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Dillingen

29.03.2019

Angst vor einem Waldsterben 2.0 im Landkreis Dillingen

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Wie geht es unserem Wald? Daten und Zahlen stellte die Forstbetriebsgemeinschaft Dillingen bei ihrer Mitgliederversammlung vor.
Bild: Julian Leitensdorfer

Die Forstbetriebsgemeinschaft Dillingen stellt die Zahlen für 2018 vor und warnt.

„Auch 2018 konnte die Forstbetriebsgemeinschaft Dillingen (FBG) die Waldbesitzer bei der Bewältigung von Schäden durch Naturereignisse unterstützen“, sagte der Vorsitzende Alwin Hieber bei der Begrüßung im vollen Vereinszentrum in Holzheim anlässlich der Mitgliederversammlung der FBG. Auch einige Ehrengäste waren dabei.

Extrem trocken im Landkreis Dillingen

Im Landkreis waren auch die Wälder von der extremen Trockenheit und Sturmereignissen betroffen. Im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland und Bayern hielten sich die Schadholzmengen im Kreis Dillingen in Grenzen. „Die Preise für unsere Produkte aus dem Wald sind gesunken – eine Besserung ist derzeit nicht in Sicht“, fügte der Vorsitzende laut Pressemitteilung an. Wachsamkeit, Nachbarschaftshilfe und schnelles Handeln seien auch im laufenden Jahr geboten, damit die Schäden durch den Borkenkäfer begrenzt werden können. „Forstexperten befürchten schon ein aufgrund von Trockenheit und Borkenkäfer verursachtes Waldsterben 2.0“, so Hieber.

Für 20 Jahre Tätigkeit in der Geschäftsstelle der FBG wurde Laurenzia Sturm geehrt. Hieber bedankte sich im Namen der Waldbesitzer für ihre Arbeit und ihr Engagement.

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Zur Unterstützung der Waldbesitzer bei der Bekämpfung der Borkenkäfer-Plage wird sich das Amt in Wertingen mit einer zusätzlichen Fachkraft verstärken, sagte Marc Koch, Bereichsleiter Forsten. Auch er hielt die Waldbesitzer zu Aufmerksamkeit und raschen Handeln an, nur so könne ein großflächiges Absterben der Bäume aufgrund des Borkenkäfers vermieden werden. „Kontrollieren Sie mindestens alle vier Wochen die Fichtenbestände auf Befall. Dazu sind Sie aufgrund einer Verordnung der Regierung verpflichtet“, appellierte Koch. Der Holzmarkt für Fichtenstammholz sei schwierig und werde sich bis auf absehbare Zeit nicht bessern, beschrieb Christian Bliestle von der Holzvermarktungsgenossenschaft In Silva die Holzmarktlage. Es sei zu viel Schadholz auf dem Markt. „Die großen Sägewerke bedienen sich aus den Schadgebieten in Mittel- und Norddeutschland, aber auch Tschechien und Norditalien zu sehr günstigen Preisen. Deshalb sollte man sich mit dem Einschlag jetzt zurückhalten“, empfahl der Experte.

Landtagsabgeordneter Georg Winter und stellvertretender Landrat Alfred Schneid sicherten den Waldbesitzern und der FBG in ihren Grußworten weiterhin Unterstützung zur Bewältigung der Aufgaben in den kommenden Jahren zu.

Positive Entwicklung im Raum Dillingen

Eine positive Entwicklung konnte Geschäftsführer Johann Stuhlenmiller im Geschäftsbericht feststellen. „Über 46500 Festmeter (fm) Holz, davon etwa 12000 fm Schadholz, wurden im Jahr 2018 für die Mitglieder vermarktet. Dabei werden lokale und regionale Abnehmer und Sägewerke bevorzugt bedient“, so Stuhlenmiller. 1573 Waldbesitzer sind mit einer Waldfläche von 8750 Hektar Mitglied in der FBG. Die Zahl der durch die FBG in Form von Waldpflegeverträgen eigenverantwortlich verwalteten Waldflächen im Landkreis steigt ebenfalls an und hat die 1100 Hektar Grenze überschritten. Das Geschäftsjahr 2018 konnte mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen werden.

Die Bayerische Waldprinzessin Maria Sinning aus Hettlingen sagte, in einer Zeit, in der die Probleme des Waldes sehr groß sind und die Gesellschaft den Wald zunehmend als Naturraum für Erholung und Freizeitgestaltung nutzt, müssen sich alle Akteure – beginnend beim kleinen Waldbesitzer über die FBG bis hin zu den Verbänden einbringen.

„Die Branche Forst und Holz steht mit einem jährlichen Gesamtumsatz von 37 Milliarden an vierter Stelle in Bayern. Es gibt in dieser Branche fast 200000 Beschäftigte – und das vorwiegend im ländlichen Raum. In Bayern gibt es über 700000 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer“, sagte Ministerialrat Robert Morigl vom Staatsministerium die Bedeutung des Waldes und der Forstwirtschaft in Bayern. Die Zahlen stammten von einer Studie von 2015. Weltweit steige die Nachfrage nach Holz und Holzprodukten. 2015 wurden 1,9 Milliarden Kubikmeter Holz weltweit nachgefragt. Die Nachfrage steige jährlich um 300 Millionen Kubikmeter. Deutschland sei Waldland Nummer eins in Europa. Die Vorräte an Holz in den Wäldern seien im europäischen Vergleich mit über drei Milliarden Kubikmetern die höchsten in Europa.

Bayern reich an Holz

Bayern sei mit 978 Millionen Kubikmetern Holz mit Abstand das holzreichste Bundesland in Deutschland, mit fast so vielen Holzvorräten wie ganz Österreich. Die Holznutzung schwanke stark. Während in den Staats- und Kommunalwäldern eine gleichmäßige Holznutzung betrieben wird, ist die Nutzung im Privatwald sehr unterschiedlich. Potenziell könnten in Bayern 21 Millionen Kubikmeter Holz jedes Jahr genutzt werden. In den Jahren 2005 bis 2017 wurde nur zweimal das mögliche Potenzial ausgeschöpft. Die Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur 2015 ergaben: Bayerns Wälder werden älter, der Privatwald nutzt deutlich weniger Holz als jährlich nachwächst und die Mischbestände, vor allem die Laubholzbestände nehmen zu. Im Gegenzug dazu sinkt die Zahl der Holz verarbeitenden Betriebe, obwohl die Kapazität der Verarbeitung weiter steigt. Der Trend hin zu immer größeren Sägewerken wird sich fortsetzen. (pm)

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