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Landkreis Dillingen

06.10.2017

Blutrünstig oder romantisch? Das liest die Region

Die Studienbibliothek Dillingen nimmt eine besondere Rolle im Landkreis ein. Ob Schüler, Student, Berufstätiger oder Rentner: Wer in der Region ein Nachschlagewerk sucht, findet es hier. Hier leihen sich die Menschen, anders als in den anderen Büchereien, auch immer wieder Klassiker aus.

Regionalkrimis stehen bei Erwachsenen hoch im Kurs, Klassiker sind nicht so beliebt. Jugendliche lesen statt Fantasybüchern lieber Werke ihrer Youtube-Idole. Wir haben uns vor der Buchmesse umgehört

Am 11. Oktober ist es wieder so weit: Die Frankfurter Buchmesse startet und Leseratten aus Deutschland und Europa kommen zusammen, um sich über ihre Lieblingswerke auszutauschen und die neuesten literarischen Highlights zu entdecken. Doch wie sieht es eigentlich im Landkreis mit dem Lesen aus? Was sind die bevorzugten Genres? Wir haben bei Bibliotheken und Buchhandlungen nachgefragt.

Regionalkrimis stehen bei den Lesern in der Region besonders hoch im Kurs. Ebenso beliebt: Thriller von skandinavischen Schriftstellern. Viele Bücherfreunde richten sich auch nach den Spiegel-Bestseller-Listen. Für die Klassiker sieht es jedoch schlecht aus: „An besonderen Jahrestagen werden sie manchmal angefragt. Sonst eigentlich kaum“, sagt Heidi Hüll von der Lauinger Stadtbücherei. Im Landkreis lesen alle Altersgruppen gerne: „Schulkinder, Erwachsene, Großeltern, die ganze Palette“, so Ursula Poser von der Buchhandlung Gerblinger in Wertingen. Bilderbücher für Kleinkinder sind ebenfalls überall beliebt. Neben den Gemeinsamkeiten lassen sich aber auch ein paar Besonderheiten im Leseverhalten erkennen.

„In Wertingen wird querbeet gelesen“, sagt Ursula Poser. Neue Kochbücher von Lafer oder Schuhbeck fänden beispielsweise großen Zulauf. Auch wenn aktuell eine Buchverfilmung im Kino läuft, greifen die Kunden laut Poser gerne zur literarischen Vorlage. Derzeit habe der Bücherverkauf wegen der Frankfurter Buchmesse zugenommen. Doch noch ein anderer Faktor ist von Bedeutung: „Jetzt kommt die Winterzeit, da zieht der Verkauf wieder sehr stark an und man kann es sich mit einem guten Buch und einer Tasse Tee gemütlich machen.“

In der Stadtbücherei in Dillingen hat sich eine besondere Entwicklung ergeben. Brigitte Schöllhorn, Leiterin der Bücherei, kennt sie: „Bücher aus den Feuilleton-Seiten der Zeitungen haben an Beliebtheit gewonnen.“ Leichte Unterhaltung und Liebesromane, wie etwa von Jojo Moyes, seien ebenfalls gefragt.

Bei Sachbüchern stünden Ratgeber, besonders aus den Bereichen Reisen, Medizin und Kochen, hoch im Kurs. Auch Kinder haben klare Präferenzen: „Vor allem Lustiges oder Krimis. Fantasy hat abgenommen“, sagt Brigitte Schöllhorn. Klassiker werden, seit sie in der Bücherei eigens ausgestellt sind, mehr gelesen: „Nicht rasend, aber es geht“, so Brigitte Schöllhorn. Insgesamt werde etwa genauso viel ausgeliehen wie vor zehn Jahren, trotz Digitalisierung. „Das Interesse an Büchern ist da, aber eben auch das Internet und wenig Freizeit.“

Wie sieht die Leselage in Gundelfingen aus? Eva Winter, Leiterin der Stadtbücherei, gibt Auskunft: „Die Zahl der Ausleihen schwankt, aber einen Rückgang habe ich nicht bemerkt.“ Bei Erwachsenen stünden Neuseeland- und Australienromane hoch im Kurs, ebenso wie historische Belletristik.

„Die Leser hier wollen lustig angehauchte Bücher. Blutrünstige Thriller sind derzeit weniger gefragt“, so Winter. Generell lesen Kinder ein wenig mehr als Erwachsene. Comics sind bei den Kleinen in Gundelfingen besonders beliebt, aber auch Klassiker wie „Hanni und Nanni“ feiern ein Revival. Außerdem bietet die Gundelfinger Bücherei ein besonderes Extra an: Großdruckbücher, die von Lesern mit Sehbeschwerden gut angenommen würden.

Bei den Buchhandlungen Brenner und Scala in Dillingen und Lauingen kaufen Frauen mehr Bücher als Männer, weiß Buchhändlerin Julia Hank. „Männer stöbern weniger und haben meist konkrete Wünsche“, so Hank. Liebesromane seien gefragt, aber die Leser wollen vermehrt realitätsnähere Werke, die auch freundschaftliche oder familiäre Aspekte behandeln.

„Mann trifft Frau, das ist es nicht mehr“, sagt Julia Hank. Bei Jugendlichen habe sich eine Wendung ergeben. Während früher Fantasy hoch im Kurs stand, sind es nun die Bücher berühmter YouTuber wie etwa LeFloid. Dass Buchhändler auch von der Digitalisierung profitieren können, zeigen Bücher Brenner und Scala. Seit Kurzem setzen sie vermehrt auf die sozialen Netzwerke. Bei WhatsApp und Facebook sind sie bereits aktiv, Instagram folge bald.

Heidi Hüll von der Lauinger Stadtbücherei kennt die literarischen Trends, die in der Albertus-Magnus-Stadt vorherrschen: „Krimis gehen gut, und die Thriller von Fitzek.“ Im Kontrast zu den teils brutalen Werken stehen Familiensagas, die die Lauinger auch gerne lesen. Sachbücher seien nicht so gefragt. Doch es gibt Ausnahmen: „Die Akte Trump“ von David Cay Johnston ging laut Hüll dieses Jahr schon zwölf Mal über die Ausleihtheke.

Fantasy ist bei den Lauinger Jugendlichen, anders als bei Altersgenossen aus den Nachbarstädten, sehr beliebt. Doch generell lesen die Jungen und Mädchen ab 13 Jahren weniger. Bei Kindern seien interaktive Bücher mit Soundeffekten gefragt.

Eine besondere Rolle nimmt die Studienbibliothek in Dillingen ein, die vom ganzen Landkreis genutzt wird. Leiter Rüdiger May weiß, wofür: „Für berufliche oder schulische Zwecke, zur Fortbildung und auch zur Geschichtsforschung.“

Für die Studienbibliothek sei das Internet keine große Konkurrenz, da die Leser gerade bei längeren Texten gedruckte Bücher bevorzugen. Hier werden auch oft Klassiker ausgeliehen: Sowohl von Schülern, die sie als Schullektüre benötigen, als auch von literaturbegeisterten Lesern jeder Altersgruppe. Kinder- und Jugendbücher gibt es nicht. Das Publikum ist dennoch bunt gemischt: „Vom Schüler, der erstmals ein Referat erstellen muss, über den Studenten und den Berufstätigen bis hin zum Rentner, der die Historie des Landkreises erforscht, ist jeder vertreten“, so May.

Maria Hergöth weiß als Leiterin der Stadtbücherei, was die Höchstädter am liebsten lesen: „Krimis und Thriller sind beliebt, ebenso wie Liebesgeschichen und historische Romane.“ Das Vorurteil, dass Frauen vor allem schnulzige Bücher lesen, kann Hergöth nicht bestätigen: „Frauen lesen auch harte Thriller.“ Männer hingegen greifen – dem Klischee entsprechend – nur selten zu Liebesromanen.

Wie läuft es mit der Kinder- und Jugendliteratur? „Sehr gut“, sagt Maria Hergöth und lacht. Die Höchstädter lesen generell viel, das habe sich innerhalb der vergangenen Jahre nicht geändert: „In der Bücherei ist kein Stillstand. Da ist immer Bewegung.“ Zum Schluss hat Maria Hergöth noch eine wichtige Botschaft: „Man muss sich einfach Zeit zum Lesen nehmen. Ein Buch hat immer Zeit.“

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