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Wertingen

14.06.2019

Aus der Napoleonstanne wird ein Fabelwesen

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3 Bilder
Schreiner Andreas Kraus (links) und der Chef des Wertinger Betriebshofes, Johannes Deisenhofer, freuen sich über das Ergebnis der Arbeit. Aus dem Holz der Napoleonstanne wurde eine ganz spezielle Sitzbank gefertigt, die an einen chinesischen Drachen erinnert.
Bild: Benjamin Reif

Plus Viele Wertinger hat die Fällung des beliebten Baumes im vergangenen Jahr emotional aufgewühlt. Doch bald soll auf der Gottmannshofener Anhöhe ein Platz entstehen, auf dem ganz besondere Sitzgelegenheiten stehen.

Als vor einem halben Jahr die Napoleonstanne in Wertingen gefällt wurde, löste das in der Zusamstadt große Bestürzung aus. Zu dem Baum hatten viele Wertinger über die Jahre eine emotionale Bindung aufgebaut – gerade an Silvester versammelten sich viele auf dem Hügel über Gottmannshofen, um den ungetrübten Blick auf das Feuerwerk zu genießen.

Der Baum ist zwar gefällt, auf der Anhöhe bei Gottmannshofen steht lediglich noch ein etwa sechs Meter hoher Stumpf, von dem sich langsam die verbliebene Rinde ablöst. Doch die Napoleonstanne soll die Wertinger Stadtgeschichte weiterhin begleiten. Deshalb wurde aus ihrem Holz nun eine Sitzbank, zwei Stühle und zwei Tischplatten gefertigt. Diese sollen noch im Sommer aufgestellt werden – neben der „neuen“ Napoleonstanne, die als Ausgleich zu der Fällung gepflanzt wurde.

Die Napoleonstanne wurde zu einem Drachen

Die Bank hat der Schreiner des Wertinger Betriebshofes, Andreas Kraus, gefertigt. Sie sieht aus wie eine Mischung aus Krokodil und chinesischem Drachen. Ein flaches Maul bildet den Anfang, dann beschreibt das Werk eine Kurve, wo die Sitzplätze eingebracht wurden. Auch ein Abschnitt mit abstehenden Schuppen wurde von Kraus in die Bank mit der Kettensäge eingefügt. Bogenförmig verjüngt sich die Sitzfläche und die Bank hört mit einem schlanken Schweif des Fantasiewesens auf.

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Ein spezielles Tier hatte Kraus nicht im Sinn, als er sich an die Arbeit machte. „Ich habe mich einfach an der Form des Holzes orientiert“, sagt der Schreiner. Ein bisschen außergewöhnlich sollte es sein, ansonsten hatte er freie Hand bei der Gestaltung. Da die Napoleonstanne nicht wirklich eine Tanne, sondern eine Fichte war, ging die Arbeit leicht von der Hand. Schließlich ist das Holz besonders weich und gut für Schreinerarbeiten geeignet. Die Bank wird auf der Anhöhe bei Gottmannshofen nicht alleine stehen. Aus dem Stamm hat Kraus noch zwei wuchtige Stühle mit hohen Lehnen sowie zwei runde Tischplatten gefertigt.

Ein schöner Aussichtsplatz nahe Gottmannshofen

Der Platz auf der Anhöhe soll ein schönes Ausflugsziel werden, sagt Verena Beese von der Stadtverwaltung. Spaziergänger und Fahrradfahrer sollen dort ebenso ausruhen können wie Familien und Schulklassen. Dann kann man dort nicht nur Brotzeit machen und dabei eine wunderschöne Aussicht auf die Zusamstadt genießen, sondern auch etwas zur Geschichte des Baumes lernen. Denn Stadtarchivar Dr. Johannes Mordstein hat Infotafeln entworfen, die den Besuchern einiges zur Stadtgeschichte vermitteln können. Der Fokus liegt dabei auf dem Gefecht von Wertingen aus dem Jahr 1805, das im Zug des dritten Koalitionskrieges zwischen dem siegreichen Frankreich unter Napoleon Bonaparte gegen die österreichische Armee ausgetragen wurde. Wo die Napoleonstanne stand, soll der legendäre Feldherr einst über das Schlachtfeld geblickt haben.

Auch für den großen Stumpf der Napoleonstanne, der noch an der ursprünglichen Stelle steht, gibt es weitere Optionen. Die Mitglieder des Wertinger Kunstkreises überlegen, ob dieser zu einem Kunstwerk verarbeitet werden soll – eine Idee sei etwa, die Reste des Stammes in ein stilisiertes Friedenssymbol zu verwandeln, sagt Beese. Entschieden sei noch nichts, denn es gilt für die Stadt, eine schwierige Abwägung zu treffen. Schließlich kann niemand genau sagen, wie lange ein solches Kunstwerk erhalten bliebe. Schließlich wurde die Napoleonstanne nicht ohne Grund gefällt, sondern weil das Holz zunehmend morsch wird.

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