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Stadtrat

04.05.2020

Betreiber der Quad-Touren blitzen bei der Stadt ab

Quad-Touren haben in ganz Deutschland ihre Liebhaber. Das Foto zeigt eine Gruppe der Lebenshilfe im Landkreis Aichach-Friedberg.

Plus Der Antrag von zwei Unternehmern, einen ehemaligen Kuhstall in Hirschbach als operativen Standort für die Touren mit den vierrädrigen Vehikeln anzubieten, wird im Bauausschuss mit deutlichen Worten abgelehnt.

Selten war in den vergangenen Jahren so deutliche Verstimmung zu spüren, wie das bei einem der Tagesordnungspunkte vergangene Woche der Fall war. In ihrer letzten Sitzung in der „alten“ Zusammensetzung beschäftigten sich die Stadträte unter anderem mit dem Antrag der GS-Quadtouren GbR. Die beiden Unternehmer Tobias Gumpp und Ralph Schindler wollen einen ehemaligen Kuhstall in Hirschbach dahingehend umbauen, dass von dort aus Touren mit den vierrädrigen Geländefahrzeugen (Quads) in die Umgebung stattfinden sollen. Dazu solle etwa ein Büroareal samt Trennwand eingebaut werden.

Doch wie schon Stadtbaumeister Anton Fink in seinen einleitenden Sätzen andeutete, sind die Arbeiten an dem Kuhstall, welche der Bauausschuss ja eigentlich bewilligen sollte, schon abgeschlossen. Die Webseite des Unternehmens mache außerdem den Eindruck, dass die Unternehmer schon „in den Startlöchern stehen“, wie es Bürgermeister Willy Lehmeier ausdrückte.

Die Stadträte zeigen sich unzufrieden mit der Kommunikation

Auf jeden Fall hinterließ das Geschäftsgebaren der beiden Unternehmer bei den Stadträten keinen guten Eindruck. Franz Bürger sagte: „Die Frage kommt auf: Wozu ist der Bauausschuss überhaupt noch gut, wenn da schon alles erledigt ist?“ Ihm als Landwirt stelle sich außerdem die Frage nach dem Brandschutz – bei einem alten Gehöft wie dem besagten Gebäude in Hirschbach seien die Auflagen sicher nicht einfach zu erfüllen. Und schließlich gebe es in seinen Augen noch einen weiteren, wichtigen Punkt zu klären: „Mich würde interessieren, was die Nachbarschaft zu diesen Plänen sagt. Die müssen ja dann lange damit leben.“

Reinhold Wörle pflichtete Franz Bürger bei. Er sagte: „Wenn da schon alles erledigt ist, sollten wir das ablehnen.“ Johann Bröll äußerte sich ebenfalls mäßig begeistert über die Pläne der beiden Männer. „Diese Quad-Touren sind vom Lärm her nicht unerheblich.“ Die Art der Nutzung für den ehemaligen Kuhstall halte er für „bedenklich“.

Am deutlichsten äußerte sich jedoch Bürgermeister Lehmeier. Es habe eine Bitte der Stadt an die Geschäftsbetreiber Gumpp und Schindler gegeben, in denen diese Details über ihre Touren angeben sollten. Denn diese Touren sollten wohl über die Feld-, Wald- und Wirtschaftswege in der Wertinger Flur gehen, und dafür bräuchte es eine Genehmigung zur Sondernutzung. „Es wäre sinnvoll gewesen, diese Nutzung parallel zu beantragen und das mit uns abzuklären. Das ist aber nicht passiert. Das bedauere ich.“ Er empfahl, den Antrag abzulehnen, was die versammelten Mitglieder des Bauausschusses dann auch einstimmig taten. Lehmeier ergänzte abschließend: „Die Betreiber sind heute auch erneut dazu aufgefordert, uns zu erklären, wie sie sich die Welt vorstellen.“

Wegen der Corona-Pandemie werde der Start der Touren verschoben

Auf der Homepage der Veranstalter heißt es, dass aufgrund der Corona-Pandemie der Start der Touren auf unbestimmte Zeit verschoben werde. Doch ob diese überhaupt je nach den Wünschen von Ralph Schindler und Tobias Gumpp stattfinden werden, ist fraglich, denn gegen die Touren hatte sich unter Jägern und Naturschützern schon Widerstand formiert (wir berichteten). Das Hauptargument der Quad-Gegner ist der beträchtliche Lärm, der durch Touren mit fünf bis sieben Teilnehmern, wie sie von den Veranstaltern anvisiert werden, ausgeht. Dieser Lärm sei ein erheblicher Stressfaktor für die Tierwelt, die in den Monaten von März bis Oktober – also der voraussichtlichen Hauptgeschäftszeit – ihre Jungen großzieht. Außerdem gab es in der jüngeren Vergangenheit auch einen tödlichen Unfall: Ein Mann aus Potsdam hatte 2015 auf einer organisierten Quadtour in Langenreichen die Beherrschung über sein Fahrzeug verloren und war gegen einen Baum geprallt. Nach dem tödlichen Unfall hatten die organisierten Quadtouren, die ebenfalls von Hirschbach ausgingen, damals aufgehört.

Die Betreiber von GS-Quadtouren geben allerdings an, dass ihre Touren keineswegs an Rennen erinnern, sondern eher gemütlichen Ausflugscharakter mit gedrosseltem Tempo haben sollen. Außerdem sei stets ein erfahrener Fahrer als Begleitung bei den Touren dabei.

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