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Wertingen

27.08.2015

Anton Trauner wieder in der Heimat

„Rund ums Wertinger Schloss, da hab ich als Bub gespielt, im ehemaligen Haus gegenüber dem Schloss bin ich geboren“, sagt Anton Trauner, katholischer Missionar in Korea. Bild: Stauch

Der Korea-Missionar besucht das Zusamtal.

Von Hertha Stauch

Wertingen/Busan Das Leben ist anstrengend, wenn man 92 Jahre alt ist. Trotzdem schafft es Anton Trauner jedes Jahr noch, sein Heimatstädtchen Wertingen zu besuchen. So auch jetzt wieder im August. Die weite Flugreise von der Millionenstadt Busan in Südkorea hat der Missionar der katholischen Kirche, der seit 1958 im fernen Osten lebt, gut überstanden. Das Gehen bereitet dem Senior inzwischen Schwierigkeiten, aber sein Geist ist noch rege und wach. Kein Wunder – Pater Anton Trauner ist ein Kirchenmann von Welt und hat in Südkorea Initiativen angestoßen, die Ihresgleichen suchen.

Unermüdlich ist sein Einsatz für ein wiedervereinigtes Korea: Seit 40 Jahren ruft er die Gläubigen jedes Jahr zum Gebet an der Grenze nach Nordkorea auf. Im religionsbegeisterten Südkorea kommen immer noch Hunderte zu diesem Ereignis. Zusammen mit Gleichgesinnten baute Trauer eine Kirche an der Grenze, ein unterirdisches Gotteshaus, in dem sich 500 Menschen versammeln können. Die jüngsten politischen Ereignisse in dem geteilten Land lassen erkennen, dass eine Wiedervereinigung in weiter Ferne liegt, meint Trauner. Der nordkoreanische Diktator Kim-il-sung (ewiger Präsident) hatte jüngst ernsthafte Drohungen ausgestoßen, als er forderte, dass die Südkoreaner ihre Propaganda-Parolen einstellen sollten. Per Lautsprecher versuchen die Südkoreaner an der Grenze Nachrichten nach Nordkorea zu übermitteln.

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„Nordkorea, das ist ein radikales unmenschliches System“, erklärt Trauner, „wenn die Amerikaner nicht in Südkroea wären, würde Nordkorea sofort einen Krieg beginnen“. Trauner gibt die Hoffnung dennoch nicht auf. Sorgen bereitet ihm, dass das Interesse an der Wiedervereinigung bei vielen jungen Südkoreanern nachlässt: „Die jungen Leute haben nicht mehr das Bewusstsein, dass sie ein Volk sind, das zusammengehört“. Südkorea sei ein Abbild der USA, berichtet Trauner: „Alles, was es in Amerika gibt, gibt es bei uns auch“.

Wie in den USA hätten in Südkorea die christlich orientierten Freikirchen viele Anhänger. „Da gibt es Riesenkirchen für 40000 Menschen“. Gläubigkeit bestimme das tägliche Leben: „In den Kirchen kommen die Menschen jeden Tag zum Morgengebet zusammen“. Auch der Katholizismus sei in dem religiös lebendigen Land weit verbreitet. „Als ich nach Südkorea kam waren es 300000 Katholiken, jetzt sind es vier Millionen“, berichtet der Geistliche, der als junger Missionspater von Wertingen nach Busan gekommen ist. Trauner war in den 50er Jahren einem Missionspater aus Sankt Ottilien nach Korea gefolgt, der in Wertingen zu Gast war. Die Benediktiner von Sankt Ottilien sind seit hundert Jahren in Korea aktiv, berichtet Trauner.

Im fernöstlichen Land gründete Trauner eine Schwesterngemeinschaft, der heute noch 30 Frauen angehören. Im Gegensatz zu früher bekämen die Frauen immer größere Bedeutung im Land, ist der Missionar von der Emanzipation der Koreanerinnen überzeugt. Auch die derzeitige Präsidentschaft des Landes hat eine Frau inne. Park Geun-hye ist das Staatsoberhaupt. Die Demokratie des Landes sei allerdings nicht so stark ausgeprägt wie in Deutschland, meint Trauner.

Für die Nachfolge des 92-Jährigen in stehen schon junge Priester bereit, die derzeit ihr Studium in Rom absolvieren. In Busan ist Anton Trauner ein anerkannter Mann - er ist Ehrenbürger der Vier-Millionenstadt.

In Wertingen besuchte er diesmal nicht nur seine Schulkameradin Finni Dieminger, sondern auch erstmals Bürgermeister Willy Lehmeier. Den Weg hinauf ins Schloss hat der Senior noch geschafft. „Rund ums Schloss, da hab ich als Bub gespielt, im ehemaligen Haus gegenüber dem Schloss bin ich geboren“. In Wertingen hält der Verein Missionshilfe Wertingen-Busan Kontakt zum Priester und unterstützt dessen Projekte. Am heutigen Freitag fliegt Trauner wieder zurück nach Korea. Im nächsten Jahr will er – so es seine Gesundheit zulässt – wieder nach Wertingen kommen.

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