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07.10.2019

Co-Living-WGs: 720 Euro für 15 Quadratmeter

Video: dpa

Co-Living-Spaces bieten nicht nur WG-Charme, sondern auch einen Hauch von Hotelkomfort. Sie werden als hipp und modern beworben. Doch für viele sind sie unbezahlbar. Kritiker befürchten eine Ausnutzung der Wohnungsnot.

Berlin, 07.10.19: In der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs entsteht eine neue Premium-WG. Die zukünftigen Bewohner erwartet ein bereits mit schicken Möbeln ausgestattetes Apartment. Der Anbieter "Medici Living" nennt es Co-Living-Space und hat das lukrative Geschäft mit den möblierten Zimmern für sich entdeckt. O-Ton Björn Welter, Chief Branding Officer "Unsere Members, so nennen wir sie, bei uns sind sie keine Mieter, sondern Members, kommen wirklich nur mit ihrem Koffer. Und alles andere ist für sie da, von Matratze, über Bett, bis hin zu Bettwäsche." 550 bis 720 Euro kostet der Spaß pro Monat. Im Preis enthalten ist ein 10 bis 15 Quadratmeter großes, eigenes Schlafzimmer, sowie mehrere Räume für alle Bewohner, wie eine voll ausgestattete Küche, Badezimmer und ein großes Wohnzimmer. Aber warum ist ein Zimmer hier trotz Mietpreisbremse so teuer? Ein Detail macht es möglich: Die im Mietspiegel angegebene Vergleichsmiete ist nämlich irrelevant, wenn die Wohnung möbliert vermietet wird. Außerdem verlangt der Anbieter statt einer Miete einen Mitgliedsbeitrag. In dem sind auch Reparaturen, Einrichtungsgegenstände und gemeinsame Treffen mit inbegriffen. O-Ton Volker Binnenboese, Senior Specialist PR "Es gibt wöchentliche Events für die Community. Die sind auch mit drin in der Miete. Außerdem sind enthalten: Heizung, Strom, GEZ." In manchen Quartieren gibt es sogar eine Bar oder Co-Working-Spaces. Das Angebot richtet sich vor allem an Studenten und junge Berufstätige, die meist neu in der Stadt sind. Eine Schufa-Bescheinigung braucht man nicht. Aber auch das hat seinen Preis. O-Ton Björn Welter, Chief Branding Officer "Das einzige, was wir von den Mietern, unseren Members verlangen, als Sicherheit, sind anderthalb bis zwei Monatsmieten Kaution. Aber weder Schufa, noch Mietschuldenfreiheitsbescheinigung, weil genau das der Punkt ist, dass viele Leute aus dem Ausland hier herkommen." Wer also das nötige Kleingeld hat, kann hier relativ unkompliziert einziehen. Wer allerdings die Spülmaschine ausräumen oder den Müll runterbringen soll, diese Entscheidung müssen die Bewohner unter sich ausmachen, wie bei jeder anderen WG auch.

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