geht es zur Rokoko-Klosterkirche. Ein Knopfdruck reicht und 4000 Orgelpfeifen erklingen. Zumindest via Lautsprecher. Der Kirchenmusiker Pater Stefan Kling stellt an dieser Lausch-Station sein Können unter Beweis und erklärt, was es mit der „großen Roggenburgerin“ und den Seitenaltären auf sich hat. Jene können im Anschluss eigens bestaunt werden – aber Psst! In der Kirche sollte man den iPod ausschalten und die Stille wirken lassen. Für einen Moment sind dann nur die Schritte auf dem Steinboden zu hören oder die Holzbänke, die beim Hinsetzen knarzen. Wieder im Freien geht es zum Brunnen im Innenhof des Klosters. Dort erzählt ein Prämonstratenser-Chorherr, unterlegt von Chorälen, von seiner Berufung und wieso er Jeans statt Kutte trägt. Das imposante Kloster im Rücken, erreichen die Wanderer über den Abt-Lienhardt-Weg ein Waldstück. Ein bellender Hund und ein knatterndes Auto scheinen plötzlich ganz fern zu sein. Ein Windhauch rauscht durch die Blätter. Die Stille wirkt beinahe gespenstisch – zumal der Lausch-Tour-Reporter verrät, dass in dem Wäldchen „Untote“ vor sich hin rotten. Dörte Fischer, Umweltpädagogin in Roggenburg, klärt dieses Mysterium auf: Bei den Untoten handele es sich um Totholz – einem Lebensraum für Larven oder Fledermäuse. Ansehnlicher als die morschen Stämme sind die Buschwindröschen, die am Wegrand sprießen und die Wanderer zum Roggenburger Weiher geleiten.

Bei der Wanderung laden eine Liegewiese mit Sonnensteg und ein Restaurant zum Verweilen ein

An den nächsten beiden Lausch-Stationen erfahren die Wanderer, dass Karpfen Sonnenbrand bekommen können und dass Mönche einst Biberschwänze gegessen haben. Die Spuren der Nager, die unter Naturschutz stehen, kann man manchmal am Ufer der Weiher entdecken. Und wenn nicht, dann zumindest viele Wasservögel. Nach einem Feldweg und kurzen Anstieg in den Wald hinein erscheint die Wannenkapelle „Maria Hilf“, die seit dem 17. Jahrhundert Wallfahrer anzieht. Damals, während des Dreißigjährigen Krieges, habe die Gottesmutter einen Pater vor dem Tod am Strick bewahrt – so liest es Archivar Lothar Mareis aus der Chronik vor. Heute erinnern Rosenkränze und Marienfiguren in der schlichten, aber schmucken Kapelle an die Begebenheit. Auf dem Weg zurück bietet sich den Wanderern ein Ausblick über einen Teil der gelaufenen Strecke. In der Ferne lugen die zwei Kirchtürme des Klosters über die Baumwipfel. „All das hat einmal den Chorherren gehört“, weiß der iPod. Bis Napoleon um 1800 die Klöster aufgelöst und den Besitz an Freunde verschenkt habe. Aus dem Kloster sei ein Gericht geworden, später ein Gefängnis. Erst in den 80ern seien die Chorherren wieder eingezogen. Vorbei am historischen Radhaus, führt eine Steige zurück zum Kloster. Der letzte Stopp ist eine Streuobstwiese, auf der etwa 150 Obstbäume wachsen. Zum Abschluss gibt die Natur ein Konzert zum Besten: Grillen zirpen, Kies knirscht unter den Schuhsohlen und irgendwo zwitschert ein Vogel.