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23.08.2019

dpa-Story: Alte Wunden, neue Ängste

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Sachsen und Brandenburg stehen vor einem entscheidenden Tag. Vor der Landtagswahl fährt die AfD hohe Umfragewerte ein, sie könnte stärkste Kraft werden. Was bewegt die Menschen im Osten, was bestimmt ihre Wahlentscheidungen mit? Eine Spurensuche in beiden Bundesländern.

Berlin, 21.08.19: O-Ton Klaus Zimmerling, Winzer "Wenn man etwas lange verschweigt, dann kocht es später hoch." Der Dresdner Winzer Klaus Zimmerling beschreibt einen Grund für die gärende Unzufriedenheit im Osten Deutschlands. "Es gibt auf jeden Fall Punkte, an denen es ungerecht gelaufen ist. Und das wurde natürlich verschwiegen." Und dieser Unmut könnte sich bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen in den Wahlergebnissen niederschlagen. Bundesweit liegt die AfD nach Umfragen aktuell um die 14 Prozent. In den beiden Ost-Ländern geben Wahlforscher ihr sogar Chancen, am 1. September zur stärksten Kraft zu werden. Christian Werner ist Spielzeugmacher im Erzgebirge. Er betont, der schnelle Sprung vom Sozialismus in den Kapitalismus 1989/90 sei nach wie vor ein prägendes Element der ostdeutschen Befindlichkeit. Christian Werner, Reifendreher "Das können die Leute im Westen nicht verstehen. Was bei denen über 40 Jahre systematisch gewachsen ist, war bei uns über Nacht da gewesen." Durch den Strukturwandel nach der Wende brachen Zehntausende Jobs weg. Der Kohleausstieg bewegt in Brandenburg jetzt wieder viele. Die Biologin Christina Grätz begrünt im Auftrag und mit dem Tagebaubetreiber Leag die Flächen. O-Ton Christina Grätz, Biologin und Unternehmerin: "Für viele Menschen kam ja so eine ungewisse Situation, man wusste nicht, was passieren wird. Und es ist eben doch eine ganz andere Gesellschaftsordnung gewesen. Vorher war alles vorbestimmt und alles klar." O-Ton Ulrich Gündel, Vogtländer Kartoffelbauer "Es wurde immer relativ einfach erklärt. Und die AfD erklärt ja auch relativ einfach, wie es langgehen könnte. Und für alle würde es gut werden. Bloß, ich kann mir das nicht vorstellen. Aber wer sich vielleicht nicht so sehr mit politischen Sachen beschäftigt, der sagt: Die haben recht." Trotz höherer Umfragewerte hält es Manuel Soubeyrand aber für falsch, die AfD-Sympathie auf den Osten zu reduzieren. O-Ton Manuel Soubeyrand, Intendant der Neuen Bühne Senftenberg "Ich finde, wenn in einem Bundesland wie Hessen 13 % oder Baden-Württemberg 15 % AfD-Anteil haben, nicht nur die Bevölkerungsdichte höher ist, also mehr Menschen das wählen, sondern es viel mehr Lebenssicherheit gibt mit viel mehr höherem Einkommen, frage ich mich das genauso. Ich glaube, es ist ein gesamtdeutsches, europäisches, und wenn ich bis Trump gucke, Weltproblem, wo es gefährlich ist, das auf den Osten zu reduzieren."

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