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Buttenwiesen

07.03.2018

Buttenwiesener Autor rechnet mit geliebter Heimat ab

Der Rahmen passt: Im historischen Gasthof Straub – „Lagoi“ – in Pfaffenhofen, schart Gerhard Burkard seine Zuhörer um sich. Er schont sie nicht, gibt ihnen aber auch viel Schönes und Humorvolles mit auf den Weg.
Bild: Hertha Stauch

Der Kulturkreis Buttenwiesen hat  den heimischen Autor Gerhard Burkard für eine erste öffentliche Lesung gewinnen können. Gleich zu Beginn macht er seinen Zuhörern klar: „Ihr müsst das hören, was ich euch sage“.

Im ehrwürdigen Saal des Gasthauses Straub in Pfaffenhofen stellt Gerhard Burkard gleich klar, wie der Abend abläuft: „Der Eintritt ist frei, jetzt müsst ihr das anhören, was ich euch sage.“ Man kennt ihn in diesem Gäu, den Gerhard, der bekannt ist dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt und dennoch mit vornehmer Zurückhaltung zu vielem schweigt, was ihm auf den Nägeln brennt. Er spricht es nicht aus, aber er schreibt es nieder, und jetzt im „Lagoi“ – so der Hausname des Gasthofs – lässt er erstmals seinen Gedanken und Gedichten öffentlich freien Lauf. Der Kulturkreis Buttenwiesen hat den ehemaligen Lehrer, Kunstkenner und Sammler von Raritäten eingeladen, sich zu seinen Worten zu bekennen und sie vor Publikum vorzutragen.

Gerhard Burkard passt in diesen Rahmen – historischer Wirtshaussaal, Jugendstillampen, bäuerliche Kunst an den Wänden. Alt und ehrwürdig, gediegen, beständig und bewährt. Ein äußerer Rahmen, der nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass Gemütlichkeit nur kurze Beine hat und Burkard grantig werden kann, heftig und dennoch feinsinnig austeilt, wenn es sein muss. Er schont sie nicht, die Zuhörer und die vielen andächtig lauschenden Zuhörerinnen, die in freudiger Erwartung auf humorvolle Dorfgeschichten hoffen. Die kommen schon, aber erst zum Schluss.

Burkard rollt sein dichterisches Leben auf: Es begann mit der Tatsache, dass früher Fernseher und Internet keine Rolle spielten – es wurden „Versle“ gereimt, auswendig gelernt schon im Kindesalter. Oder Lieder gesungen, wie „Heile, heile Segen“. In der Volksschule versuchte sich der junge Burkard schon, egal ob es sich reimte oder nicht, doch nach der vierten Klasse war Schluss. Dann kam lange nichts bis zu der Zeit, in der Alois Sailer, Landwirt und später Kreisheimatpfleger, seine ersten schwäbischen und hochdeutschen Gedichte herausgab. Burkard schätzte dessen Sprache, ließ sich inspirieren und empfand ebenso wie er – die Stare im Ried haben beide auf ihre Weise beschrieben.

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Burkard übte sich noch an anderen Vorbildern wie dem Kinderbuchautor Josef Guggenmoos oder Joseph Bernhard, katholischer Theologe aus Ursberg, ehe er seinen eigenen Stil festigt. „Die Gedichte sind mir alle geschenkt worden, sind aus einem Gedanken, aus einer Idee entstanden“, erklärt Burkard seinen Zuhörern. Alltägliches gehört dazu, die Tiere, die er beobachtet und für seine Enkel daraus Verse schmiedet. Deftig zuweilen auch schenkelklatschende Bäuerlichkeit:

„Annemarie ga runter,

dia Gäul scheißen Bolla,

ga runter,

dann kann scha´s hola...“.

Burkard kostet alle Versformen aus, wie das japanische Haiku mit seiner fünf- sieben- fünf- Silben-Taktform:

„Hohes Gesumme,

Nachtruhe ist vorüber,

Mückenjagd beginnt“.

Später, viel auf Reisen, bezieht der Autor seine Erlebnisse ein:

„Hellas –

Das Land der Griechen

mit ganzer Seele suchen

und dann noch finden“.

Er beschreibt den Wagenlenker von Delphi oder den Brunnen von Monreale. Burkard vergisst nicht, sich einzuordnen: Er, „das Baurabüble Gerhard Bukard“ übt sich dem, was ihm große Vorbilder vorgegeben haben. In der heimischen Umgebung jedoch ist Burkard sein eigener Lehrer und Meister. Er geht den Skulpturenpfad am Rande des Donaurieds ab und hält sich nicht zurück mit beißendem Spott. Mit Sarkasmus verurteilt er die in den Boden eingelassene Skulptur „Furche“ unterhalb von Oberthürheim:

„Wer anderen eine Grube gräbt,

fällt selbst hinein.

Ach lieber Gott,

lass es vor Fuchs und Has

den Künstler selber sein“.

Unmissverständlich gibt der Dichter Burkard seine Meinung preis. Meist spricht er seinem Publikum im „Lagoi“ aus der Seele. „Zugehört und hingeschrieben, aufgeschnappt und hingerieben“ schont er es jedoch nicht. In seinen Epigrammen, die ein Mäzen für ihn zuletzt herausgegeben hat, schildert er – absolut lesenswert – seine Lebensweisheiten. Es gibt noch mehr Burkard. So klingen im „Lagoi“ auch seine Gedichte aus dem Leben an, in denen er sehr humorvoll die Damenwelt auf´s Korn nimmt oder vom Warzenabbeten erzählt.

Und dann gibt es noch den Gerhard Burkard, der sein Innerstes preis gibt – „Seelen-Striptease“, wie er es nennt. Lyrische Gedichte, die er an diesem Abend nur andeutet, die es aber ebenso Wert wären, in Buchform gesammelt und gedruckt zu werden.

Zur Person: Gerhard Burkard, geboren 1943 in Buchdorf bei Donauwörth, wuchs als Bauernbub auf, besuchte das Gymnasium Dillingen und die Pädagogische Hochschule. Bis zu seiner vorzeitigen Pensionierung wegen einer schweren Erkrankung unterrichtete er in fast allen Jahrgangsstufen in der Grund- und Hauptschule. Sein Interesse galt stets der Literatur, Kunst und Geschichte. Im Ruhestand fing er mit dem Dichten an. Seine Werke sind in schriftdeutsch und schwäbischer Mundart abgefasst

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