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Kesseltal

28.04.2016

Bissingen hat nun einen Verein weniger

Pater George (Mitte) verabschiedete die Katholische Landjugend Bissingen am vergangenen Sonntag offiziell in einer Messe. Nach mehr als hundert Jahren Vereinsgeschichte, hat sich die Gruppe nun aufgelöst.

Nach mehr als 105 Jahren Geschichte hat sich die Katholische Landjugend aufgelöst. Die jungen Menschen haben sich diesen Schritt nicht leicht gemacht.

Pater George bringt es auf den Punkt. Er sagt bei der Messe am Sonntag in Bissingen: „Das Ende der Landjugend ist auch eine Mahnung für uns alle. Was sind unsere Prioritäten? Wie nutzen wir unsere Zeit?“. Sport, Musik, Freizeit, all das sei neben Arbeit und Familie wichtig und gehöre dazu, „aber ist nicht die Unterstützung der Jugend das Wichtigste überhaupt?“. Pater George dankt den jungen Frauen und Männern, die an diesem Sonntag zum letzten Mal den Gottesdienst mitgestalten – zumindest als Gruppierung – von Herzen für ihren jahrelangen Einsatz, auch Irmgard Schön sagt im Namen des Pastoralrates und der Pfarreiengemeinschaft: „Wie bedauern es sehr, dass sich die Bissinger Landjugend auflöst, wussten wir doch unsere Jugend immer gut aufgehoben bei euch. Und wenn wir eure Hilfe brauchten, waren wir nicht allein!“. Mit der Auflösung des Vereins zum 1. April 2016 verschwindet in Bissingen ein Verein mit 105-jähriger Geschichte. Doch was sind die Gründe? Wir haben mit Andreas Schneider gesprochen. Der Stillnauer war von Dezember 2013 bis zum Schluss Vorsitzender der Katholischen Landjugend Bissingen.

Warum wurde der Verein aufgelöst?

Schneider: Wie zahlreiche Vereine und andere Landjugendgruppen hatten auch wir seit einigen Jahren schwer damit zu kämpfen, dass immer weniger Jugendliche die Zeit und das Interesse daran finden, Vereine und Gemeinschaften wie eine Landjugend mit ihren Pflichten und Verantwortungen weiter fortzuführen. Daran haben leider auch mehrere Versuche, eine neue Jugendgruppe zu gründen, zu denen wir auch an Gruppenleiterschulungen teilgenommen und weder Kosten noch Mühen gescheut haben, nichts ändern können. Für uns selbst wurde es leider auch zunehmend schwerer, allen Pflichten, die die Landjugend natürlicherweise mit sich bringt, nachzukommen. Auch aufgrund der Tatsache, dass ein großer Teil des Vorstands als Studenten nicht mehr in der näheren Umgebung wohnt, konnte keine neue Vorstandschaft mehr gefunden werden. Eine nicht unerhebliche Rolle spielen natürlich auch die gesellschaftlichen Veränderungen insgesamt. Zu Zeiten unserer Eltern war die KLJB oft die erste Möglichkeit, mit anderen Jugendlichen ausgehen zu können und zu dürfen, was heute durch die Vielzahl an Möglichkeiten nicht mehr so ist.

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War es eine schwere Entscheidung?

Schneider: Natürlich ist es nicht einfach, eine Ortsgruppe nach so langem Bestehen auflösen zu müssen, zumal die Landjugend auch für uns eine Gemeinschaft war, in der wir in den vergangenen Jahren vieles auf die Beine stellen konnten und immer viel Spaß zusammen hatten.

Wie viele Mitglieder hatte der Verein?

Schneider: Am Ende waren es offiziell 35 bei der KLJB Augsburg gemeldete Mitglieder. Die Zahl erscheint zunächst sehr hoch, jedoch waren davon meist nur noch knapp zehn Mitglieder wirklich „aktiv“, was hauptsächlich dem Vorstand entspricht.

Die Landjugend in Bissingen war sehr aktiv, oder?

Schneider: Da die Landjugend natürlich auch in enger Verbindung zur Kirche steht, haben wir seit vielen Jahren Aufgaben wie beispielsweise das Tragen des Kreuzes und der Fahnen bei der Lichterprozession übernommen. Auch eigene Aktionen wie den Verkauf von „Eine-Welt“-Artikeln in Bissingen und Buggenhofen, der schon zur Tradition geworden ist, haben wir gerne durchgeführt. In unserer Amtszeit haben wir zudem einen jährlichen Jugendgottesdienst mit anschließendem Fastenessen veranstaltet, bei dem wir durch die Erlöse Spenden an karitative Einrichtungen wie die Kartei der Not oder die DKMS überreichen konnten.

Glauben Sie, dass es irgendwann wieder eine Landjugend in Bissingen geben wird?

Schneider: Die Möglichkeit besteht auf jeden Fall und natürlich würde es uns sehr freuen, wenn sich in Zukunft in Bissingen wieder Jugendliche finden würden, die die Landjugend neu gründen und aufleben lassen wollen. Es gibt ja durchaus auch im Dillinger Raum Landjugenden, die sich in den vergangenen Jahren neu bzw. wieder gegründet haben. Mit großer Unterstützung seitens der KLJB Augsburg, des Kreisverbandes Dillingen sowie unseres Bissinger Pfarrers Pater George dürfen Jugendliche auf jeden Fall rechnen. Natürlich werden auch wir Ehemaligen bei Fragen gerne mit Rat und Erfahrung zur Seite stehen.

Wie geht es jetzt weiter?

Schneider: In all den Jahren, in denen wir gemeinsam in der Landjugend aktiv waren, sind auch viele enge Freundschaften entstanden, die über die Landjugend hinaus gelebt wurden und natürlich auch weiterhin bestehen bleiben. Viele unserer Mitglieder sind auch in anderen Bissinger Vereinen wie beispielsweise der Freiwilligen Feuerwehr oder dem TSV Bissingen aktiv. Außerdem hat sich aus der Landjugend bereits vor Jahren eine Musikgruppe gegründet, die regelmäßig Jugendgottesdienste in den Kreisen Dillingen und Donau-Ries musikalisch gestaltet.

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