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Wertingen

24.04.2019

Archivtreffen: Von wegen „verstaubt“!

Die Archivbetreuer bei der Fortbildung in Wertingen mit dem Wertinger Archivar Dr. Johannes Mordstein (rechts) und Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl.

Archive sind das Langzeitgedächtnis einer Gemeinde. In Wertingen treffen sich Betreuer. Dabei wird nicht nur vor der "administrativen Demenz" gewarnt.

Wer bei Archiven an verstaubte Akten denkt, unterliegt einem gewaltigen Irrtum. Dies wurde beim vierten Kurs für Archivbetreuer in Gemeinden, Märkten und Städten des Bezirks Schwaben in Wertingen deutlich. Auf Initiative des Wertinger Stadt-, Kreis- und Bezirksrats Dr. Johann Popp hatten das Staatsarchiv Augsburg, die Bezirksheimatpflege Schwaben und die Stadt Wertingen zu dieser Fortbildungsveranstaltung geladen, die auf eine sehr große Resonanz stieß.

Aus ganz Schwaben waren insgesamt 30 Teilnehmer angereist, von Wittislingen im Norden bis Sonthofen im Süden des Regierungsbezirks. Bürgermeister Willy Lehmeier begrüßte als Hausherr des Wertinger Schlosses die Gäste. Er bedankte sich insbesondere bei der VR-Bank Handels- und Gewerbebank eG für eine großzügige Spende, dank der die Fortbildung für die Teilnehmer kostenlos durchgeführt werden konnte, wodurch die Attraktivität des Angebots deutlich gesteigert wurde.

Das Archiv als Grundlage für eine effktive und sachgerechte Kommunalverwaltung

In ihren einführenden Referaten betonten die beiden Tagungsleiter Dr. Peter Fassl (Bezirksheimatpfleger Schwaben) und Dr. Thomas Engelke (Direktor des Staatsarchivs Augsburg) die herausragende Bedeutung von Archiven als „Gedächtnis“ der Kommunen. Ein funktionierendes Archiv vor Ort ist nach ihren Worten die unabdingbare Grundlage für eine effektive und sachgerechte Kommunalverwaltung. Überdies erfüllen Archive wichtige gesellschaftliche Funktionen, denn als „Häuser der Geschichte“ dokumentieren sie historische Entwicklungen von Städten, Märkten und Gemeinden. Archive sind somit reichhaltige Fundgruben für Verwaltungen, Familienforscher, Heimatkundler und Wissenschaftler.

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Zu Beginn des intensiven Tagungsprogramms führte Patrick Rieblinger (Staatsarchiv Augsburg) in die Grundlagen der Archivarbeit ein: Welche Arten von Archiven gibt es? Was sind ihre Aufgaben? Welche Maßnahmen müssen zur Bestandserhaltung ergriffen werden? Aus seinen Ausführungen wurde deutlich, dass es in Archiven keine verstaubten Akten geben darf, denn aus Gründen der Bestandssicherung muss das Archivgut in säurefreie Umschläge und Kartons verpackt werden, wo es vor schädlichen Faktoren wie Staub, Insekten und Licht geschützt ist.

Andreas Nestl (Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns in München) referierte über die komplexen rechtlichen Vorschriften, die in der Archivarbeit berücksichtigt werden müssen (z. B. Datenschutz, Urheberrecht). In einem viel diskutierten Vortrag beleuchtete Dr. Dominik Feldmann (Stadtarchiv Augsburg) ein Thema, das für Archive eine wichtige Aufgabe darstellt: Viele Verwaltungen arbeiten zunehmend mit digitalen Daten, deren Archivierung neue Herausforderungen mit sich bringt, denn die heute gängigen Dateiformate und Programme werden schon in wenigen Jahren nicht mehr benutzbar sein. Um zu verhindern, dass Kommunalverwaltungen in die Situation einer „administrativen Demenz“ verfallen, ist hier akuter Handlungsbedarf vorhanden.

Auch Flyer sind wichtig

Dr. Peter Fassl appellierte in seinem Referat an die Archivbetreuer, zeitgeschichtliche Dokumentationen aufzubauen. In einer sich schnell wandelnden Welt ist es wichtig, in einem Archiv aussagekräftige Unterlagen (Flyer, Plakate, Festschriften usw.) zu sammeln, die unsere heutige Zeit dokumentieren. Corinna Malek befasste sich mit dem wichtigen Thema der Inventarisierung, Konservierung und Archivierung von Fotos.

Auch hier spielt die digitale Welt wieder eine wichtige Rolle, denn der fachgerechte Umgang mit digitalen Fotografien ist aus der täglichen Archivarbeit nicht mehr wegzudenken.

Ein Rundgang durch die Räumlichkeiten des Stadtarchivs Wertingen unter Leitung von Anton Stehle und Dr. Johannes Mordstein schloss den Archivbetreuerkurs ab, über den sich alle Beteiligten einig waren, dass er in Zukunft regelmäßige Fortsetzungen erhalten soll. (pm)

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