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24.09.2019

Keine Party! Wer sagt denn das? - Neues Album von Deichkind

Video: dpa

Die Hamburger Gruppe Deichkind verbindet auch auf ihrem neuen Album Gesellschaftskritik mit Humor und Zeit für Hedonismus und macht sich für Algorithmenethik stark.

Berlin, 24.09.19: Drei Männer verkleidet mit weißen Masken, in weißen Anzügen auf denen "Wer Sagt Denn Das?" steht - anonym und gleichaussehend. Auf der anderen Seite ein Berliner Rapper, der seine berühmte Maske abgelegt hat. Die Hamburger Band Deichkind und der Rapper Sido gehören inzwischen zu den erfolgreichsten Vertretern der alten Schule des deutschen Hip-Hops - mit grundverschiedenen Herangehensweisen. Mit ihren Kostümen wollen Deichkind nach eigener Aussage eines der beherrschenden Themen ihres neuen Albums beleuchten. "Ich würde sagen, dass "Wer sagt denn das" der wichtigste Song auf dem Album ist", sagt Bandmitglied Henning Besser alias La Perla über das Stück, das namensgebend für das siebte Album der Gruppe ist. "Er versucht sich einem zentralen Themenkomplex der aktuellen Zeit zu nähern. Es geht um die Spaltung der Gesellschaft, Rechtspopulismus, einen durch verschiedene Länder ziehenden Rechtsruck." Viele Menschen seien nicht mehr zugänglich für Argumente, würden wissenschaftliche Studien ignorieren und befänden sich in einer Filterblase. Es würden wieder Dinge in Frage gestellt, "wo wir eigentlich denken: Die haben wir doch schon geklärt". Die einheitlichen Kostüme sollen dabei an den Chor aus dem Theater erinnern, so La Perla, "mehrere Protagonisten, die sozusagen alle im Gleichtakt die Sätze sprechen". Für ihre fantasievollen Bühnenshows und rauschhaften Konzerte sind Deichkind bekannt. Bei der neuen Tour werde man "mit Hintergründen, Bühnen, Kulisse, Requisiten, Performern, Kostümen, Choreographien und dem Publikum zusammen ein Gemälde" malen, sagt Besser. Musikalisch ist das auch auf "Wer Sagt Denn Das?" eine Mischung verschiedener Stile: Elektro, Punk, Hip-Hop, auch Reggae und Grime. "Hip-Hop ist immer ein tragendes Element von uns gewesen", sagt Sebastian Dürre alias Porky. "Das ist unser Sprach-Transportmittel." Doch andere Musikrichtungen gehören dazu. Sein Kollege Kryptik Joe führt fort, man habe sich ungefähr ab dem Jahr 2005 von der Hip-Hop-Szene abgenabelt. "Wir wollen uns eigentlich mehr mit Themen beschäftigen und nicht mit Musikgenres", sagt der Rapper, der bürgerlich Philipp Grütering heißt. Dabei verbinden Deichkind ihre Gesellschaftskritik wie immer auch mit viel Humor. Es geht neben Rechtspopulismus, Hass in Kommentarspalten und Filterblasen um weitere Auswüchse moderner Gesellschaften: Konsum, Streaming, autonomes Fahren und Hedonismus. Mit "Keine Party" nimmt sich die Band der Kritik an ihren WG-Party-Standards wie "Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)" an: "Auf Partys nehmen sie Drogen und sind später dann am reihern, normale Menschen liegen jetzt schon lange in der Heia". Im Video zu dem Song tanzt Schauspieler Lars Eidinger stampfend zum hämmernden Beat durch Berlin. Auch in zwei weiteren Videos tritt Eidinger auf. "Wir waren auf der Suche nach einem nagelneuen Band Maskottchen", witzelt Besser. "Da wir im Freundeskreis niemanden gefunden haben, haben wir die Suche erweitert." Als prominente Gäste auf dem Album sind unter anderem Bela B, Jan Böhmermann und Olli Schulz zu hören. Ein Zeichen, wie sehr Deichkind, aber auch deutscher Hip-Hop insgesamt im Mainstream angekommen. Da fühlt sich auch Sido schon länger wohl. Anders als Deichkind legt er mit "Ich und keine Maske", seinem achten Soloalbum, eine klassischere Hip-Hop-Platte vor.

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