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Wertingen

09.09.2019

Auch im Kreis Dillingen wird Schweinefleisch teurer

China hat einen enormen Verbrauch an Schweinefleisch. Doch die Schweinepest machte dort die Versorgung schwierig. Nun sehen sich die Chinesen verstärkt auf dem europäischen Markt um. Das merken mittlerweile auch Händler aus der Region.
Bild: Symbolfoto: Marcus Merk

Warum die Schweinepest und die „Hamsterkäufe“ der Chinesen mittlerweile auch Auswirkungen auf den Schweinefleischpreis im Landkreis Dillingen haben.

Im Mai konnte man lesen, dass mindestens eine Million Schweine in den vergangenen Monaten in China vorsorglich wegen der Schweinepest getötet werden mussten. Da jedes zweite Schwein weltweit in China gehalten wird, war zu befürchten, dass der Ausbruch der Tierseuche, die sich seit 2006 aus Georgien nach Europa und Asien ausbreitet, zu einem ernst zu nehmenden Problem werden könnte. Während in den europäischen Staaten bisher überwiegend nur Wildschweine erkrankten, waren und sind in China Nutztiere betroffen. 55 Millionen Tonnen Schweinefleisch produziert das asiatische Land jährlich. Folgen für die Fleischmärkte und vor allem für die Preise weltweit wurden befürchtet, da das fehlende Fleisch bei den Chinesen wohl nun von den europäischen Märkten zugekauft werden würde. Und genau das traf ein.

Der Bedarf in China ist gewaltig - und hat Auswirkungen auf das Zusamtal

„Ich habe zwar im Umkreis von 20 Kilometern meine Lieferanten, aber der Preis für Schweinefleisch wird jede Woche neu dotiert“, berichtet Unternehmer Werner Schmid aus Wortelstetten, der seine Bauern stets nach dem ausgegebenen europäischen Standard bezahlt. Seit März ziehe sich diese Entwicklung nach oben nun schon hin, Schmid und auch andere Metzger hofften, dass sich das Ganze irgendwann wieder beruhigen und der Preis wieder sinken würde. „Es hat sich herausgestellt, dass sich die Lage leider nicht entspannt, die Märkte werden von China leer gekauft, dadurch stieg der Preis für alle und ist nun schon seit beinahe einem halben Jahr oben.“ Schmid sagt, er müsse jetzt reagieren. In den vergangenen Wochen habe er die Mehrkosten für den Schweinefleisch-Erwerb noch komplett selbst getragen, ohne sie an den Endverbraucher weiterzugeben. Er sei nun gezwungen, die Preise in seinen Filialen zu erhöhen.

Schmid erläutert: „Es sind Mehrausgaben im fünfstelligen Bereich, die ich bereits monatlich draufbezahlt habe. Ich muss erhöhen, eigentlich verteuert sich alles um 30, 40 Prozent, ich müsste wenigstens 15 Prozent anheben, bleibe jedoch am unteren Limit.“ Der Unternehmer informiert, dass bereits einige Großlieferanten, die als Lieferanten für die großen Supermarktketten aktiv sind, insolvent seien, da sie an ihre niedrigen Abgabepreise aufgrund von langfristigen Verträgen gebunden sind. Schmid, der regional einkauft, hofft, dass sich die Lage beruhigt. „Wenn nicht, dann muss auch ich noch weitere Preissteigerungen vornehmen. Ich hätte bereits seit Mai auf diese Entwicklung reagieren müssen, habe es im Sinne meiner Kunden aber nicht getan.“

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Auch in Lauingen wird das Schweinefleisch knapper

Auch Metzgermeister Leonhard Griener aus Lauingen mit Filialen in Dillingen und Gundelfingen merkt die Veränderungen. „Wir haben seit Jahrzehnten unsere Lieferanten, aber die Ware wird langsam knapp und der Preis ist im vergangenen Vierteljahr um 40 Prozent gestiegen.“ So habe auch er seine Preise erhöhen müssen, um 20 Prozent, wie Griener sagt. „Wir mussten die Teuerung weitergeben. Das Problem ist, dass wir unsere Ware über die Theke verkaufen“, erklärt der Lauinger. Bei Fertigfleisch aus dem Regal könne stattdessen mit Marinade das Gewicht gestreckt und somit einiges aufgefangen werden, um die explodierenden Kosten im Griff zu behalten.

„Wir, die wir reines Fleisch verkaufen, müssen die Mehrkosten jetzt mit einkalkulieren“, erklärt Griener. Er erlebe jetzt, „dass die Kunden natürlich über die Preiserhöhungen klagen“. Das Dilemma bestehe darin, dass zwar jeder nachhaltige und Bio-Qualität von glücklichen Schweinen will. Aber sobald es an den Geldbeutel geht, sei keiner bereit, mehr auszugeben, stellt Griener fest. Derzeit gilt bei einigen Metzgern die Devise: Kein Schwein mit dem Schwein!

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