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20.09.2019

"Dit vergisst man nich" - Mit Musik Erinnerungen wecken

Video: dpa

In Deutschland nimmt die Zahl der Menschen, die an Demenz leiden, zu. Obwohl die Erkrankten mehr und mehr vergessen, kann Musik bestimmte Erinnerungen wieder wecken - zumindest für einen Moment.

Berlin, 20.09.19: Der Schlüssel ist verlegt, die Brille nicht mehr auffindbar.Wir alle kennen das. Was aber, wenn wir uns nicht mehr an den Namen unseres Partners oder den unserer Kinder erinnern? In der Musik sehen Neurologen und Therapeuten einen Weg, vergessene Erinnerungen wieder zu erwecken und gleichzeitig ein gutes, vertrautes Gefühl zu schaffen. In dem offenen Gemeinschaftsraum einer Demenz-WG in Berlin-Neukölln hat sich eine Gruppe um Rentnerin Almute Hohensee gemeinsam mit Musiktherapeutin Julia Pohl an den Tisch gesetzt. Zusammen singen sie altbekannte Lieder. Almute gefallen die musikalischen Einlagen: O-TON Almute Hohensee, leidet an Demenz "Ist eigentlich immer sehr gut. Man kann nicht klagen." Für Pohl ist die Musik ein Schlüssel zu bestimmten Ereignissen der Vergangenheit und das merke man auch. O-TON Julia Pohl, Musiktherapeutin "Die Bewohner nehmen sich untereinander mehr wahr, sie gucken sich vielleicht auch mal in die Augen. Und sie sind vielleicht auch überrascht: "Ach der andere kann ja auch sprechen!" Weil oft ist es so, dass viel geschwiegen wird." Nach Angaben der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft leiden in Deutschland derzeit 1,7 Millionen Menschen an Demenz. Bis zum Jahr 2050 soll die Zahl auf drei Millionen steigen. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Demenz. Bei der Krankheit lagern sich fehlgefaltete Proteine zwischen den Nervenzellen ab und schädigen das Gehirn. Der Hippocampus, also der Teil des Gehirns, der Erinnerungen abruft, ist von diesen sogenannten Plaqueablagerungen früh betroffen. Daher verlieren wir die Fähigkeit, je nach Stärke der Erkrankung, uns zu erinnern. Das Musikgedächtnis, also die Erinnerung an Musik, scheint vom Hippocampus weitestgehend unabhängig zu sein. Das fanden die Neurowissenschaftler Carsten Finke und ein Kollege von der Berliner Charité heraus. O-TON Carsten Finke, Neurowissenschaftler Charité "Die Regionen, die für das Musikgedächtnis zuständig sind, liegen außerhalb der üblichen Schädigungsmuster beim Morbus Alzheimer, bleiben also lange intakt. Das heißt, dass das Musikgedächtnis ist tatsächlich anders organisiert, als andere Gedächtnisinhalte." Almute Hohensee fällt es aufgrund ihrer Demenz oft schwer, sich zu erinnern. Nicht aber an die Musik - die bleibt. O-TON Almute Hohensee, leidet an Demenz "Kennt man doch von früher hier allet. Und dit vergisst man nich und verliert man auch nich"

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