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18.02.2015

Aus für umstrittene Gasleitung?

Pläne für eine Pipeline durch die Region liegen wegen der Energiedebatte vorläufig auf Eis. Vor Ort ist man darüber nicht traurig

Von Carmen Jung

Der Bau der geplanten unterirdischen Gas-Pipeline „Monaco II“ quer durch unsere Region ist wieder ein Stück in die Ferne gerückt. Zwar ist von einem endgültigen Aus für die Transportleitung keine Rede, aber es steht ein dickes Fragezeichen dahinter. Die Bayerngas-Tochter Bayernets hat ihre Pläne vorläufig auf Eis gelegt. In der Region finden das viele gut.

Vor zwei Jahren hatte die Regierung von Schwaben das Raumordnungsverfahren für die Trasse von Finsing nördlich von München bis Amerdingen (Kreis Donau-Ries) eingeleitet. Über 70 Kilometer sollte die 1,2 Meter dicke Pipeline durch Schwaben führen, die Landkreise Aichach-Friedberg, Augsburg-Land, Dillingen und Donau-Ries queren. Es existieren mehrere Varianten samt Untervarianten (siehe Grafik).

Mit mäßiger Begeisterung bis offener Ablehnung wurden die Pläne in Gemeinderäten und bei Informationsveranstaltungen vor Ort diskutiert. Landwirte fürchteten um die Bodenqualität, Bürgermeister sahen zum Teil erhebliche Probleme mit der Infrastruktur ihrer Gemeinde. Bei der Regierung gingen 20 Einwendungen gegen das Projekt ein.

Als besonders problematisch erwies sich die Querung des Lechs, für die Bayernets vier Varianten vorgeschlagen hatte. Ende 2013 trat der Fernleitungs-Netzbetreiber auf die Bremse. Das Unternehmen wollte sich mit den Details noch einmal befassen, die Regierung stoppte das Verfahren.

Um Einzelheiten geht es inzwischen nicht mehr, sondern ums große Ganze. Marc-Boris Rode, Pressesprecher bei Bayernets, bestätigte auf Anfrage: „Die Pläne ruhen derzeit.“ Hintergrund ist die bundesweite Energiedebatte. Die Frage ist, ob die Leitung Finsing-Amerdingen überhaupt gebraucht wird. Im gültigen Netz-Entwicklungsplan wird „Monaco II“ nicht unter den aktuellen Maßnahmen aufgeführt, erklärt Rode. Drin ist aber das bei Leip-heim geplante Gaskraftwerk.

Doch dafür ist die neue Pipeline laut Rode „nicht erforderlich“. Das könnte sich nur ändern, wenn ein zusätzliches Gaskraftwerk komme. Zwei sind im Raum Gundremmingen im Gespräch: auf Gundelfinger Flur durch die Firma PQ Energy und beim Kernkraftwerk durch RWE Generation. RWE aber hat erst vergangene Woche in Gund-remmingen deutlich gemacht, dass ein Kraftwerk unter den momentanen Rahmenbedingungen unrentabel ist. Dennoch entwickelt RWE die Option weiter, weil sich die politische Großwetterlage ändern könnte.

Bauern und Kommunen könnten gut auf das Projekt verzichten

Betroffene im Augsburger und Wittelsbacher Land sind alles andere als traurig darüber, dass die unterirdische Leitung vorerst nicht kommt. Gerhard Ringler, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) von Augsburg-Land, sagte: „Wenn’s notwendig ist, stellen wir uns nicht quer. Aber wenn sie nicht kommt, sind wir sehr froh.“ Denn die Leitung sei für die Landwirte mit einem Flächenverlust verbunden. Angesichts der herrschenden Flächenknappheit hält er im Fall eines Leitungsbaus Ausgleichsmaßnahmen für unnötig.

Sein Aichach-Friedberger Kollege Reinhard Herb sieht in einer Gasleitung ebenfalls Nachteile für die Landwirte. Denn dafür müsse man den Boden umwälzen. Auch in den Rathäusern weint man einer Gasleitung keine Träne nach. Bürgermeister Alfred Rappel aus Rehling erklärt: „Da machen wir keinen Trauermarsch.“ Sein Kollege jenseits des Lechs, Jürgen Gilg aus Langweid, ergänzt: „Wir bräuchten die Leitung nicht.“

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