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Wertingen

11.05.2020

Auch die Wertinger Reisebüros sitzen „mit im Boot“

Die Reisebüros bangen um ihre Existenz. Daher demonstrierten kürzlich auch Vertreter der Branche aus der Region in Augsburg.
Bild: Marion Buk-Kluger

Plus Damit das Boot nicht untergeht, wollen sich auch Wertinger Reisebüro-Inhaber Gehör verschaffen. Sie und andere im Kreis wünschen sich etwas von Urlaubern.

Die Tourismusbranche ist auch in Deutschland durch den Lockdown zum Erliegen gekommen. Nicht nur Hotellerie, Gastronomie, Campingplätze, Museen, Messen und Fluggesellschaften sind dadurch existenziell betroffen, sondern vor allem auch Reiseveranstalter und Reisebüros. Gerade für die klein und mittelständisch geprägte Reisebürostruktur reichen die Soforthilfen nicht aus, um das Überleben zu sichern. „Wir verkaufen die Reisen ja nicht, wir vermitteln sie, bekommen die Provision meist erst, wenn der Kunde den Urlaub angetreten hat“, sagt Stefanie Benaczek. Die Geschäftsführerin von „Reisetreff Point“ in Höchstädt und Dillingen fährt fort: „Wenn es zu Stornierungen kommt, wie derzeit durch die Corona-Pandemie, dann heißt das für uns: der Lohn der Arbeit fällt buchstäblich ins Wasser.“ Der Großteil der Buchungen werde von November bis Februar getätigt. Mit Beginn der Corona-Krise habe auch die Storno-Welle dieser bereits abgeschlossenen Reisen begonnen.

Telefonisch erreichbar

Die Reisefachfrau betont, dass sie natürlich ihre Kunden unterstützen, damit diese bei Umbuchungen oder kompletten Absagen sich jetzt nicht allein gelassen fühlen. „Wir möchten sie ja behalten“, sagt Benaczek. Doch genau das sei das Dilemma: Nicht nur der Lohn für bereits getane Arbeit entfällt, das aktuelle Geschäftsjahr ist im Grunde genommen fast komplett verloren. Das derzeitige Engagement der Reisebüro-Inhaber und ihrer Mitarbeiter erfolgt zudem ohne Entlohnung. „Wir bringen im Moment Geld mit, um arbeiten zu können.“ Provisionen werden allerdings nicht fällig oder müssen zurückbezahlt werden. „Obwohl wir gearbeitet haben!“

Stefanie Benaczek und ihre fünf Mitarbeiterinnen, zu denen auch eine Auszubildende zählt, sind telefonisch erreichbar. Eine Öffnung der beiden Büros ist momentan nicht finanzierbar. „Wir haben sehr tolle Vermieter, die uns entgegenkommen, aber so lange wir nicht wissen, wann es wieder eine Reisefreiheit gibt, wissen wir auch nicht, was wir anbieten können.“ Damit genau diese problematische Situation in den über zehntausend Reisebüros in Deutschland mit über 100000 Mitarbeitern nun auch verstärkt in der Öffentlichkeit wahr genommen wird, gab es kürzlich deutschlandweit Demonstrationen.

Mit 50 Mitstreitern in Augsburg

„Über jede andere Berufssparte wird derzeit viel berichtet und diskutiert, aber wir haben das Gefühl, dass es uns, die Reisebüros, gar nicht gibt, und das, obwohl in der Tourismusbranche über 2,9 Millionen Menschen in Deutschland tätig sind“, sagt Gerhard Hackenbuchner von HG-Reisen in Wertingen. Er hatte mit drei Kollegen aus Bayrisch-Schwaben die Demo mit 50 Mitstreitern auf dem Augsburger Rathausplatz organisiert, um die Forderungen der Reisebüros öffentlich zu machen. „Wir brauchen eine sofortige rückzahlungsfreie Finanzhilfe, eine Fondslösung für die anteilige Übernahme der entgangenen Provisionen für vermittelte und abgesagte Reisen.“ Eben einen Rettungsschirm, der sie vor dem Schlimmsten bewahre sowie eine Unterstützung durch Bezahlung von Reisebüroinhabern analog zum Kurzarbeitergeld für Arbeitnehmer. Zudem sollte diese rückwirkend erhöht werden. „Denn von 60 Prozent kann niemand seine Kosten für Essen und Miete in unserer Branche begleichen“, fasst Hackenbuchner zusammen. Vergessen werde nämlich außerdem, dass nicht nur Personal- und Miet-, sondern auch Versicherungs- und Buchungssystem-Kosten einen großen Teil der nötigen Investitionen ausmachen.

„Vom Gesamtreise-Preis bleibt am Ende nur ein Bruchteil für das organisierende Büro“, betont Stefanie Benaczek und gibt zu bedenken: „Es ist dramatisch, dass es so weit kam.“ Ihr fehlen die Worte. Arbeitsplätze und Existenzen stünden auf dem Spiel, nicht weil sie schlecht gewirtschaftet hätten. „Uns wurde ein Arbeitsverbot auferlegt und Geld, dass wir uns schon erarbeitet haben, wieder genommen“, beklagt sie.

Der Verlust von 2020 bleibt

Selbst wenn im Bereich der Kreuzfahrten die Kunden dann eben eine für 2020 geplante Tour problemlos auf 2021 verschieben, wie es Lydia Scholz von Aktiv Reisen in Wertingen in diesen Tagen schon einige Male umsetzen konnte, der Verlust im Geschäftsjahr 2020 bleibt. Neben der Hoffnung auf staatliche Unterstützung ihrer Lage, wünscht sich Stefanie Benaczek für sich und ihre Kollegen, dass die Kunden bei den künftigen favorisierten Reisen innerhalb Deutschlands hier verstärkt die Hilfe der örtlichen Reisebüros in Anspruch nehmen werden. „Dies wäre eine weitere Hilfe für uns.“

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