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Dillingen/Buttenwiesen

03.09.2014

4000 Euro Geldstrafe für eine Tierschützerin

Verantwortliche des Vereins Rüsselheim e.V. wegen Tierquälerei durch Unterlassung  vom Dillinger Amtsgericht verurteilt

Dillingen/Buttenwiesen Das ganze Spannungsfeld, in dem sich der Tierschutz heutzutage bewegt, zeigte der jüngste Prozess vor dem Amtsgericht Dillingen auf, in dem die Staatsanwaltschaft einer Vereinsvorsitzenden Tierquälerei durch Unterlassung vorwarf. Die 51-jährige Frau war beschuldigt worden, offensichtlich kranke und verletzte Schweine, die im Besitz des Vereins Rüsselheim oder in seiner Obhut waren, nicht rechtzeitig zur ärztlichen Behandlung gebracht oder aber eine aus medizinischer Sicht notwendige Euthanasie veranlasst zu haben.

Schweine aus Massentierhaltung freigekauft

Am zweiten Verhandlungstag, an dem die Vorsitzende Richterin Ursula Janosi weitere Zeugen hörte, wurde immer wieder deutlich, wie auch in den Reihen der Tierschützer im Verein Rüsselheim, der Schweine aus Massenhaltungen freikauft und auf eigene Kosten füttern und pflegen lässt, die Meinungen divergieren. Unter den zahlreichen Zuhörern befanden sich viele Vereinsmitglieder, die das Verhalten der Vorsitzenden von Rüsselheim e.V. offensichtlich nicht so kritisch sehen wie mehrere Gründungsmitglieder, die im Zeugenstand der ersten Frau von Rüsselheim e.V. große Versäumnisse und gar Tierquälerei durch Unterlassen von rechtzeitiger Hilfe für verletzte Schweine vorwarfen.

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Die 51-jährige Vertriebsmanagerin, die sich selbst als leidenschaftliche und engagierte Tierschützerin bezeichnet und nun vor Gericht landete, sah sich im Verlauf des Prozesses keiner Schuld bewusst. Sie arbeite nicht für diese Idee, „Schweinen ein Gesicht zu geben und sie davor zu bewahren auf dem Teller zu landen“, um sie dann zu quälen, begründete die Angeklagte ihre Haltung zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft.

Gehört wurde vom Gericht auch der Landwirt aus Buttenwiesen, auf dessen Hof vom Verein Rüsselheim Schweine gepflegt und unterhalten wurden, die nicht mehr zu seinem persönlichen Bestand gehörten und „freigekauft“ worden waren. Es sei ein gutes Miteinander gewesen, bestätigte der Landwirt im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der Vereinsverantwortlichen. Der Viehhalter hatte selbst auch einen Strafbefehl vom Gericht wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz bekommen und ihn unwidersprochen akzeptiert gehabt. „Obwohl ich mir eigentlich keiner Schuld bewusst war“, so der Bauer. Wie der Zeuge zugab, sei sogar eine Tierarztrechnung für zwei eigene Schweine, die er habe zur Euthanasie bringen müssen, vom Verein Rüsselheim bezahlt worden.

Verständigungsgespräch scheitert

Ein Verständigungsgespräch zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung scheiterte, weil, wie Richterin Janosi feststellte, kein übereinstimmendes Ergebnis erzielt werden konnte. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde jedoch vom Gericht ein Anklagepunkt fallengelassen. Es war dabei um den Vorwurf einer nicht rechtzeitigen Behandlung für ein Tier im Unterbringungsstall in Buttenwiesen gegangen.

Staatsanwältin Keilbach ging in ihrem Plädoyer nicht davon aus, die Angeklagte habe etwas aus Spaß heraus getan, um Tiere Leiden zu verursachen. Das ändere jedoch nichts daran, dass Tiere tatsächlich unnötig lange erheblich gelitten hätten. Die Vereinsvorsitzende habe teilweise zu lange zugewartet ohne die notwendigen Maßnahmen einzuleiten, kritisierte die Anklagevertretung, die von „Tierquälerei durch Unterlassung“ sprach. Es sei auch nachweislich tierärztlichem Rat nicht gefolgt worden. Die Staatsanwaltschaft forderte eine hohe Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu je einhundert Euro.

Die beiden Verteidiger der Angeklagten erinnerten in ihren Plädoyers an die Verdienste der Angeklagten um eine besondere Form des Tierschutzes. In diesem Bereich seien allerdings die Auffassungen oftmals unterschiedlich und auch emotionsbeladen. Die Forderungen der Staatsanwaltschaft im Hinblick auf das Strafmaß nannte die Verteidigung „problematisch“. Hier könnten ehrenamtlich engagierte Menschen vor den Kopf gestoßen und von verantwortlichem Engagement abgehalten werden. Die Verteidiger forderten einen Freispruch in allen drei noch angeklagten Fällen.

Richterin Ursula Janosi verhängte dann 4000 Euro Geldstrafe. Es sei nicht alles von dem, was die Angeklagte veranlasst oder nicht veranlasst habe, strafrechtlich relevant gewesen und man könne auch nicht sagen, dass sie rundweg falsch gehandelt habe, erklärte die Richterin. „Es waren Unterlassungsdelikte und kein aktives Tun“. Doch über das hinaus, was strafrechtlich habe geahndet werden müssen, solle die Verurteilte darüber nachdenken, ob nicht ihre „manchmal überhebliche Art“ zu den Zerwürfnissen unter den Tierschützern führte und damit die „gemeinsamen Ziele“ aus dem Blickwinkel verschwanden.

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