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06.04.2009

Blitzende Schwerter und rasselnde Hemden

Laugna/Wertingen Ein Wochenende ohne Fernseher, ohne Handy, ohne Uhr und ohne Computer, statt dessen mit Schwertern kämpfen, Schuhe ausbessern, Kettenhemden herstellen, jonglieren, palavern, mit Pfeil und Bogen schießen und auf Stroh und Fellen schlafen: Die "Riddari león" - der Begriff kommt aus dem angelsächsischen und bedeutet so viel wie "Ritter des Löwen" - drehen mehrmals im Jahr die Zeit zurück und versetzen sich ins 13. Jahrhundert. Damals regierte Ludwig II. der Strenge aus der Wittelsbacher Dynastie.

Am vergangenen Wochenende war es wieder einmal so weit. 20 Männer und Frauen schlugen am Ortsrand von Laugna ihr Lager auf. Einer von ihnen, Christoph Biebel, kommt aus Buttenwiesen. Im normalen Leben unterrichtet er Hauptschüler. Wenn andere Männer zum Angeln gehen oder Tomaten züchten, schlüpft er in die Rolle eines edlen Ritters. "Für mich ist das ein echter Sport", erklärt der "Christoph von Wertingen", wie er sich nennt, seine Vorliebe für Historisches.

Mindestens einmal pro Woche wird hart trainiert. Das Schwertfechten erfordert schließlich starke Muskeln, denn die Waffe wiegt mindestens sechs Kilogramm, genau so viel wie das Schild aus Holz. Dazu kommt noch das Gewicht der eisernen Schutzkleidung: 30 Kilogramm hängen am Körper eines Ritters.

Es geht den Riddari und ihrem Gefolge aber nicht nur um das Kämpfen. "Wir fliehen bewusst vor der Technik." Deshalb bleiben die Handys ausgeschaltet, gekocht werde wie anno dazumal und geschlafen werde in mittelalterlichen Steckbetten. Das einfache Leben solle einen Ausgleich zum Alltagsstress schaffen.

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Das außergewöhnliche Hobby teilt der 33-jährige Lehrer mit vielen Gleichgesinnten, wie beispielsweise mit Marco Demmer. Der junge Mann aus Laugna hat es allerdings noch nicht zum Ritter gebracht, er muss sich noch als Knappe verdingen. Das gemeinsame Hobby hat in den letzten Jahren echte Männerfreundschaften entstehen lassen. Zusammen ziehen sie sechs bis acht Mal im Jahr während der Sommermonate durch Deutschland und benachbarte Länder.

Die Teilnahme bei den Ritterspielen in Kaltenberg ist obligatorisch. Auf historischen Festen sind die Riddari león ebenfalls zu finden. Bei der diesjährigen Landkreisausstellung in Wertingen vom 11. bis 14. Juni werden die Riddari león erstmals ihr Lager im Schlossgraben aufstellen. Ein mittelalterliches Spectaculum vom Kampf mit brennenden Schwertern bis zum Bogenschießen steht auf dem Programm. Dabei solle alles so authentisch wie möglich sein. "Unsere Darstellung bewegt sich in der Zeit um 1250 nach Christi im Herzogtum Bayern. Die Wege unserer tapferen Ritter und edlen Damen aus aller Welt kreuzten sich im Herzogtum. Hier leben wir nun mehr oder weniger friedvoll zusammen…"

Im Internet

Eintauchen in die Welt der Ritter - erleben Sie die "Riddari león" auf unserer Bildergalerie unter

wertinger-zeitung.de/bilder

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