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Kindergärten Emersacker/Horgau

08.03.2018

„Bitte lassen Sie Ihr Kind zuhause“

Viele Einrichtungen suchen Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen, zum Beispiel in Emersacker und Horgau.
Bild: Alexander Kaya

Bei überraschenden Ereignissen wird die ohnehin dünne Personaldecke rasch zu knapp. In ihrer Not greifen die Träger zu ungewöhnlichen Mitteln, wie zwei Beispiele aus Horgau und Emersacker zeigen

Am Eingang des Kinderhauses Emersacker hängt ein Schild. Seine Aussage: Bitte lassen Sie Ihr Kind nach Möglichkeit zuhause! Bürgermeister Michael Müller klärt auf, was es damit auf sich hat: „Wir haben starken Personalmangel.“ Die Gemeinde ist Träger der Kindertagesstätte.

Innerhalb kürzester Zeit seien drei Mitarbeiterinnen des Emersacker Kinderhauses schwanger geworden. Das Problem dabei: In den meisten Fällen müssen die Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen sofort ihre Arbeit niederlegen. Vorher hat ein Immunitätstest festgestellt, ob bei der Arbeit mit den Kindern eine Ansteckungsgefahr für das Ungeborene besteht. Ist dies der Fall, wird ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen. Dazu kam es auch bei den drei Schwangeren aus Emersacker. „Wenn dann noch die Grippewelle zu Krankheitsausfällen führt, ist das kaum noch abzufangen“, fügt Michael Müller hinzu.

So werden nun unter anderem interne Lösungen gesucht und die Arbeitszeiten des verfügbaren Personals erhöht. Mit dem Beirat werden weitere Möglichkeiten besprochen: So zum Beispiel, ob übergangsweise Eltern zur Mitbetreuung eingesetzt werden könnten. Außerdem werden mithilfe einer öffentlichen Stellenausschreibung drei neue Kräfte gesucht.

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Doch der Arbeitsmarkt für Kinderbetreuung sei laut Müller stark ausgedünnt. „Auch wenn es nahezu keine Erzieherinnen und Pflegerinnen gibt, hoffen wir weiterhin auf Bewerbungen“, sagt er. „Aber auch andere Gemeinden in der Gegend suchen Personal.“ Eine dieser Gemeinden ist Horgau. Andreas Wiedemann ist ehrenamtlicher Verwalter des Kindergartens Sankt Martin und fasst zusammen: „Wir haben 15 Pflegestellen vorgesehen, davon sind im Moment drei unbesetzt. Doch wir haben vier Stellen ausgeschrieben und warten auf brauchbare Bewerbungen.“

In Horgau sei eine Schwangerschaft Grund für einen längeren Ausfall, kurzzeitig hinzukämen Krankheiten und Fortbildungen. Doch der Kindergarten mit seinen fünf Gruppen hat Vorsorge getroffen.

„Wir haben ein bis zwei hausinterne Springer, die die Gruppen wechseln, je nachdem wo sie gebraucht werden“, erklärt Wiedemann. Dazu kommen Teilzeitkräfte, die im Notfall länger arbeiten, und regelmäßige Mithilfe von Praktikanten und einer Tagesmutter. Dennoch merkt der Verwalter an: „Ohne Krankheitsausfälle kommen wir gerade so über die Runden.“

Doch warum lässt sich neues Personal für Kindergarten und -krippe so schwer finden? Andreas Wiedemann vermutet, dass unter anderem das schlechte Image des „Knochenjobs“ schuld sein könnte. Die Verantwortung gerade der Erzieherinnen sei enorm, auch hier können Burn-out und andere gesundheitliche Beeinträchtigungen drohen. Was im Horgauer Kindergarten mit kirchlichem Träger die Suche noch erschwert: Zur Qualifikation gehört auch die Umsetzung christlicher Werte.

Zudem sei der Bedarf an Betreuern aufgrund des Zuwachses an Schützlingen gestiegen – immer mehr junge Familien ziehen nach Horgau. „Wir haben außerdem eine andere Elterngeneration als noch vor Jahren“, sagt er und erklärt: „Die Kinder werden jünger, wenn sie in unsere Einrichtung kommen, und die Betreuungszeit länger.“ In der Horgauer Kita steht eine Erweiterung an. Wiedemann erklärt: „2019 werden wir vermutlich um eine sechste Gruppe gewachsen sein.“

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