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Pfaffenhofen

23.10.2017

Bierernste Wahrheiten kommen saukomisch daher

Philipp Weber trat in Pfaffenhofen auf.
Bild: Gerhard Sauter

Philipp Weber präsentierte in Pfaffenhofen seinen Einfallsreichtum rund um das Thema Trinkgewohnheiten.

Die knapp 100 eingefleischten Brettl-Fans klopften sich im Gasthaus Straub über zwei Stunden lang lachend, feixend und kreischend auf die Schenkel. Die Kleinkunstbühne Lauterbach hatte bereits zum zweiten Mal nach Anfang 2016 den Kabarettisten Philipp Weber – einen bekennenden Odenwälder – ins urige Gasthaus geladen, das er bereits nach fünf Minuten mit seinem aktuellen Programm „Durst – Warten auf Merlot“ in ein Tollhaus verwandelte.

Der schnell sprechende Dauerquassler feuerte im Sekundentakt scharfsinnig, witzig und humorvoll garnierte Pointen über das Trinkverhalten der Deutschen raus. So trieb er dem Publikum die Lachtränen in die Augen und präsentierte gleichzeitig tiefgründig recherchierte und obendrein bittere Wahrheiten, angereichert durch das hintergründige Faktenwissen eines studierten Chemikers.

So würde das tonnenweise angebotene Billigbier in unseren Discountern weite Bevölkerungskreise nicht nur zum arglosen Umgang mit der Volksdroge Nummer Eins anstiften, sondern auch die negativen Begleiterscheinungen einer auswuchernden Globalisierung unterstützen. Denn eigentlich sollte das Motto doch lauten: „Mehr regional und saisonal.“ So wie früher das in seiner Heimat bekannte, aber leider vom Markt verschwundene, „Etzel-Bier“: „Dunkel, schwer und erdig – eben schwer zu genießen wie der Odenwälder selbst.“

Damit war der Bann gebrochen für ein Mitmach-Kabarett, das die Protagonisten – Hannes und Anne in der ersten Reihe – sowohl mit gewollten als auch ungefragten Einwürfen und Wortspielen über ihre eigenen Trinkgewohnheiten leidenschaftlich befeuerten. Die urkomische, tragische Figur des Onkel Rudi gab dazu philosophisch angereicherte Wahrheiten entweder aus der Erinnerung oder aus dem Jenseits zum Besten, um von den Schattenseiten einer ausufernden Trinkkultur auch jenseits der Alkoholika abzulenken. So seien zunehmende Schlafstörungen weder mit Brennnessel-, Kamillen- oder Hopfenblütentee noch mit „atoxischen“ Smoothies, die bereits beim Schlucken würgten, erfolgreich zu bekämpfen. Folter sei auch der bei der Lufthansa angebotene Tomatensaft oder der von „Teufel Hildegard von Bingen“ eingeführte Zwiebelsud. Ganz zu schweigen vom Sauerkrautsaft, der als Heilmittel zur körperlichen Entschlackung propagiert werde, bei ihm selbst aber eher das Gefühl von Buße samt körperlicher Kasteiung hervorrufe und deshalb „brauner Blitz“ heißen müsste. Das gute alte Bier sei das einzig wahre Hausmittel: „Acht Halbe“ würden den Tagesbedarf an Vitamin B12 decken. So könne man sich den Apfel sparen.

Sorge macht dem Kabarettisten deshalb nicht nur das „Koma-Saufen“ von Jugendlichen, was in 25000 Alkoholvergiftungen pro Jahr gipfelt; sondern auch die 27000 Rentner, die jährlich aufgrund derselben Diagnose aus dem Leben scheiden würden.

Doch auch nicht-alkoholische Mixgetränke kommen bei Weber nicht gut weg: Viele würden eigentlich nur deshalb so gut schmecken, weil genügend Zucker darin enthalten sei. Aber Hauptsache, dieser komme aus kontrolliertem Anbau, dann sei dieser Missbrauch gerechtfertigt. Philipp Weber hält zur allgemeinen Verblüffung der Zuschauer dagegen, dass auch Opium aus kontrolliertem Anbau käme.

Zu guter Letzt stellte Philipp Weber augenzwinkernd klar, dass Alkohol nichts anderes sei als Psychopharmaka, das zu verminderter Gehirnaktivität und damit zur Entspannung führe, was schließlich jeden von uns glücklich mache. Denn wie bemerkte schon sein an Alkoholmissbrauch verstorbener Onkel Rudi, der sich den gesamten Abend wie ein roter Faden durch ein wahnsinnig vielseitiges und dennoch kurzweiliges Kabarettprogramm zog: „Betrunken sein heißt eloquent zu sein ohne es auszusprechen.“ Nach tosendem Applaus, zwei eingeforderten Zugaben und zahlreich signierten Büchern mischte sich der bodenständig und authentisch wirkende Künstler noch unters Volk, um bei einer „erdigen Halbe“ mit allen Besuchern weiterhin „glücklich“ zu sein.

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