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31.08.2020

Als es in Wertingen noch einen Schäffler gab

Eines der großen dicken Eichenfässer aus dem Nachlass des letzten Wertinger Schäfflers Hans Magg ist verziert mit der Ansicht der Stadtpfarrkirche St. Martin. Das Fass aus dem Jahre 1954 ist im Wertinger Heimatmuseum ausgestellt.
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Eines der großen dicken Eichenfässer aus dem Nachlass des letzten Wertinger Schäfflers Hans Magg ist verziert mit der Ansicht der Stadtpfarrkirche St. Martin. Das Fass aus dem Jahre 1954 ist im Wertinger Heimatmuseum ausgestellt.

Ein altes Eichenfass lässt viele Erinnerungen an die Weinstube Magg aufkommen.

Die älteren Wertinger erinnern sich daran: Ab September war alljährlich die Zeit, in der sich in der Augsburger Straße auf der rechten Straßenspur stadtauswärts die Traktoren und Autos mit ihren Anhängern voll Äpfel stauten. Man stand Schlange vor der Weinstube Magg in der Augsburger Straße 15. Hier gab es eine Obstpresse, und man konnte vom eigenen Obst den Saft pressen lassen. Daheim kochte man ihn ab, füllte ihn in Flaschen oder setzte ihn als Most im Gärballon an.

Gegenüber der Presse betrieb die Familie eine Weinstube. In ihr gab es neben Wein, Most und anderen Getränken auch Kleinigkeiten zu essen. Legendär waren die Gulaschsuppe und das Schaschlik mit Reis.

Der letzte Fassmacher in Wertingen

Hans Magg war von Beruf Schäffler (vgl. „Schaff“), er stellte Fässer her. Im Norden ist hierfür die Berufsbezeichnung Böttcher (vgl. „Bütte“, „Bottich“) üblich. Magg war der letzte Fassmacher in Wertingen.

Der Beruf ist inzwischen zumindest in unserer Gegend so gut wie ausgestorben. Früher gehörte dieses Handwerk zu den Grundberufen wie beispielsweise auch der Wagner, Schmied, Maurer, Maler, Schuster, Uhrmacher und Brauer. Die Schäfflertänze in Dinkelscherben oder München zeugen heute noch davon.

Als Hans Magg am 27. Februar des Jahres 1978 stirbt, stirbt mit ihm auch das Schäffler-Handwerk in Wertingen. Er wurde am 7. April 1930 in Wertingen geboren, erlernte das Schäffler-Handwerk und übernahm den väterlichen Betrieb in dritter Generation, wie Stadtarchivar Dr. Johannes Mordstein weiß.

Doppeltüre in Privathaus eingebaut

2015 wurde das Gebäude abgerissen, ein neues Wohnhaus entstand. Die von Hans Magg mit Schnitzereien versehene Doppeltüre an der Mosterei wurde in ein Privathaus in Geratshofen eingebaut. Einige der von ihm hergestellten Fässer fanden den Weg ins Heimatmuseum.

Nach Auskunft des Wertinger ehemaligen zweiten Bürgermeisters und Heimatforschers Alfred Sigg besaß Magg auch das Brennrecht. So stellte er einen Obstler aus Äpfeln und Birnen her, ebenso wie ein Zwetschgenwasser. Ansonsten widmete Magg sich den Fässern. So stellte der Schäfflermeister mannshohe Fässer für den Eigenbedarf, aber auch für die örtliche Obstverwertung „Nowa“ her. In ihnen wurde beispielsweise die Maische angesetzt und aufbewahrt, bis sie zum Brennen bereit war. Aber auch der fertige, verkaufsbereite Most lagerte in den Fässern.

Werkzeuge im Heimatmuseum Wertingen

Neben einigen Fässern besitzt das Heimatmuseum einen Legel aus der Maggschen Produktion. Ein Legel ist ein kleines Holzfass mit Henkel, das zum Transport von Apfelmost, ersatzweise auch von Wasser, auf das Feld diente. Er war unter dem Fuhrwerk aufgehängt.

Außerdem übernahm das Heimatmuseum verschiedene Fassmacher-Werkzeuge aus der Schäfflerwerkstatt. Der Meisterbrief und das Meisterstück aus dem Jahr 1955 sind im Heimatmuseum nebeneinander platziert.

Das Meisterstück besteht aus einem großen Eichenfass und zeigt das geschnitzte Zunftwappen der Schäffler. Maggs Eichenfass von 1954, ebenfalls mit besonderer Schnitzerei, ist Objekt des Monats September: An der geraden Seite des Fasses findet sich in einem Wappen eine Ansicht der Wertinger Stadtpfarrkirche St. Martin.

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