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02.07.2010

Bewährungsstrafen für "Mietnomaden"

Gablingen/Augsburg Er prahlte mit guten Kontakten zum Automobilhersteller Audi, gab vor, aus gut situiertem Hause zu stammen und als Ausbilder bei der IHK 4000 Euro netto zu verdienen. Doch das alles war Lug und Trug. In Wahrheit war der 41-Jährige völlig pleite, hatte überall Schulden und bereits zwei "Offenbarungseide" geleistet. Trotzdem nistete sich der Mann zusammen mit seiner Ehefrau Monate lang in Wohnungen in Gablingen (Kreis Augsburg) und später im Augsburger Stadtteil Haunstetten ein, zum Teil, ohne überhaupt einen Pfennig Miete zu bezahlen. Die beiden Vermieter blieben bis heute auf zusammengerechnet über 10 000 Euro Forderungen sitzen. Nun musste sich das Ehepaar wegen Betrugs vor Gericht verantworten.

Der Volksmund nennt Menschen, die von einer Wohnung zur anderen ziehen und beim Vermieter nichts als Schulden und Ärger hinterlassen, "Mietnomaden".

Das Ehepaar war bereits einem Vermieter in Adelsried die Miete schuldig geblieben, als es im September 2008 nach Gablingen umzog. "Beide hatten es sehr eilig", erinnert sich der neue Vermieter (72) jetzt als Zeuge im Prozess vor Richter Bernhard Höchstötter. "Der Angeklagte sagte, er habe einen hoch dotierten Posten bei der IHK. "Als ich dort später nachfragte, wusste man von nichts". Dreimal ging die Monatsmiete von 700 Euro ein, dann blieb sie aus. Erst als der Vermieter Anwalt und Gerichtsvollzieher einschaltete, zog das Ehepaar wieder aus. "Ich bin letztlich auf 6632 Euro sitzen geblieben", nennt der 72-Jährige seine Forderung. "Und sechs Steckdosen haben die beim Auszug auch noch ausgebaut".

Die Eheleute "wanderten" mit Sack und Pack nach Augsburg-Haunstetten weiter. Dort lebte das Paar ein halbes Jahr in einer Wohnung, ohne je einen Cent bezahlt zu haben. Die Vermieterin, eine Rentnerin, hatte sich - wie sie jetzt vor Gericht - bedauert, von den Versprechungen des 41-Jährigen blenden lassen. "Jedes Wort war von Anfang an gelogen. Meine Menschenkenntnis hat mich zum ersten Mal in meinem Leben in Stich gelassen. Ich war blauäugig". Das Paar musste per Zwangsräumung aus der Wohnung gedrängt werden. Zurück blieben allein Mietschulden in Höhe von 5010 Euro.

Bewährungsstrafen für "Mietnomaden"

An den Angeklagten kann sich auch der Prokurist eines Ausbildungszentrums gut erinnern. Dort war der 41-Jährige über eine Leiharbeitsfirma einige Monate als Industriemeister beschäftigt gewesen. "Er hat sich mit den Reichen und Schönen geschmückt. Später erfuhren wir, dass alles nur Lügen waren." Dem Angeklagten wurde fristlos gekündigt.

Der Verlust der Arbeitsstelle, so entschuldigt sich der 41-Jährige, habe zu dem ganzen finanziellen Dilemma geführt. Die Kündigung habe er seiner Frau verschwiegen. "Er ging morgens aus dem Haus und kam abends heim", bestätigt die Frau (40), völlig ahnungslos gewesen zu sein. "Wenn man mich beschuldigt, dann nur wegen meiner Dummheit." Inzwischen hat sie sich von ihrem Mann getrennt.

Richter Höchstötter verurteilte den Ehemann wegen Betrugs zu elf Monaten, seine Frau zu acht Monaten Bewährungsstrafe. Da beide keinerlei Einkommen haben, müssen sie als Auflage 240 beziehungsweise 160 Sozialstunden ableisten.

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