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Obstanbau im Kreis Dillingen

25.10.2017

Bringt die Zukunft wieder viele Äpfel?

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3 Bilder
Eine große Apfelernte konnte der 70-jährige Binswanger Richard Mayr einbringen. Seine Bäume stehen am Waldrand, geschützt von einer hohen Hecke.
Bild: Mayr

Der Steinheimer Saftkelterer Stefan Krebs hofft auf nächstes Jahr.  In der Wertinger Baumschule Reiter steigt die Nachfrage nach Obstbäumen.

Bis vor wenigen Wochen hatte Stefan Krebs gehofft, es könnte noch werden. Jetzt steht er im Hof seiner Saftkelterei im Dillinger Stadtteil Steinheim und zeigt auf die spärliche Apfelausbeute der vergangenen Tage. 330 Kilogramm zeigt die Waage an. So viele liefern ihm die Menschen in guten Jahren in fünf Minuten an. Doch dieses Jahr ist für den 45-Jährigen nicht nur ein schlechtes Jahr. Es ist das miserabelste überhaupt. Wo sich normalerweise in der Hochsaison Ende Oktober hinter seiner Waage Apfelberge türmen, ist heuer der blanke Beton zu sehen. Ende dieser Woche wird er vermutlich das letzte Mal pressen. Dann werden es rund 5000 Liter Apfelsaft sein, anstelle von 200000 Litern in guten Jahren.

Der späte Frost im Frühjahr hatte viele Apfelblüten erwischt. An vielen Bäumen reifte so heuer keine einzige Frucht heran (wir berichteten). Nur einige spät blühenden Sorten trugen Äpfel. Als im Frühjahr der Frost kam, während gerade die Apfelbäume blühten, hatte auch Richard Mayr aus Binswangen die allergrößten Bedenken. Doch er hatte Glück. Die Bäume auf seiner Streuobstwiese stehen am Waldrand, sind von einer hohen Hecke geschützt. Ein befreundeter Imker hat seine Bienen auf Mayrs Streuobstwiese zur Befruchtung untergebracht. Und so haben seine Bäume letztendlich gut getragen, freut sich der 70-Jährige. Sechs Zentner Äpfel konnte er von den Berner-Rosenäpfeln ernten. Die dunkelroten Früchte sind sehr saftig, können aber nicht lange gelagert werden. So brachte er sie dem Unterliezheimer Gartenbauverein zum Saften. Seine Brettacher – drei Zentner hat er davon geerntet – hat er eingelagert, kann sie erfahrungsgemäß bis März verzehren. Die Wettringer Taubenäpfel halten vermutlich bis Weihnachten. Seine Winterglockenäpfel dagegen sind erst ab Weihnachten essbar, hätten dann aber ein volles Aroma. Alle gefallenen Äpfel verwendet Familie Mayr für Apfelkuchen, Kompott und Apfelstrudel oder verschenkt sie.

Richard Mayr schätzt die Natur. Sein Gras mäht er etappenweise, damit die Bienen immer Futter haben. Fast auf jedem Baum richtete er Nistkästen für Singvögel ein. Außerdem fasst eine bunte Mischung von Laubbäumen das Grundstück innerhalb der drei Meter hohen dichten Hainbuchenhecke ein. Die Hecken sind Richard Mayr wichtig, um die Spritzmittel der angrenzenden Felder abzuhalten.

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Dass Menschen wieder großen Wert auf privaten Obstanbau legen, diese Erfahrung macht Stefanie Reiter. Die 35-jährige Gärtnermeisterin leitet den Gartenmarkt der Wertinger Baumschule Reiter. Rund 2000 Obstbäume umfasst derzeit ihre Eigenzucht, dazu kommen knapp 300, die bereits in Töpfen auf Abnehmer warten. „Die beste Pflanzzeit ist der Herbst“, sagt Reiter, „wenn die Witterung kühl und der Baum in der Ruhephase ist.“ Apfel, Zwetschgen, Kirschen, Quitten und Birnen, als kleinwüchsige Bäume, Halb- und Hochstämme – die Nachfrage steige von Jahr zu Jahr. Ebenso gut kämen Beerensträucher an, Johannisbeeren, Stachel- und Himbeeren seien ebenso im Trend wie die Wildobstsorten, sprich Preisel- und Heidelbeeren.

Von einem steigenden Obstanbau spürt Stefan Krebs nichts. Im Gegenteil musste er vor Jahren die eigene Herstellung von Kirsch- und Johannisbeersaft einstellen, aus mangelnder Anlieferung. Sein Fokus liegt heute auf der Produktion eines gesunden, werthaltigen und gut schmeckenden Apfelsafts. Hier sieht er seine Passion. „Darauf bin ich zurecht stolz.“ Zu einem gesunden Lebensmittel gehört für ihn die Abfüllung in Glasflaschen anstelle des Einfüllen des heißen Saftes in Plastikverpackungen. Der 45-Jährige blickt auf eine fundierte Ausbildung zurück, zunächst als Fachkraft für Fruchtsafttechnik, anschließend als Industriemeister für Fruchtsaft und Getränke. 1994 hat er den heimischen Betrieb vom Vater übernommen. Krebs bedauert, dass immer mehr Menschen ihre Äpfel den heimischen Obst- und Gartenbauvereinen bringen und der Illusion erliegen, dass sie ein gesundes Lebensmittel erhalten, nur weil es von den eigenen Äpfeln ist. Er greift zu einer Glasflasche und weist erneut auf den Wert der Verpackung hin. In klein und groß gibt es die Flaschen in seinem Getränkemarkt gleich neben der Kelterei, zu günstigen Direktvermarkterpreisen. Gefüllt mit reinem Apfelsaft, Apfelmost und allen möglichen Mischungen. Bis nächsten Herbst kann er noch von seinen Tankvorräten des vergangenen guten Apfeljahres zehren. Dann werden sie aufgebraucht sein. Doch Krebs ist zuversichtlich: „Nächstes Jahr gibt es hoffentlich wieder viele Äpfel.“ (mit bbk)

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